Fotos: Jörg Stroisch (Artikel) Von Jörg Stroisch
16 Kilometer Wanderung, manche Reiseführer schreiben sogar 18 Kilometer. Davon 13 Kilometer durch den Samaria-Nationalpark. Nadelwälder, Zypressen, schlank und hoch: Die ersten dreieinhalb Kilometer gehen steil bergab. "1500 Touristen gehen in Hochzeiten täglich durch die Schlucht", erzählt Reiseleiterin Claudia. Manchmal riecht es intensiv, ein wenig nach Weihrauch. Eine niederländische Touristengruppe überholt springend im Schnellschritt. Kein ebener Weg: Anfansg sind die Steinstufen mit Holz begrenzt - Xyloskala, übersetzt Holztreppe, heißt dieser Abschnitt deshalb. Später durchzieht altes Wurzelwerk den Geröllweg. Schotter, spitze Steine, Erde.
Verblühender Orleander in weiß und rot. Nach dreieinhalb Kilometer und eineinhalb Stunden ist das Flußbett erreicht. Leer, Wasser führt es noch nicht. HIer sind die Steine glatt, manchmal schwarz. An lichten Stellen knallt schon jetzt unerbärmlich heiß die Sonne, Mittagszeit, der Wasserverbrauch steigt. Weiter bergab führt der Weg nun zum Dorf Samaria, manchmal durchbricht kühles Quellwasser den Fluß.
Die niederländische Touristengruppe macht mittlerweile an jeder kleinen Raststelle ausgiebige Pausen, einige tragen nur Sandalen. Immer seltener überholen sie im Anschluss wieder die gleichmäßigen Läufer. Kurz vor Samaria können einige kaum noch laufen.
Das Dorf Samaria bei Kilometer 7,1
Das Dorf Samaria erscheint bei Kilometer 7,1, noch nicht einmal Halbzeit. "Für die Bewohner war es eigentlich Glück, dass sie hier umziehen konnten", erklärt Claudia. Neun Kilometer für eine Strecke mussten die Kinder zur Schule laufen. 1962 wurde die Schlucht Nationalpark und alle Bewohner verließen das Dorf. Die Häuser sind fast alle zerfallen, nur am Rastplatz werden ein paar erhalten.
Sonnenschein auf Schotterweg
Nun brennt die Sonne kilometerlang ungehindert auf den Schotterweg. Ein alter Mann treibt seinen schwarzen Esel gemächlich, das Tier ist schwer bepackt. Die Schlucht wird eng. 500 Meter in die Höhe ragen die Steilhänge manchmal, kleinere Überhänge spenden wenig Schatten. Schotter schwimmt unter den Fußsohlen, kein Tritt ist mehr fest. Stechen mit jedem Schritt, qualvolle Kilometer. Kein Wasser für fast eine dreiviertel Stunde. Dann wird es schattiger, Nadelbäume. Und plötzlich rauscht auch wieder der Fluß hinunter. Die "eiserne Pforte" kommt danach, ist nur drei Meter breit. Die "Gesetzlosen", Kretas Rebellen gegen die Besatzungsmächte, konnten diese Stelle immer gut verteidigen. So entstand der Name.
An Kilometer 13 endet der Nationalpark, drei Kilometer lädt später der schwarze Grobsandstrand von Agila Ruméli zur Abkühlung im lybischen Meer ein. "Kreta ist wirklich stein-reich", scherzt Claudia. Sechs einhalb Stunden. Die niederländische Touristengruppe ist lange nicht zu sehen, taucht erst etwa eineinhalb Stunden später auf.