Karl-Heinz Hoffmann Fotoquelle: Pressefoto
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"Barrierefreiheit stellt eine Unfallprävention dar und ist für alle komfortabel"

Karl-Heinz-Hoffmann, Inhaber der Firma HOME SOLUTION – Pro Handicap e.U., über die Arbeitsweise bei einem barrierefreien Umbau, die konkrete Projektumsetzung – und warum Barrierefreiheit ein Thema ist, was jeden angeht.

Was war die Ausgangssituation für den Umbau?
Wie so häufig stand am Beginn ein akuter Notfall, denn die Menschen stellen das Thema Krankheit und Pflege meist hintan. Die Bewohnerin hatte einen Schlaganfall, daraufhin schrieb mich der Ehemann an. Ich habe das Einfamilienhaus dann umsichtig begutachtet, es war – wie fast immer – nicht für eine Wohnraumanpassung vorgesehen. Und dass Barrierefreiheit schon vor der Eingangstür beginnt und nicht erst im Badezimmer, das ist vielen Menschen auch nicht bewusst. Viele sind von der Situation absolut überfordert. Für das generationen- und behindertengerechte Planen und Bauen braucht es Experten.

Wie setzen Sie einen barrierefreien Umbau wie diesen um?
Ich sensibilisiere im Vorfeld und arbeite mit bewährten Dienstleistern sehr eng zusammen. Dabei sorge ich dafür, dass die Gewerke wie Zahnräder ineinandergreifen. Sprich: Ich sorge immer für etwa zwei Stunden Überschnitt zwischen den Handwerkern, damit sie sich direkt austauschen können. In der Regel denkt ein Handwerker nur an seine eigene Arbeit, aber es ist immer gut, wenn sich die Gewerke abstimmen. Das muss genau abgestimmt werden, denn meist bleibt nicht viel Zeit, bis die betreffende Person wieder nach Hause kommt.

Wie funktioniert eine derart auf Zeiteffizienz ausgerichtete Zusammenarbeit mit dem Handwerker?
Man muss auf einer Baustelle den Handwerker eigenständig handeln lassen, soweit möglich. Wenn der Baumeister sagt: "Ein anderer Weg ist besser", dann sage ich: "Du hast Recht, aber sprich das gleich mit dem nachfolgenden Gewerk ab". Niemand kann sich in allen Gewerken perfekt auskennen, es ist wichtig, das Expertenwissen zu respektieren. Partner am Bau sind nicht deshalb so erfolgreich, weil sie auf vielen Gebieten viel wissen, sondern ein Teilgebiet besser beherrschen als andere.

Was sollten die ersten Schritte bei der Umsetzung von Barrierefreiheit sein?
Generell sind dafür Experten erforderlich. Eine erste Anlaufstelle können soziale Dachorganisationen sein, die informieren. Im akuten Fall können auch die Sozialberater direkt im Krankenhaus als Erstes angesprochen werden. Sie fungieren als Mediator, betreiben Krisenintervention und helfen. Für die Umsetzung selbst müssen Fachleute ausgewählt werden, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben. Der Bauherr sollte sich immer den professionellen Praktiker suchen, er darf sich durch Semi-Profis nicht verunsichern lassen. Jetzt, da Barrierefreiheit immer häufiger in den Medien vorkommt, schreiben sich viele dieses Thema auf ihre Fahnen.

Was ist der größte Fehler, den der Bauherr machen kann?
Barrierefreiheit ist ein riesiger Markt. Entsprechend tummeln sich hier sehr viele Anbieter, die schwierige Situation ausnutzen – ähnlich wie bei Schwangerschaften, Hochzeiten oder Beerdigungen – und überteuerte Leistungen und Produkte anbieten.

Geht es denn in erster Linie darum, bei der Auswahl auf die Themen Pflege und Barrierefreiheit zu achten?
Barrierefreiheit assoziieren viele Menschen mit Behinderung oder Pflegebedürftigkeit. Aber: Barrierefreiheit ist für alle Menschen komfortabel, für 100 % der Menschen. Für etwa 10 % ist es zwingend erforderlich und für 40 % empfehlenswert – Tendenz steigend. Schon bei einem temporären Handicap, etwa durch einen Bandscheibenvorfall oder einen Sportunfall, ist Barrierefreiheit sehr hilfreich. Zudem handelt es sich um ein Lifestylethema: Wie kann sich der Einzelne den Alltag modern erleichtern? So erfährt das eigene Zuhause eine nachhaltige Wertsteigerung mit der risikofreien Investition in mehr Lebensqualität.
Barrierefreiheit ist zudem ein Teil der Unfallprävention. Wenn ich beispielsweise absenkbare Oberschränke habe, braucht mein Kleinkind nicht auf die Arbeitsplatte steigen, um an Dinge heranzukommen. Kinder verstehen das völlig unvoreingenommen sofort. Die sagen dann: "Das ist praktisch, was kostet das?" Meistens sind die Eltern dann sehr echauffiert, werden aber zum Nachdenken angeregt. Und das muss viel häufiger passieren: Barrierefreiheit ist kein Nischenthema, sondern bringt für jeden Vorteile.

Über Karl-Heinz Hoffmann:
Karl-Heinz Hoffmann, Jahrgang 1960, ist Inhaber der Firma HOME SOLUTION – Pro Handicap e.U. in Wien. Die Firma besteht seit 2008 als eingetragenes Unternehmen. Hoffmann ist als Praktiker seit Jahren unter anderem in der Möbel- und Einrichtungsbranche als Küchenfachberater, Wohnexperte und Feng-Shui-Praktiker für Menschen mit Behinderung und pflegende Angehörige aktiv.
www.homesolution.at

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Datum: 13.02.2016 | Autor: Jörg Stroisch


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