„Angebot und Nachfrage passen erstmals zusammen“

Werner Grohmann prognostiziert „Software as a Service“ (SaaS) mehr Erfolg als noch vor wenigen Jahren: Der Geschäftsführer der Münchener Unternehmensberatung H.K.P. Consulting und Betreiber von saas-forum.net im wiwo.de-Interview.

wiwo.de: Das Thema „Software as a Service“ (SaaS) galt schon einmal als ein viel versprechendes Angebot in der IT, hatte aber trotzdem keinen Markterfolg. Nun ist SaaS wieder im Gespräch. Woher kommt der zweite Aufwind?

Werner Grohmann: Angebot und Nachfrage passen jetzt erstmals zusammen. Beim ersten Hype um SaaS : damals noch unter dem Kürzel ASP – während des Booms der New Economy war die Idee sicher auch schon gut, aber das Timing stimmte damals noch nicht.

Es fehlte zum Beispiel die hohe Bandbreite bei den Internetverbindungen, die wir heute flächendeckend in Deutschland haben. Der Umgang mit dem Internet war damals auch noch weniger ausgeprägt, da wurde der Nutzwert von SaaS einfach noch nicht erkannt. Außerdem war der Druck für den Anwender nicht da, den es heute durch die geforderte Flexibilität und Mobilität in weiten Bereichen der Arbeitswelt gibt.

Was ist denn der konkrete Nutzwert?

Vertriebsmitarbeiter und -partner sitzen heute im Homeoffice oder Außenstellen auf der ganzen Welt. Trotzdem müssen sie natürlich auf Anwendungen und Daten des Unternehmens zugreifen können.

Für alle diese Mitarbeiter eine eigene IT-Infrastruktur aufzubauen und zu betreiben, wäre viel zu kompliziert und zu teuer – vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen, die ihre Geschäfte heute verstärkt international ausrichten müssen. SaaS-Anwendungen sind dagegen günstig und weltweit über Internet zugänglich.

Was haben die Anbieter aus dem ersten erfolglosen Hype gelernt?

Ich denke, sie achten jetzt mehr auf die Bedürfnisse der Anwender. Am Anfang haben sie damit geworben, dass man künftig am Strand liegen und seine E-Mails abrufen kann. Ich würde das gar nicht wollen, wenn ich im Urlaub bin.

Außerdem dachten die Anbieter, dass das SaaS-Modell rasch das traditionelle Lizenzmodell ablösen würde. Diese Prognose hat sich nicht bewahrheitet. Es läuft aus heutiger Sicht auf eine Kombination aus fest installierter und gemieteter Software hinaus.

Zuerst hieß das Angebot „Application Service Providing“ (ASP), jetzt nennen es die meisten SaaS, andere verwenden die Bezeichnung „Software on demand“. Für den Anwender ist das doch nicht mehr durchschaubar.

Das stimmt. Wir sehen häufig Fragezeichen in den Gesichtern der Kunden, die wir beraten, wenn wir von SaaS sprechen. Da gibt es sicherlich noch viel Aufklärungsbedarf. Da hilft es nur, Beispiele zu finden, die die Kunden verstehen. Viele Leute sind sich übrigens gar nicht darüber bewusst, dass sie schon längst mit dem Prinzip von SaaS vertraut sind: Amazon und die ganzen Freemail-Angebote sind eigentlich nichts anderes, nur eben kostenlos, bzw. werbefinanziert.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.