„Überzeugungsarbeit ist tatsächlich aufwendig“

IT-Projekte an der Hochschule: Arndt Bode ist seit 2003 Chief Information Officer der Technischen Universität München – und hat damit gleichzeitig den Rang eines Vizepräsidenten, wie er im wiwo.de-Interview erläutert.

wiwo.de: Den Chief Information Officer (CIO) kennt man sonst nur aus der freien Wirtschaft. Wie passt diese Position in die Verwaltung einer Uni?

Arndt Bode: Die moderne Universität benötigt für nahezu alle Aufgaben in Forschung, Lehre und Verwaltung Unterstützung durch Informatik und Informationstechnik, vom Wissensmanagement für den Forscher, bis hin zur Gehaltsabrechnung für die Mitarbeiter durch die Verwaltung.

Die Änderungen und ihre effiziente Unterstützung durch IT-Maßnahmen greift tief in die Strukturen der Hochschule ein. Deshalb kann der CIO kein einfaches Mitglied der Verwaltung sein, sondern muss die strategische Planung der Hochschule selbst beeinflussen und direkten Zugriff auf die leitenden Figuren der Hochschule haben.

Was konnten Sie in den letzten zweieinhalb Jahren als CIO erreichen?

Wir haben das Integrationsprojekt IntegraTUM vor zweieinhalb Jahren begonnen und werden es sicher in knapp zweieinhalb Jahren erfolgreich abschließen, nach der geplanten fünfjährigen Projektlaufzeit. Wir werden dann eine integrierte IT-Infrastruktur haben, die in getrennten Projekten durch Anwendungen zur Unterstützung des gesamten Studierendenlebenszyklus, für das E-Learning, für elektronische Dienste der Bibliothek und für den gesamten Bereich der Verwaltung entwickelt wird.

Wie überzeugen Sie Ihre Kollegen bei der Hochschulleitung davon, dass mehr Gelder in den Ausbau der IT an der Uni fließen müssen?

Diese Überzeugungsarbeit ist tatsächlich aufwendig. Es geht nur darüber, dass der Hochschule die Einsicht in die Notwendigkeit der Veränderung der Prozesse vermittelt wird und dann gezeigt wird, wie IT diese Prozesse unterstützen kann.

Sie sind eigentlich Informatiker, halten auch immer noch Vorlesungen auf diesem Fachgebiet. Wie groß war für Sie der Schritt vom Professor zum CIO?

Die Entwicklung einer nahtlosen IT-Infrastruktur für Hochschulen ist für sich gesehen bereits eine Forschungs- und Entwicklungsaufgabe. Darüber hinaus bin ich auch immer noch in meinem Lehrstuhl tätig und bearbeite dort die Fragestellungen von wissenschaftlichen Hochleistungsrechnern und ihren Architekturen.

Mittlerweile gibt es auch an anderen deutschen Hochschulen die Position des CIO. Sind Universitäten ohne CIO künftig überhaupt noch denkbar?

Denkbar sind Hochschulen ohne CIO schon. Es gibt auch sicher noch einige. Diese Hochschulen werden aber massive Nachteile in der Konkurrenz der Hochschulen um Studierende und Forschungsmittel haben, weil man die IT-Infrastruktur einer Hochschule nicht von der Stange kaufen kann, weil sie für jede Hochschule ziemlich spezifisch ist.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.