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Voice over IP (VoIP) etabliert sich auch in Deutschland immer mehr als echte Alternative zum
normalen ISDN- oder Analogtelefonanschluss. Die Technik vereinfacht sich zwar, so richtig ist das
Internet-Telefon aber immer noch nur etwas für den ambitionierteren Computeranwender. Stecker
rein, fertig: So einfach geht es beim Analogtelefon. Etwas mehr Aufwand ist dagegen beim
Telefonieren über den Internetanschluss notwendig. Dabei zeigt sich: VoIP ist alles andere als
intuitiv und schlägt sich außerdem immer noch mit Kinderkrankheiten herum, die an die Anfänge
vom Mobilfunk oder Internet erinnern. Veröffentlicht in: Teltarif.de (am 21.10.2006)Von Jörg Stroisch
Rauschen, Knacken, Echo
Als das Mobilfunkzeitalter in Deutschland begann, war der Punkt "technische Qualität" immer noch
ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Wahl des Netzanbieters. Knacken, Rauschen und die
Wiederholung des Gesprochenen im Hintergrund als Echo markierten den Beginn des rapiden
Netzausbaus. Heute sind diese Aspekte im Handymarkt kaum noch ein Problem. Durch VoIP erlebt
die lästige Fragestellung nach der gewährleisteten Sprachqualität eines Anbieters aber wieder eine
Renaissance. Mag es beim privaten Anruf nur ein lästiges Ärgernis sein, so ist es beim
geschäftlichen Gespräch ziemlich peinlich, wenn offensichtlich die Qualität hinkt.
So merkt jeder Anrufer beispielsweise zwischen Skype und QSC einen deutlichen Unterschied.
Bei Skype wirkt das Gespräch generell ein wenig übertönt, wohingegen QSC vom analogen
Telefonat nicht mehr zu unterscheiden ist. Ein guter Trick ist es, die Sprachqualität zunächst mit
dem Computer-Softphone und dem Headset an der Soundkarte auf Minutenabrechungsbasis
ausgiebig zu testen, bevor die teure Telefonflatrate gebucht wird.
Neben der generellen Netz- oder besser Serverkapazitätsqualität des Anbieters, die großen
Einfluss auf diese Aspekte hat, ist aber auch die eigene Bandbreite und Hardware ein wichtiger
Faktor. So wird zwar generell für ein Sprachtelefonat nur eine Upload- und Downloadbandbreite
von 200 Kilobit pro Sekunde empfohlen. Ein guter Tipp ist es aber, diese Bandbreite für beide
Richtungen ordentlich heraufzusetzen - vor allem dann, wenn auch mehrere Telefonate gleichzeitig
möglich sein sollen. Das ist dann allerdings mit manchem DSL-Tarif schon ein Problem. Auch die
Hardware muss stimmen: Die Phonebox erlaubt häufig Einstellungen, mit denen die Sprachqualität
stark beeinflusst wird. Hier kann auch Festnetzqualität als Standard eingestellt werden. Außerdem
wichtig: Die Up- und Downstreamgeschwindigkeit muss bei der Anschlusskonfiguration genau
mitgeteilt werden.
Hardwareabenteuer
Telefonieren per Voice over IP, Foto: 1&1 Es gibt eine Zeit vor der AVM FRITZ!Box und eine
danach. Vorher war die VoIP-Telefonie vernebelt, schwierig, nur etwas für echte Freaks. Mit der
Einführung kann man zurecht von einem Meilenstein für die Technik sprechen, andere Anbieter
haben natürlich mittlerweile auch entsprechend bedienungsfreundliche Modelle im Lieferumfang.
Soweit die gute Nachricht: Für Personen, die gerne irgendwelche Telekom-(Reseller)-DSLLeistungen
buchen - und dort auch gleich ihre Hardware bestellen - ist oft schon ziemlich viel
vorkonfiguriert. Möchte man allerdings den Telefonanschluss unabhängig vom DSL-Anbieter
buchen oder setzt man auf andere Verfahren á la QSC, dann wird es gleich wesentlich
komplizierter. Auf jeden Fall müssen die neuen Telefonnummern in Menüs eingetippt werden, was
für viele gar nicht so einfach ist. Mancher großer Anbieter ist zumindest bei der FRITZ!Box schon
vorkonfiguriert. Und auch der Anschluss des Telefons kann ein Problem werden, wenn
beispielsweise eine ISDN-Anlage zwischengeschaltet werden soll.
Wenn es nicht klappt: Woran liegt es nun? Die Probleme können so vielfältige Ursachen haben,
dass ein paar Stunden Probieren schnell vorbei sind. Klappt es dann noch immer nicht, sollte lieber
auf Spielereien wie die angeschlossene ISDN-Anlage verzichtet werden.
