Als IT-Chef Mittler zwischen den Welten

Klaus Hardy Mühleck ist als „Chief Information Officer“ Mitglied der Konzernleitung von Volkswagen. Trotzdem muss er jeden Tag kämpfen. Ein Porträt.

Wenn er aus seinem Bürofenster schaut, sieht Klaus Hardy Mühleck das Wolfsburger VW-Werk und die Autostadt. Dort rollen täglich neue Fahrzeuge vom Band, manche Kunden holen ihr Auto direkt dort ab.

Mühleck ist mitverantwortlich dafür, dass die neuen Autos überhaupt gebaut werden können: Als CIO, Chief Information Officer, ist der 52-Jährige für die gesamte IT bei Volkswagen zuständig. Schon zuvor hatte Mühleck über zwei Jahrzehnte hinweg die Entwicklung der Informationstechnologie bei den Automobilkonzernen verfolgt.

Seit rund dreieinhalb Jahren ist Mühleck CIO bei VW. Bei einem Team von rund 40 Fachleuten laufen bei ihm, in der Konzernzentrale, die IT-Fäden zusammen. Weltweit beschäftigen sich mehrere tausend Mitarbeiter mit der Informationstechnologie von Volkswagen. „Seit den 80-ern ist der IT-Markt explosionsartig gewachsen“, sagt der CIO. „Die IT ist heute das Nervenkostüm eines Unternehmens.“

„IT ist kein Selbstzweck“

Seine Mitarbeiter stellen sicher, dass alle Abteilungen vernetzt sind. Volkswagen produziert acht verschiedene Marken in der ganzen Welt, in China und Russland, in Argentinien und Südafrika. Alle Standorte sind mit der Konzernzentrale in Wolfsburg vernetzt. „Wenn in Mexiko etwas bei der Produktion schief läuft, erfahre ich das innerhalb von einer halben Stunde“, sagt Mühleck.

Wird ein neues Fahrzeugmodell geplant, so entsteht es erst virtuell am Computer, betreut von der zentralen IT. Die Produktionsplanung erfolgt ebenfalls auf der Basis von digitalen Modellen, bevor die ersten Prototypen tatsächlich gebaut werden. „IT ist kein Selbstzweck“, sagt der Volkswagen-CIO. „Sie ist Bestandteil des Unternehmens und muss sich in die Strukturen einfügen.“

Bevor neue Software eingeführt wird, muss Klaus Hardy Mühleck deshalb mit seinen Kollegen darüber entscheiden, ob die Software zum Unternehmen passt. „Die Software ist aber noch der geringste Teil des Projekts“, erklärt er. Die große Aufgabe beim „Change-Management“ sei, die Veränderungen ins Unternehmen zu tragen, beispielsweise durch Schulungen.

Nachholbedarf in Deutschland

Bei europäischen Unternehmen sieht Mühleck noch großen Nachholbedarf, was den Stellenwert der IT anbelangt. „Ich wünsche mir, dass da die Kultur der Amerikaner nach Europa schwappt“, sagt der Volkswagen-CIO. In den USA seien die CIOs auf Vorstandsebene angesiedelt, der IT-Bereich werde als gleichwertiger Teil der Firma angesehen. Dagegen sei die IT-Verantwortung in vielen deutschen Unternehmen viel niedriger aufgehängt. „Bei manchen Firmen darf der IT-Leiter lediglich das Rechenzentrum bedienen“, so Mühleck.

Bei Volkswagen hat der IT-Chef sein Büro direkt in der Konzernzentrale. In den Nachbarbüros sitzen die Konzern- und Markenvorstände. „Dadurch habe ich einen strategischen Vorteil in der Kommunikation“, sagt der CIO. Er müsse sich trotzdem jeden Tag neu behaupten. „IT ist kompliziert. Ich muss mit den Kollegen kämpfen, damit sie den Stellenwert der Informationstechnologie akzeptieren.“

Mühleck sieht sich als „Mittler zwischen den Welten“: Er muss die Fachsprache der IT-Mitarbeiter sprechen, aber auch die Fachsprache der anderen Bereiche, wie zum Beispiel Finanzen, um im Unternehmen Gehör zu finden. „Das ist eben die moderne Rolle des CIO“, sagt Mühleck.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.