„Die Technik hat einen extremen Sprung gemacht“

Michael Ganser im Interview: Was gut für die Umwelt ist, ist bei großen Rechenzentren auch gut fürs Unternehmensbudget. Cisco-Deutschland-Geschäftsführer Michael Ganser erklärt im wiwo.de-Interview auch die neuen Vorzüge von Videokonferenzen.

wiwo.de: Cisco propagiert derzeit besonders stark „Green-IT“-Konzepte. Warum macht ihr Unternehmen das?

Michael Ganser: Wir haben festgestellt, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Vielen Unternehmen geht es bei Energieeffizienz um Wirtschaftlichkeit – erst danach werden grüne Belange berücksichtigt.

Aus unserer Sicht kommt auf die Informationstechnologie für beide Bereiche eine langfristige und wichtige Aufgabe zu. Denn alle ökonomischen Probleme dieser Welt brauchen eine technische Lösung. Der richtige Einsatz von IT kann in allen Industrien helfen, Energiebedarf und Emissionen zu reduzieren und damit auch noch wirtschaftlicher zu arbeiten.

Cisco ist Spezialist für Netzwerktechnologie. Wo konkret sparen Sie hier Strom zugunsten der Umwelt?

Unsere modernen Prozessoren haben zum Beispiel eine 20-fach höhere Leistung als noch vor einigen Jahren. Ein normales Auto müsste bei gleichem Spritverbrauch seine Leistung von 100 auf 2000 PS steigern. Standardisierte Module ermöglichen es, dass auch die neue Technik in bestehende Chassis untergebracht werden kann. Damit wird auch Müll vermieden.

Generell geht der Trend beispielsweise in einem intelligenten Netzwerk bei großen Rechenzentren zu konsolidierter und virtualisierter Servertechnik. Ungenutzte Ressourcen werden dabei automatisch abgeschaltet. So gibt es intelligente Chips, welche die Auslastung selbstständig feststellen und dann beispielsweise einen Prozessor herunterregeln. Dezentral werden trotzdem alle Leistungen bereitgestellt, aber die Ressourcen eben optimal ausgenutzt. Mit diesem Konzept lässt sich bis zu 85 Prozent Energie sparen.

Stichwort Videokonferenz: Hier werben Sie ebenfalls mit immensen Kosteneinsparungen.

Ja, dadurch lassen sich Reisekosten sparen. Bei Cisco gibt es zum Beispiel Management-Meetings, bei denen 25 Personen aus ganz Deutschland nun über Video zusammenkommen. Neben dem Stress – morgens um 5 Uhr aufstehen und zum Flughafen fahren – hat dies auch sehr hohe Reisekosten verursacht.

Und natürlich auch sehr stark unsere Umwelt mit CO2 belastet. Durch „TelePresence“ – wie wir die neue Generation der Videokonferenzen in Echtzeit und Lebensgröße nennen -werden Reisekosten minimiert und wir konnten im letzten Geschäfsjahr weltweit unseren CO2-Ausstoß um zehn Prozent senken.

Aber spielen nicht bei solchen Treffen auch persönliche Kontakte eine Rolle, die nonverbale Kommunikation?

Ich sehe hier einen Wandel in der Arbeitswelt und in der Art, wie Menschen zusammenarbeiten. Die Technik hat hier auch einen extremen Sprung gemacht. Heute ruckeln die Videobilder nicht mehr in schlechter Qualität über einen Bildschirm.

Im Gegenteil: Per TelePresence schaltet sich ein Mitarbeiter von Cisco in Hongkong direkt mit seiner Assistenz in London zusammen. Und sie arbeiten so zusammen, als würden sie direkt nebeneinander sitzen. Die Technik ist so gut, dass schon nach kurzer Zeit das Gefühl des direkten Kontakts entsteht.

Aber wie ist das mit der Emotionalität dabei, geht diese nicht verloren?

Im Gegenteil: Mitarbeiter von Cisco kommen auf diese Art und Weise mit ihren weit entfernten Familien zusammen. Wir ermöglichen das unseren Mitarbeitern ausdrücklich. TelePresence ist einfach ausgereift und transportiert Stimmungen gut. Die Situation ist so real, man könnte sich sogar verlieben.

Per Video können Menschen mittlerweile quasi miteinander ins Restaurant gehen. Bei „Video Dinnings“ verabreden sich in Zukunft zwei Menschen an unterschiedlichen Orten der Welt, gehen dort ins Restaurant und sind sich trotzdem nahe.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.