VoIP ist nicht FoIP
"Eine Faxnummer inklusive", "eine Durchwahl für den Fax-Versand und -Empfang via Internet" -
das klingt für den Laien zunächst nach normalen Fax-Empfang und - Versand vom VoIP-Anschluss
aus. Und kaum jemand bezweifelt dies auch zunächst ernsthaft, denn auch beim analogen
Anschluss ist das ja kein Problem. Erst in den FAQs klären die Anbieter dann darüber auf, dass der
Fax-Versand über ein Fax-Gerät gar nicht möglich ist und der Empfang auch nur über eine
Weiterleitung an die eigene Mailadresse. Der Versand erfolgt dann über eine Website. Nicht gerade
im Sinne des Verbrauchers, der eigentlich sein altes Fax-Gerät weiterverwenden wollte.
Echtes Fax-over-IP (FoIP) ist also eher Zukunftsmusik. Der Grund für die Unverträglichkeit
herkömmlicher Fax-Methoden mit VoIP liegt in der Verzögerung. Nur der Codex T.38 scheint hier
eine gangbare Echtzeitalternative zu sein, den unterstützt aber kein VoIP-Anbieter in Deutschland.
Kein Anschluss an vielen Anrufmaschinen
Ein Anruf bei der Bank, kurz PIN eingeben und dann Kontotransaktionen tätigen: Bei VoIP ist das
ein Problem. Die Maschine am anderen Ende der Leitung erkennt in vielen Fällen die eingetippten
Botschaften nicht. Das hängt auch damit zusammen, dass die Informationen nicht gerade in Echtzeit
übertragen werden, es kommt zu Verzögerungszeiten. Und natürlich können auch mal Datenpakete
verloren gehen oder das Echo zu Problemen führen. Und noch besser: Da viele Institutionen mit
0180- oder anderen Sondernummern arbeiten, braucht man es gar nicht erst mit dem Anruf zu
versuchen. Viele VoIP-Anbieter sperren solche Rufnummern generell.
Das gleiche Problem gibt es bei virtuellen Mailboxen: Manche Anbieter schalten diese
beispielsweise nur ein, wenn das Telefon überhaupt nicht angeschlossen ist und dann nur mit
Standardtext. Hier ist es nett, eine individuelle Alternative im Web zu finden. Gar nicht so leicht,
denn viele dieser Angebote nehmen zwar auf, können aber nicht kostenlos abgerufen werden und
haben außerdem das Erkennungsproblem vom VoIP-Telefon aus. Die Lösung: Einen kostenlosen
VoIP-Anbieter mit Komfortmailbox wählen und entweder komplett mit diesem telefonieren oder
alternativ in der Hardware eine Umleitung zu dessen Nummer eingeben. Diese Mailboxen
verstehen dann natürlich auch die VoIP-Signale. Eine andere Lösung ist es, gleich einen echten
Anrufbeantworter zu kaufen.
Support und Vertrag
Absetzen eines Notrufs, Foto: sipgate "Für die Hardware übernehmen wir keinen Support, testen
Sie bitte zunächst, ob alles mit dem Softwarephone funktioniert." Auch hier erinnert der
Kundenservice manches VoIP-Anbieters eher an den Beginn des Internetzeitalters. Interessant
dabei: Obwohl mancher Anbieter seinen Support nur über teure 0180- oder 0900-Nummern
zugänglich macht, können gerade solche Nummer mit dem Anschluss dieser Anbieter nicht erreicht
werden. Denn häufig sind die Sonderrufnummern generell gesperrt. Das ist auch mal eine
Möglichkeit, sich lästige Kundenanfragen vom Leib zu halten: einfach prinzipiell nicht erreichbar
sein. Hier hilft dann nur der Anruf vom Handy oder von einem normalen Telefonanschluss aus.
Andere Anbieter erlauben übrigens nicht das Absetzen eines Notrufes, dort steht dann lapidar im
Kleingedruckten: Ein Handy oder ein anderes Telefon sollte dafür zusätzlich vorhanden sein.
Überhaupt sind die Service- und Vertragsdetails nicht ohne. Die kleinen Hochnummern und
ellenlangen Erläuterungen, unter welchen Bedingungen nun tatsächlich der günstige -
großgeschriebene - Preis gilt, sind allerdings nicht nur eine spezielle Erfindung der VoIP-Anbieter,
sondern leider in vielen Bereichen traurige Realität. Transparenz und Kundenfreundlichkeit sehen
jedenfalls anders aus: Ob Vertragslaufzeit und tatsächliche Monatskosten, Kosten für Hardware und
den Support, hier muss der Verbraucher selbst einen Vergleich anstellen.
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