So gelingt der Einstieg ins Internet

Der Einstieg ins World-Wide-Web klingt zunächst schon recht kompliziert und wirkt auch unsicher. Dabei sind mit einigen wenigen Handgriffen die wichtigen Weichen schnell gestellt. Tipps rund um den schnellen und sicheren Einstieg ins Internet für Silver Surfer.

„Als ich dann zur Fortbildungseinrichtung gegangen bin, um mal zu testen, was die für ein Programm bieten, wusste dort keiner Bescheid.“ Besonders vertrauenserweckend fand Herbert Müller dieses Angebot nicht. Anlass war ein Inserat „Internet für Senioren“ in der örtlichen Tageszeitung.

Und in der Tat: Von der zahlungskräftigen Gruppe der so genannten „Silver Surfer“ versprechen sich auch einige schwarze Schafe in der Weiterbildungsbranche schnelles Geld. Aber: Gleich den Laptop anschaffen und einen Telefonvertrag abschließen – das ist in vielen Fällen auch der falsche Weg. Der erste Schritt ist es, zu testen, was das Internet kann und ob man damit umgehen kann.

Dazu sind Internetcafés gut geeignet. Hier gibt für sehr wenig Geld eine sehr schnelle Internetverbindung. Und ein kleiner Kurs kann auch nicht schaden: Die örtliche Volkshochschule hat oft spezielle Angebote für Senioren im Programm – und ist ein unbestritten seriöser und günstiger Anbieter.

Wahl des richtigen Internetzugangs

Soll es künftig auch daheim ins Internet gehen, dann ist die Auswahl an unterschiedlichen Zugangsarten ins Internet groß und unübersichtlich. Zunächst der Computer. Hier gilt die Regel: Je billiger, desto besser. Für einen „normalen“ Durchschnittsnutzer ist ein Super-Computer völlig überdimensioniert. Der Rechner sollte als Minimalausstattung ein Betriebssytem (also Microsoft Windows), eine integrierte Netzwerkkarte und ein integriertes 59 K-Modem besitzen. Das ist eigentlich fast Standard und deshalb werden viele Computer diesen Anforderungen entsprechen. Solche Modelle gibt es ohne Monitor für rund 300 Euro, der Computerfachhandel berät hier gerne.

Bleibt die Zugangsart: Mit dem integrierten 59-K-Modem kann der Silver Surfer zunächst relativ einfach über die analoge Telefonleitung ins Internet. Dazu wird das mitgelieferte Telefonkabel in den Steckplatz für das Faxgerät der eigenen Telefonbuchse gesteckt.

Computer starten und fertig? Leider nein: Für die Einwahl ins Internet ist nun zunächst noch ein Telekommunikationsnbieter nötig. Besonders einfach geht das hier mit T-Online oder AOL. Die Software wird häufig schon mit dem Computer mitgeliefert und ist vorinstalliert. Sie muss dann einfach noch aktiviert werden. Weiterer Vorteil: Die Bedienung ist wirklich sehr intuitiv, es gibt gleich eine eigene E-Mail-Adresse dazu. Zudem lässt sich das System einfach mit schnellerer Technik aufstocken. Nachteil: Diese einfache Bedienung ist häufig mit einer monatlichen Grundgebühr erkauft.

Schneller ins Internet mit DSL

DSL ist das Hochgeschwindigkeitsinternet. Im Vergleich zur 59-K-Technik geht hier das Surfen um ein Vielfaches schneller. Die Technik ist bereits etabliert, um den Kunden buhlen hier diverse Telekommunikationsfirmen mit immer geringeren Preise. Schon ab 35 Euro im Monat gibt es hier das Rund-um-Sorglos-Paket. In diesem Preis ist nicht nur das Surfen im Internet inklusive, sondern zusätzlich das kostenlose Telefonieren ins komplette deutsche Telefonfestnetz. Aber vorsicht: Die Vertragsbedingungen unterscheiden sich hier gravierend. Beispielsweise darf bei der Deutschen Telekom nur ins Netz der Deutschen Telekom kostenlos telefoniert werden. Die Grundgebühr kommt hier auch schon auf stolze 44,95 Euro pro Monat. Technisch betrachtet ist nun die integrierte Netzwerkkarte (siehe oben) wichtig. Die Anbieter senden in der Regel die komplette restliche Technik mit der Vertragsunterschrift zu und erklären, wie dann diese zwischen Telefonbuchse und Netzwerkkarte des Computers verbunden werden müssen. Manche Anbieter bieten auch einen kostenpflichtigen Installationsservice an. Für technisch weniger versierte Anwender zahlen sich die Zusatzkosten aus, denn durch die professionelle Installation funktioniert das Internet nachher auf jeden Fall einwandfrei.

