Streik bis zur letzten Bahnschwelle

Die Lokführergewerkschaft GDL streikt bis in die Unendlichkeit und die Deutsche Bahn erfindet neue Gerichte, vor denen sie dagegen klagen kann. Ein satirisches Zukunftsszenario rund um den Bahn-Tarifkonflikt.

Schon jetzt ist klar, die Streikkassen der GDL sind gut gefüllt. Entsprechend lange könnte sich der Bahnstreik hinziehen. In geheimen Runden loten deshalb die Lokführergewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn aus, wie sie sich dafür rüsten könnten, wie wiwo.de recherchierte.

Eine Woche Streik

Alles bleibt beim Alten: Die GDL fordert den eigenständigen Tarifvertrag, GDL-Chef Manfred Schell bleibt verbal zunächst weiter auf "Außerirdischen"-Niveau. Die Deutsche Bahn bleibt ebenfalls weiter bei ihrer Taktik: Eine neue Verpackung für ein altes Angebot sowie eine mittelgroße Schadensersatzklage gegen die GDL.

Ein Monat Streik (kurz vor Weihnachten)

Immer noch fährt nichts und der Umgangston wird schärfer. Die Deutsche Bahn lässt ihr altes Angebot nun in der Verpackung eines Weihnachtsgeschenks vom Nikolaus persönlich an GDL-Chef Schell übergeben. Dieser erklärt es prompt für "teuflisch" und vergleicht Bahn-Chef Mehdorn mit abbrennenden Kerzen am Weihnachtsbaum. "Seine Zeit brennt ab", so Schell gegenüber dem Nachrichtensender N24. Da die Amtsgerichte Weihnachtspause haben, verzichtet die Deutsche Bahn zunächst auf weitere Klagen.

Sechs Monate Streik

Im Güterverkehr geht mittlerweile gar nichts mehr. Die Wirtschaft ist auf LKWs, Taxis und Eselkarren umgestiegen, um ihren Rohstoffbedarf weiter zu decken. Die Pendler suchen sich verstärkt Arbeitsstätten in fußläufiger Nähe. Die Deutsche Bahn unterbreitet der GDL zum 65. Mal das gleiche Angebot in einer neuen Verpackung und fordert zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Gleichzeitig klagt sie vor dem Europäischen Gerichtshof, weil sie "das Menschenrecht auf Verkehr" durch den Streik verletzt sieht. Die GDL empfindet das als Provokation. Schell verlängert seine Amtzeit als Gewerkschaftsvorsitzender mit den Worten. "Ich habe den längeren…. Äh, Atem. Und überhaupt: Mehdorn ist ein kleiner Gnom."

Ein Jahr Streik

An den Bahnsteigen herrscht gähnende Leere. Fliegende Händler verramschen in den Bahnhofsvorhallen mittlerweile alles, was das Herz begehrt. Das Marketingkonzept des "Bahnhofmarktes" ist geboren.

Die Deutsche Bahn gründet einen eigenen Kreativ-Unternehmensbereich für Tarifstreit-Verpackungen. Mit ihren bisher 135 Ideen hatte sie bereits mehrere angesehene Design- und Kommunikationspreise eingeheimst. Derweil verklagt sie die GDL auf eine Milliarde Euro Schadensersatz vor dem UN-Völkergericht wegen "verbrecherische Vergehen gegen das Völkerrecht auf Daseinsberechtigung."

GDL-Chef Schell vergleicht derweil Bahn-Chef-Mehdorn mit einer ganzen Reihe von Diktatoren dieser Welt – der Begriff "Bahndiktator" wird zum Wort des Jahres gewählt. Derweil rechnet die Gewerkschaft die entgangenen Lohnerhöhungen durch und fordert nun eine Gehaltssteigerung von 300 Prozent sowie auch eigenständige Tarifverträge für die Kofferträger und Putzkolonnen der Deutschen Bahn.

Zehn Jahre Streik

Nachdem nun auch die LKW-Fahrer, Taxifahrer und Eselkarrenhalter dem Vorbild der GDL folgen und in einen unbefristeten Streik für einen eigenständigen Tarifvertrag treten, bekommt der Begriff "Home-Office" eine ganz neue Bedeutung. "Leben und Arbeiten" – die Arbeitnehmer schlafen nun direkt im Büro.

Die Deutsche Bahn schafft eine eigene Gerichtsbarkeit "Gericht der Bahnen" mit insgesamt fünf Berufungsinstanzen an 1230 Standorten in Deutschland und verklagt die GDL nun auf 100 Milliarden Euro Schadensersatz "wegen Verstoß gegen Menschenrechte, Beleidigung von Bahnvorständen und verrostenden Schienen und Zügen."

Manfred Schell lässt sich für weitere 20 Jahre als GDL-Chef wiederwählen. Die GDL wird unbenannt in "Streik- und Pensionsgewerkschaft Deutscher Lokomotivführer" (SPDL), damit sich auch viele mittlerweile verrentete Streikende noch begrifflich wieder finden. GDL-Chef greift Mehdorn direkt an: "Wir halten noch 1000 Jahre durch. Sie (zensiert)." Und an die Gewerkschaftsmitglieder gerichtet: "Wollt Ihr den totalen Streik?"

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet - und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.
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Artikel drucken drucken | Autor: Jörg Stroisch


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