Bernd Dechert Fotoquelle: ZVEH
Bernd Dechert Foto: ZVEH

"Wert auf einfache Bedienung legen"

Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), über die Rolle von Beleuchtung für die Barrierefreiheit, einfache Bedienung – und Konzepte für die Zukunft.

Inwiefern spielt der demografische Wandel und damit der Trend oder die Idee vom barrierefreien Bauen und Modernisieren bei der Elektroinstallation eines Hauses eine Rolle?
Gerade in letzter Zeit sind verstärkt ältere Hausbesitzer bereit, in Elektroinstallationen zu investieren. Früher stand bei Renovierungen eher das Bad im Fokus. Das ist zwar nach wie vor der Schwerpunkt, aber die Elektrotechnik hat enorm an Bedeutung gewonnen.

Was wird konkret bei Ihren Mitgliedsunternehmen nachgefragt?
Das Thema Beleuchtung bekommt immer mehr Gewicht. Vor allem in Privatbauten spielt die Planung dafür eine große Rolle, nichts wird mehr dem Zufall überlassen. Schließlich sollen die Räume ausreichend ausgeleuchtet sein. Ein Trend ist auch, mit der Beleuchtung den Biorhythmus zu unterstützen. Gefragt sind darüber hinaus elektrisch bedienbare Rollläden, die vollkommen automatisiert laufen. Eine einfache Steuerung liegt mehr denn je hoch im Kurs.

Gibt es Anwendungen, die sich insbesondere für Barrierefreiheit oder ältere Menschen einsetzen lassen?
Tatsächlich steht alles, was mit Smart Home und Komfort zu tun hat, im Zusammenhang mit altersgerechtem, barrierefreiem Wohnen. Ein Haus mit intelligenter Gebäudetechnik auszurüsten ist für junge Menschen ebenso nützlich wie für ältere. Und im Alter bietet ein gewisser Komfort oft eine unverzichtbare Hilfe. Wenn sich zum Beispiel ein Fenster automatisch und nach Bedarf schließt und öffnet, ist das für einen jungen Menschen Luxus. Dem älteren erspart es aber womöglich größere Anstrengungen. Solche und weitere Funktionen ermöglichen daher ein längeres Wohnen in den eigenen vier Wänden.

Es kann relativ schnell notwendig werden, Automatisierungssysteme zu installieren. Welche Möglichkeiten gibt es da?
Optionen sind funkbasierte Systeme oder Systeme, die über die vorhandenen Energieversorgungsleitungen kommunizieren. Der Vorteil: Sie lassen sich schnell nachrüsten. Nachteilig sind hingegen teilweise die Übertragungssicherheit und die Reaktionszeiten. Aber da hat sich in den vergangenen Jahren schon ziemlich viel verbessert. Moderne BUS-Systeme bieten einen höheren Standard, allerdings müssen dafür neue Leitungen gelegt werden. Abraten würde ich von Billigprodukten, die nur bis zu einem gewissen Grad individuelle Ansprüche erfüllen können.

Was kostet ein solches System?
Im Vergleich zu einer Standardinstallation kostet ein professionell ausgebautes Automatisierungssystem im Privathaushalt etwa das 1,5- bis 1,8-Fache. Es bietet aber auch erheblich mehr Funktionen und Komfort. Die Kosten können je nach Einzelfall stark variieren, sodass eine allgemeine Aussage dazu schwierig ist.

Wo geht die Entwicklung bei Systemen für die Barrierefreiheit hin?
Es ist davon auszugehen, dass es früher oder später zu einem Pflegenotstand kommen wird, da es einfach nicht genügend Heimplätze für Pflegebedürftige gibt. Zudem wollen viele Menschen nicht aus ihren gewohnten vier Wänden ausziehen. Schon heute gibt es daher Systeme am Markt, die ganz gezielt darauf ausgerichtet sind, den Menschen ein Leben in ihrem gewohnten Umfeld überhaupt zu ermöglichen.

Was für Systeme sind das zum Beispiel?
Zum Beispiel Sensorfußböden, die registrieren, ob jemand darüber läuft oder gefallen ist. Sie setzen dann ein Signal an die Notrufzentrale oder Verwandtschaft ab, die bei Bedarf zu Hilfe eilen können. Außerdem gibt es das sogenannte Inaktivitätsmonitoring, mit dem auf Grundlage von abgespeicherten Lebensgewohnheiten überprüft wird, ob alles in Ordnung ist – zum Beispiel, ob ein Mensch länger als es den Gewohnheiten entspricht im Bad oder auf der Toilette bleibt. Diese Sensorentechnik ist sehr ausgereift. Im Prinzip ist sie die Weiterentwicklung des klassischen Umhängeknopfs, mit dem ein Mensch selbst den Notdienst rufen kann. Aber es gibt eben auch Situationen, in denen dieser nicht mehr rechtzeitig gedrückt werden kann. Da ist die Sensortechnik dann eine unverzichtbare Hilfe.

Das klingt nicht unbedingt günstig...
Die neue Technik ist natürlich nicht preisgünstig. Aber wenn man gegenrechnet, wie teuer im Vergleich ein Heimplatz ist, lohnt sich das womöglich sehr schnell.

Wie findet der Bauherr einen Dienstleister, der die benötigte aufwendige Technik auch umsetzen kann?
Der Elektrohandwerker sollte natürlich in diesem Bereich Erfahrungen haben und entsprechend qualifiziert sein. Es bietet sich auch an nachzufragen, welche Referenzen er in diesem Bereich hat. Natürlich kann ein Bauherr ruhig auch einem "Anfänger" eine Chance geben. Aber auch dieser sollte dann mindestens eine Qualifizierung für diesen Bereich absolviert haben.

Über Bernd Dechert:
Bernd Dechert, Jahrgang 1956, ist seit 2000 Geschäftsführer Technik und Berufsbildung beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Der Diplom-Ingenieur studierte bis 1980 Elektrotechnik an der Fachhochschule Darmstadt.
Der ZVEH vertritt die Interessen von 55.579 Unternehmen aus den drei Handwerken Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektromaschinenbau. Mit 473.304 Beschäftigten, davon rund 38.800 Auszubildende, erwirtschafteten die Unternehmen im Jahr 2014 einen Umsatz von rund 52,6 Milliarden Euro.
www.zveh.de

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Datum: 15.01.2016 | Autor: Jörg Stroisch


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