Techniker auf Chef-Level

Die Informationstechnik gewinnt in den Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Gefragt sind hier Experten, auch in den Führungsetagen. Der Beruf des „Chief Information Officers“ (CIO) gehört dazu.

Immatrikulieren übers Internet, wissenschaftlicher Austausch per Videokonferenz und E-Learning am Laptop: Die deutschen Universitäten erleben gerade eine technische Revolution. Die technische Ausstattung zieht eben an – aber nur, wenn sie funktioniert.

„Die moderne Universität benötigt für nahezu alle Aufgaben in Forschung, Lehre und Verwaltung eine effiziente Unterstützung durch Informatik und Informationstechnik“, sagt Arndt Bode, Informatikprofessor an der Technischen Universität München.

Vor vier Jahren wurde er der erste CIO einer deutschen Hochschule. Mittlerweile haben nicht nur immer mehr deutsche Hochschulen, sondern auch viele Unternehmen aus der freien Wirtschaft erkannt, dass sie einen Mittler zwischen IT-Abteilung und Geschäftsseite brauchen. Jemand, der sich in beiden Bereichen gut auskennt und von beiden Seiten akzeptiert wird. Dazu setzen immer mehr Unternehmen einen CIO ein.

Know-how in IT und Betriebswirtschaft

„Ein erfolgreicher CIO muss betriebswirtschaftliches Verständnis mitbringen und die Anforderungen der Business-Seite technologisch umsetzen lassen“, sagt Wolfgang Franklin, Vorsitzender des Vereins „cioforum“. Der Begriff CIO kommt aus der amerikanischen Geschäftswelt. In Deutschland wird er meist für den IT-Leiter einer Firma verwendet. Doch „CIO ist nicht gleich CIO“, sagt Franklin. Besonders während des ersten Internethypes Ende der 90-er Jahre habe der Begriff eine inflationäre Verbreitung gefunden.

„Jeder Turnschuhadministrator fühlte sich zum CIO berufen“, sagt Franklin. Fest steht: Es gibt kein klar umrissenes Berufsbild und die konkreten Aufgaben richten sich nach der Art des Unternehmens und dem jeweiligen Stellenwert der IT. Selbst wenn der Leiter der IT-Abteilung intern CIO genannt wird, stehe dieser Begriff meist nicht in seinem Arbeitsvertrag, sagt Franklin. „Für Manche ist der Begriff CIO eine Aufwertung. Sie gehören damit dem C-Level an“ – wie der Chief Executive Officer oder der Chief Financial Officer – und das klinge eben besser.

Mehr als ein Techniker

Ob CIO oder IT-Manager: Durch die steigende Bedeutung der Informationstechnologie haben sich auch die Positionen verändert. Früher gab es einfach den EDV-Verantwortlichen, den Administrator. Er hatte stark technikbezogene Aufgaben und sorgte dafür, dass in der Firma die Computer liefen.

Inzwischen kommt kaum mehr ein Unternehmen ohne eine größere IT-Abteilung aus. Somit haben sich auch die Aufgaben im IT-Bereich verändert: Der CIO verantwortet nicht nur die IT, er muss auch die Geschäftsziele der Firma im Blick haben. Damit fungiert er als Mittler zwischen IT und Business im Unternehmen.

„Derartig starke Veränderungen bergen viele Herausforderungen“, sagt Helmut Krcmar, Professor für Wirtschaftsinformatik an der TU München und Mitgründer des Netzwerks CIO-Circle. „Die CIOs selbst sehen sich Anforderungen gegenüber, die sich schnell und grundlegend verändern. Zugleich müssen auch die Unternehmen lernen, in ihren CIOs mehr als nur die Techniker zu erkennen.“

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.