Energie sparen auf sechs Etagen

Ohne CO2 laufen hier ab 2008 die Computer. Die Strato AG, Europas zweitgrößtes Webhoster, setzt auf weniger Stromverbrauch der Rechenzentren. Ökonomische Gründe treffen hier auf ökologischen Nutzen.

Die kalte Luft strömt durch Bodengitter und prallt in etwa 2,50 Meter Höhe gegen ein Panel. In langen Reihen, auf sechs Etagen. Sie wirbelt durch die Gehäuse der Computer durch und kommt am anderen Ende zehn Grad wärmer wieder hinaus, wird oben abgezogen. Hier vibriert und brummt es gewaltig. „Man merkt förmlich, wie hier das Internet arbeitet“, sagt Damian Schmidt.

Strato betreibt zwei Rechenzentren. 3,5 Millionen Internetadressen von einer Million Kunden verwaltet das Unternehmen. Die Datenmenge verdoppelt sich alle vier Monate, die Anforderungen an die Rechenzentren steigen. Sie benötigen Kühle für die Prozessoren. Und viel Strom für deren Betrieb.

Ökonomische Gründe spielten bei Strato deshalb eine wichtige Rolle, als das Unternehmen auf energieeffiziente Hardware und intelligente Software umgeschwenkt ist. Denn Strom ist teuer und wird immer teurer. Je weniger Strom das eigene Rechenzentrum benötigt, desto besser für die Kundenpreise und desto besser für den Gewinn. „Man muss in einem Investitionszeitraum von drei bis fünf Jahren rechnen und darf nicht zu kurzfristig denken – der eingesparte Energieverbrauch rechnet sich über die Zeit“, sagt der Vorstandsvorsitzende Schmidt.

30 Prozent weniger Strom pro Kunde

Und dass gespart wird, demonstriert Strato an konkreten Zahlen: Um 30 Prozent wurde der Stromverbrauch pro Kunde in den letzten 18 Monaten gesenkt. Das Unternehmen setzt dabei auf eine einheitliche Serverlandschaft, investiert in eigene Softwareentwicklung. Die Systeme werden in Auftragsarbeit individuell von einer Manufaktur zusammengebaut und Strato setzt dabei auf führende Hersteller.

Betriebssysteme, die nicht Unmengen an Codezeilen vorhalten, die gar nicht benötigt wird. Prozessoren, die sich in Arbeitspausen selbsttätig herunterregulieren. Serverlandschaften die virtuell und nutzungsorientiert zusammenarbeiten und so eine optimale Auslastung gewährleisten.

Die Ansätze für die Einsparung von Energie in einem Rechenzentrum sind unterschiedlich: Software, Hardware oder Lüftung – überall gibt es Stellschrauben, die im Kleinen sparen und im Großen die Gesamtenergiebilanz verbessern.

Weitere Einsparpotenziale liegen in der Technik

Und die Entwicklung geht weiter. Strato erzeugt mit seinem Energiebedarf ab 2008 kein CO2 mehr. Der benötigte Strom wird dann von einem Naturstromunternehmen direkt aus Laufwasserkraft erzeugt.

„Klimaschutz und Energieeffizienz sind wirtschaftliche und strategische Themen, denen man gar nicht genug Bedeutung beimessen kann“, kommentiert Damian Schmidt, „deshalb sind sie im Vorstand richtig aufgehoben.“

Strom ist limitierender Faktor im Rechenzentrumsbetrieb. Durch die neuen, energieeffizienten Anlagen wurde kostbarer Rechenzentrumskapazität gewonnen. Green Computing bietet Strato deshalb neuen Platz für Expansion in bestehenden Gebäuden, also für noch mehr Kunden und noch mehr Server. So dass es in den Serverräumen noch ein wenig mehr vibriert und brummt und das Internet so förmlich spürbar wird.

Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.