Der ökonomische Ökocomputer

Die Klimadebatte holt auch die als sauber geltende Computerbranche ein. Denn immer mehr Geräte verbrauchen immer mehr Strom, sind auch in ihrer Herstellung nicht gerade „grün“. Mit „Green IT“ drängen die Hersteller ihre Kunden hin zu „öko“ – und argumentieren dabei ökonomisch.

Die neuen Prozessoren des Rechenzentrums leisten mehr und verbrauchen dennoch 75 Prozent weniger Energie, die Serverlandschaft braucht nur noch ein Fünftel des Platzes bei gleicher Leistung – und spart ebenfalls 90 Prozent der Energie im Vergleich zum Vorgänger. Feiner Wassernebel sorgt auch dafür, dass die Kühltechnik nur noch ein Zehntel des bisherigen Stroms benötigt.

Effizientere Hardware und intelligente Software, optimiertes Recycling und „grüner“ Strom: Auf diesen Standbeinen steht „Green IT“, die Öko-Informationstechnologie. Wie beim Rechenzentrum von Strato, eines europaweit führenden Unternehmens für die eigene Internetadresse.

In vielen deutschen Unternehmen ist die Idee angekommen: So gaben 44 Prozent der befragten Unternehmen einer IBM-Studie an, eigene Umweltschutzziele definiert zu haben. International ergreifen demnach 55 Prozent Maßnahmen, um den Energieverbrauch ihrer Computer zu senken. Für seine Studie „Grüne IT im Mittelstand“ hat der Computergigant weltweit 1.400 Unternehmen befragt.

Öko lässt sich gut vermarkten

So uneigennützig und moralisch, wie dieses Engagement auf den ersten Blick wirkt, ist es dann aber doch nicht: Für Unternehmen hat Grüne IT handfeste ökonomische Vorteile. „Grüne IT bedeutet für Unternehmen in erster Sicht Kostenersparnis“, skizziert Ralph Boßler vom IT-Systemhaus Sylphen. „Zum einen wird dies durch Einsparung von den steigenden Energiekosten erreicht und zum anderen durch Optimierung der Verwaltungsaufwände.“

„Der richtige Einsatz von IT kann in allen Industrien helfen, Energiebedarf und Emissionen zu reduzieren und damit auch noch wirtschaftlicher zu arbeiten“, sagt Michael Ganser, Deutschland-Chef von Cisco, im wiwo.de-Interview. „Denn alle ökonomischen Probleme dieser Welt brauchen eine technische Lösung.“

Ganz ökonomische Argumente also für das Öko-Thema. Rüdiger Kühr von der „Solving the E-Waste-Problem“-Initiative (StEP) an der UN-Universität in Bonn kommentiert: „Da ist jetzt ein Markt für da. Ich erwarte, dass die Hersteller schon im kommenden Jahr mit selbst gelabelten Produkten auf den Markt drängen werden. Die Aussagekraft dieser Labels ist aber sehr zweifelhaft.“

Herstellung und Recycling wenig transparent

Rüdiger Kühr beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Aspekt der Herstellung und des Recyclings von Elektrogeräten: „Auch hier wird die ökonomische Notwendigkeit immer stärkeren Druck ausüben“, sagt der Experte. „Die Ressourcen vieler wichtiger Rohstoffe sind begrenzt und die Preise explodieren.“

Die Industrie habe also ein eigenes Interesse an Recycling. „Wenn wertvolle Elemente verbuddelt oder verbrannt werden, sind sie verloren“, sagt Kühr. „De fakto ist es aber bisher immer noch Lücken zur Gänze nachzuvollziehen, was mit dem Elektroschrott nach der Rücknahme geschieht. So gelangt nach wie vor Elektroschrott in Schwellenländer.“

Auch deshalb hält Kühr Ökolabel für fragwürdig: „In der Branche braucht es weiterer Anstrengungen, allgemeingültige Standards zu definieren“, so Kühr. „Der Weg der Rohstoffe und Produkte ist durch ihre weltweiten Stoffströme heute nicht transparent nachvollziehbar, in der Herstellung und auch im Recycling nicht.“

30 Prozent weniger Energie pro Kunde

Vor diesem Hintergrund spricht Kühr auch nicht von „ökologischen“ Computern. „Klassischerweise kann IT nicht ökologisch sein, da mit ihr zwangsweise immer viel Ressourcen verbraucht werden“, sagt er. „Aber wenn natürlich die Herstellung, Nutzung und Entsorgung möglichst effizient gestaltet werden, dann ist sie zumindest umweltfreundlich.“

Gerade im Bereich Energie gibt es riesiges Einsparpotenzial. Strato realisierte so eine Stromersparnis von 30 Prozent pro Kunden in den letzten 18 Monaten. Da das Unternehmen nun auch den benötigten Strom regenerativ erzeugen lässt, werden nach Eigenangaben dadurch 15.000 Tonnen CO2 weniger im Jahr in die Luft geblasen.

Damian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Strato AG: „Man muss in einem Investitionszeitraum von drei bis fünf Jahren rechnen und darf nicht zu kurzfristig denken : der eingesparte Energieverbrauch rechnet sich über die Zeit.“ So verbindet sich am Ende Ökonomie und Ökologie zumindest ein Stück weit zum ökonomischen Ökocomputer.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.