Berufsbild des Chef-Informatikers wandelt sich

Die Karriere in der Informationstechnologie führt heute als „Chief Information Officer“ (CIO) bis in die Chefetage. Wer heute CIO werden will, braucht Biss und gute Beziehungen zu Personalberatern.

Ein CIO leitet die IT-Abteilung und fällt gleichzeitig Entscheidungen, die für den Unternehmenserfolg von hoher Bedeutung sind. CIO zu sein, ist also ein vielseitiger Job mit hohen Ansprüchen – für viele Studienabgänger sicher ein Traumjob.

Doch der Weg dahin ist lang: Die Position des CIO ist in vielen Unternehmen direkt mit der Ebene der Geschäftsführer oder Vorstände verbunden. Bis jemand CIO wird, muss er erst einmal viele niedrigere Positionen durchlaufen.

Dennoch werden die CIOs in Deutschland immer jünger: „Bei mindestens der Hälfte aller Dax-Unternehmen haben sich die Positionen altersmäßig sehr verjüngt“, sagt Wolfgang Franklin, Vorsitzender des Vereins „cioforum“. „Die meisten von ihnen sind so Ende 30, Anfang 40.“

Neue Rolle für CIOs

Das hängt mit der veränderten Rolle des CIO zusammen: Früher hatten fast alle IT-Leiter Informatik oder Mathematik studiert. Viele von ihnen sind noch immer in leitenden Positionen tätig. Diese reinen Techniker würden heute jedoch in vielen Unternehmen zum Problem, meint Franklin.

Denn die IT trägt mittlerweile unbestritten zum Geschäftserfolg bei. Klappt allerdings die Kommunikation zwischen IT und Geschäftsseite nicht, hat das Folgen für die Firma. Von den CIOs wird deshalb immer mehr verlangt, dass sie sich mit der Geschäftsseite auseinandersetzen und eine Verbindung zwischen IT und anderen Unternehmensbereichen herstellen können.

Mit der Änderung des Berufsbilds von der rein technischen Seite hin zu einer geschäftsorientierten Sicht kommen auch Probleme auf die Beschäftigen zu. Michael Baurschmid, Doktorand an der Duisburg-Essen, beschäftigt sich damit im Rahmen seiner Dissertation. „Ich frage mich, wie die Personen mit dieser veränderten Rolle umgehen“, sagt Baurschmid, „Werden sie ihren Beruf überhaupt bis zur Rente fortführen können? Wie kann man langfristig erfolgreich sein?“

Keine vorgeschriebene Ausbildung

Helmut Krcmar, Professor für Wirtschaftsinformatik an der TU München und Mitgründer des Netzwerks CIO-Circle, meint dazu: „Die Personen, die diese Aufgaben schon länger ausfüllen, prüfen immer wieder, ob der Auflagen- und Erwartungsmix in Übereinstimmung sind. Außerdem haben sie gelernt, nicht nur auf Veränderungen zu reagieren, sondern sie auch anzustoßen.“

Durch die veränderte Rolle eines CIO haben sich auch die möglichen Ausbildungswege gewandelt. Eine vorgeschriebene Studienlaufbahn gibt es nicht. „Wer ein betriebswirtschaftliches Studium abgeschlossen hat, am besten mit einem Master of Business Administration (MBA), und zusätzlich noch eine informationstechnologische Ausbildung absolviert hat, hat eine gute Grundlage“, sagt „cioforum“-Chef Franklin.

Der Studienabschluss führe jedoch nicht vom Fleck weg zur Stelle als CIO. „Einstiegspositionen suchen und Networking zu Personalberatern betreiben“, rät Franklin. „CIOs werden äußerst selten über Stellenanzeigen gesucht.“ Er selbst kam als Quereinsteiger in die IT-Branche.

Schwerer Stand für Frauen

Diesen Weg hat auch Gabriele Geiger gewählt. Die 39-Jährige arbeitet bei der Uni-Klinik Köln in der IT-Abteilung. Zum CIO hat sie es noch nicht geschafft. Und im deutschen Gesundheits-IT-Bereich bestünden dafür auch kaum Chancen, meint sie.

„Die Vorurteile gegenüber Frauen in unserer Branche sind enorm. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass es kaum Frauen in der Gesundheits-IT gibt.“ Momentan bewirbt sich Gabriele Geiger auf Stellen in Österreich. Zwar seien die Gehälter für Frauen wie Männer dort schlechter als in Deutschland. Aber: „Die Wertschätzung von Frauen in der IT ist dort eine ganz andere.“

Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt Initiativen, die Frauen den Einstieg in die IT-Branche erleichtern sollen. Beispielsweise gibt es mittlerweile an der Fachhochschule Bremen den „Internationalen Frauenstudiengang Informatik“.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.