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Fotoquelle: Hypo Real Estate

Wieandt ist Spross einer Saniererdynastie

Es liegt ihm vielleicht in den Genen: Für Vater Paul waren beinahe bankrotte Kreditinstitute eine Art Lebensgefühl. Paul Wieandt rettete die Landesbank Rheinland-Pfalz und die BfG vor dem Untergang, leitete die planvolle Liquidation der Schmidtbank und führte die Fraspa in die sicheren Arme der Helaba. Und sein Sohn Axel soll es nun bei der Hypo Real Estate richten.

Veröffentlicht in: wiwo.de (am 08.10.2008)
Fotos: Hypo Real Estate Hypo Real Estate (Artikel)

Von Jörg Stroisch

Als Paul Wieandt im März 2007 starb, war sein Name in der Bankenlandschaft bereits legendär. Den "Red Astair" der Branche nannte ihn die "Börsen-Zeitung" in einem Nachruf. Ebenso, wie der amerikanische Feuerwehrmann, wurden ihm beinahe magische Fähigkeiten bei schwierigen Kandidaten, bei der Sanierung von in die Bredouille geratenen Kreditinstituten, nachgesagt. Auf den Begriff "Banksanierer" käme als Antwort vor entsprechendem Publikum prompt Paul Wieandt, so die "Börsen-Zeitung" damals weiter.

Die Liste von Vater Pauls Taten ist sehr lang. 1990 die Bank für Gemeinschaft (BfG), 1996 die SchmidtBank. "Das Sanierungsprogramm ähnelte sehr der Rosskur bei der BfG", schreibt dazu das Online-Lexikon Wikipedia.de. Die Hälfte der Filialen wurden hier gestrichen, 800 der 2000 Angestellten entlassen, die Direktbanktochter Consors verkauft – und schließlich 2004 die SchmidtBank aufgelöst. Auch die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) ist 2004 ein prominenter Sanierungsfall von Paul Wieandt.

Familiäres Netzwerk in der Bankenbranche

Der Ruf des 42-Jährigen Sohnes Axel ist ebenfalls passabel. Als "Mastermind" für die strategische Entwicklung der Deutschen Bank tituliert ihn das "Handelsblat", als "Zögling" von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht ihn die Nachrichtenagentur dpa. Zuvor legte der gebürtige Bochumer eine steile Karriere hin: Studium an der Otto-Beisheim School of Management in Vallendar, 1993 Promotion und seit 2005 auch Honorarprofessor an seiner Lehrstätte. Stationen bei McKinsey und Morgan Stanley. Und ab 2000 dann jüngster Bereichsvorstand der Deutschen Bank, eben Chefstratege.

Unbestritten ist Wieandts exzellente Vernetzung im deutschen Bankensektor. Dabei ist sein Familiennetzwerk sicherlich eines der stärksten in der Branche. Schwester Dorothee ist so Partnerin im Frankfurter Büro von Goldman Sachs – und mit dem Commerzbank-Chef Martin Blessing verheiratet, den sie noch aus Studienzeiten kennt. Carl, der jüngste Sohn von Paul Wieandt, arbeitet seit 2007 als Partner für Corporate Finance bei der Unternehmensberatung McKinsey.

Die Hypo Real Estate wird in jedem Fall eine besondere Rosskur erfahren, ob sie dem üblichen Weiandt’schen Familienrezept entspricht, wird sich noch herausstellen. Kritisch wendet die "Süddeutsche Zeitung" in diesem Zusammenhang ein, dass die Erfahrungen des neuen Machers Axel Weiandt im Immobilienbereich als "überschaubar" gelten, der Banker bisher noch nie eine eigene Bank geleitet hat. Der neue Spross der Sanierungsdynastie Wieandt muss sich seine Lorbeeren also erst verdienen. Aber vielleicht wird dadurch ja auch der neue "Red Astair" der Branche geboren. Die Familiengene bringen jedenfalls eine gute Voraussetzung dafür mit.


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Für Wiwo.de arbeitet der Journalist Jörg Stroisch als freier Onlineredakteur.
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