Mietsoftware für das kleine Budget

Das Konzept von „Software as a Service“ (SaaS) ist nicht gerade neu. Bereits Ende der Neunziger kam das Angebot auf, Software bei einem Anbieter zu mieten. Beim ersten Anlauf hatten die Hersteller mäßigen Erfolg. Mit der Neuauflage hofft die Branche nun auf den Durchbruch.

Ob ASP oder SaaS – das Prinzip ist gleich geblieben: Der Anbieter stellt die Software auf einem Server bereit. Über das Internet können sich die Kunden einloggen und direkt auf ihre abonnierten Programme zugreifen.

Das ist keine neue Idee. Werner Grohmann, Betreiber von saas-forum.net, im wiwo.de-Interview: „Angebot und Nachfrage passen nun erstmals zusammen.“ Beim ersten Hype zur New Economy vor wenigen Jahren habe das Timing noch nicht gestimmt. „Es fehlte zum Beispiel die hohe Bandbreite bei den Internetverbindungen, die wir heute flächendeckend in Deutschland haben“, so Grohmann.

Bei vielen Softwareangeboten bezahlen Kunden monatlich einen festen Pauschalpreis. „Der Vorteil ist, dass man die Software nicht kaufen muss und dass man sich die Installation und Wartung spart“, sagt Rüdiger van Hal, Geschäftsführer bei der Firma mediadefine und Betreiber eines Webredaktionssystems auf SaaS-Basis. „Das übernimmt alles der Anbieter.“

Kleine Firmen im Blick

Bei ihrem SaaS-Angebot haben Softwarefirmen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen im Blick: „Für die Anbieter hat SaaS den Vorteil, dass Kundengruppen das Angebot nutzen, die die Software aber niemals kaufen würden“, sagt van Hal. Kleinere Firmen könnten sich zum Beispiel keine SAP-Software leisten, weil es einfach zu teuer wäre.

Über SaaS können sie je nach Bedarf beliebig viele Lizenzen mieten – zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Und der Wartungsservice, für den die Firma sonst einen IT-Fachmann bezahlen müsste, ist schon inklusive.

„Vertriebsmitarbeiter und -partner sitzen heute im Homeoffice oder Außenstellen auf der ganzen Welt“, sagt Grohmann. „Trotzdem müssen sie natürlich auf Anwendungen und Daten des Unternehmens zugreifen können.“

Google & Co. sorgen für Aufsehen

Seit neuerdings auch die großen Softwarefirmen wie Microsoft, SAP oder Google in das Rennen um SaaS-Kunden eingestiegen sind, hat sich der Bekanntheitsgrad des Angebots stark erhöht. Hersteller wie Google versuchen, SaaS auch für Privatanwender interessant zu machen.

Der Suchmaschinenbetreiber hat mit „Google Apps“ ein SaaS-Angebot mit Kommunikationstools für den geschäftlichen, schulischen und privaten Gebrauch geschaffen. Dazu zählt der Suchmaschinengigant nicht nur eine E-Mail- und Kommunikationsplattform, sondern auch die gemeinsame Nutzung von Text- und Tabellendateien in Echtzeit über den Webbrowser.

Microsoft verfolgt nicht die Strategie „Software as Service“, sondern „Software plus Service“. Software bleibt offline verfügbar, sie wird nicht vollständig als Onlineversion umgesetzt, so die Ankündigung des Softwareriesen. Das Angebot zielt dabei natürlich auf die eigenen Officepakete

Boom bleibt dennoch aus

Nach einer Studie des Heidelberger Software-Anbieters NTR bleibt SaaS trotzdem erst einmal ein Trend für irgendwann in der Zukunft. Lediglich jedes zehnte Unternehmen setze bisher auf IT-Mietlösungen „on demand“, also bei Bedarf.

Allerdings würden die Anwender glauben, dass den On-Demand-Modellen die Zukunft gehöre. Davon sind 78 Prozent der Befragten überzeugt. Entscheidende Kriterien bei der Auswahl neuer Software sind demnach die Integrierbarkeit in die bestehende Infrastruktur (37 Prozent) und die Anschaffungs- und Wartungskosten (36 Prozent). NTR befragte am Rande der Cebit 117 Firmen, überwiegend aus dem Dienstleistungssektor.

Skepsis wegen Sicherheit

Von einem Boom ist SaaS hierzulande allerdings noch weit entfernt. Van Hal meint, dass das an der Grundskepsis der Menschen liegt. „In Deutschland wird zuerst nach den Risiken gefragt, und dann erst nach den Chancen“, sagte der IT-Fachmann.

In der Tat bringt SaaS auch Risiken mit sich: Die Nutzer legen ihre Daten auf fremden Servern ab. Damit müssen sie auf die Gewährleistung der Datensicherheit durch den Anbieter vertrauen – für viele Firmen ein schwieriger Schritt. „Die Sicherheitsmaßnahmen im Rechenzentrum liegen in der Regel weit höher als sie sich viele Unternehmen selbst leisten könnten“, kommentiert aber Grohmann.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.