Computer technisch sicher machen

Tjark Auerbach, Gründer und Geschäftsführer der Avira, dem Hersteller der für Privatnutzer kostenlosen Antivirensoftware AntiVir, weiß: „Senioren sind wegen der Gefahren des Internets besonders besorgt – manchmal sogar übervorsichtig. Die fehlenden Kenntnisse rund um die Grundbegriffe und die Medienberichterstattung sorgen für eine grundlegende Angst. Sie zögern deshalb auch, wenn es um den Kauf von Produkten oder Geldgeschäften über das Internet geht.“ Dabei hat das Internet gerade hier seine Reize: Immer mehr Bankfilialen schließen, das Online-Banking ersetzt so die weiten Wege zum nächsten Bankschalter. Und: Im Internet ist das Kaufangebot für Senioren riesig. Wer sich diese Möglichkeiten erschließen will, muss für folgende Sicherheitsgrundausstattung des Computers sorgen:

  • Aktuelle Anti-Viren-Software: Trojaner, Viren, Phishing – die Gefahren des Internets ergeben sich aus bösartigen Programmen und den kriminellen Absichten ihrer Programmierer. Dass der eigene Computer doch für solche Personen völlig uninteressant sein müsse, ist ein fataler Irrglaube. Für Viren und Trojaner sind Privatrechner im Vergleich zu professionellen Schutzmaßnahmen von Unternehmen leichte Beute. Als Basisschutz ist eine Anti-Viren-Software unerlässlich, die den Computer nicht nur vor Angriffen schützt, sondern auch regelmäßig nach den Böslingen durchsucht und verseuchte Dateien meldet.
  • Aktuelle Firewall: Die Anti-Viren-Software ist schon ein grundlegender Schutz gegen Attacken auf den Computer. Damit der Angreifer gar nicht erst Zugriff erhält, muss eine aktuelle Firewall installiert sein. Der „Feuerschutz“ blockiert verschiedene Zugänge – so genannte Ports – aus dem World-Wide-Web heraus ins eigene Computersystem. Ist er nicht installiert, ist der Computer für Angreifer offen wie ein weites Scheunentor.
  • Aktuelle Software: Das alles bringt nichts, wenn andere Software auf dem Computer Lücken aufweist, über die ein Angreifer unbemerkt einsteigen kann. Insbesondere das Betriebssystem – also Microsoft Windows – sollte immer auf dem aktuellsten Stand gehalten werden. Fehler in der Software – so genannte Bugs (übersetzt: „Käfer“) – werden von den Softwareherstellern regelmäßig bereinigt. Die meisten Softwareprogramme informieren automatisiert, wenn eine solche Aktualisierung (englisch: Update) vorliegt.


Tjark Auerbach: „Ein großes Problem ist es, dass Anwender ihr System nicht aktuell halten. Dabei ist das in der Regel ganz einfach.“ Die Aktualisierung funktioniert häufig automatisch und die Software kann leicht besorgt werden oder ist sogar auf dem neuen Computer schon vorinstalliert.

Sensibel für die Gefahren des Webs

Aber der beste Angriffspunkt für Internetbösewichte ist immer noch das Unwissen vieler Surfer: Privatrechner sind für Kriminelle wegen der sensiblen Daten wie etwa Bank- und Kreditkartennummern besonders interessant. „Häufig trügt der Schein: Auch wenn es so wirkt als hätte ein Bekannter eine Datei per E-Mail übersendet, öffnet der unwissende Surfer tatsächlich meist einen schädlichen Anhang“, schildert Sicherheitsexperte Auerbach. „Sensibilität und ein gesundes Misstrauen sind so die Grundeinstellung für einen sicheren Umgang mit dem Internet.“

So werden Banken ihre Kunden niemals dazu auffordern, auf einer Website ihre Kontonummer und Geheimzahl einzugeben, um die Gültigkeit derselben zu bestätigen. Die Websites dieser Betrüger sehen dabei in ihrem Gesamtauftritt der Originalwebsite täuschend ähnlich. Oder: „Kleinere Programme etwa mit Weihnachtsspielereien werden oft von unwissenden Freunden versendet. Sie sind potenziell bösartig – klicken ahnungslose Anwender auf animierte Grußkarten, aktivieren sie damit unbewusst den Schädling“, so Auerbach. Sprich: Im Web gefundene, witzige Sachen sollten niemals in Programmform als Anhang an eine E-Mail weitergesendet werden. Und nur, weil ein guter Freund dieses Programm versendet, ist es noch lange nicht bedenkenlos. Zum einen kann sich ein bösartiger Internethacker mit der E-Mail-Adresse des Freundes problemlos tarnen. Zum anderen hat der Freund ja auch nicht die technischen Möglichkeiten, die Gutartigkeit des Programmcodes tatsächlich selbst zu testen.

Beim Einkaufen im Internet sollte auch nicht gleich der unbekannte Billigshop in Übersee gewählt werden: Hier sollten Silver Surfer langsam ihr Wissen aufbauen. Und dieses lässt sich am besten zunächst bei etablierten und bekannten Shops sammeln, beispielsweise von großen Kaufhäusern. Wichtig ist es hier immer, auf AGB und Impressum zu achten. Vorkasse ist dabei eine wenig erstrebenswerte Zahlungsart. Und Vorsicht auch vor Auktionen: Hier übertreffen im Spiel um die Gebote die Endersteigerungspreise häufig den Preis im Geschäft um die Ecke.

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