Häufig auftretende Kinderkrankheiten des VoIP-Anschlusses

Voice over IP (VoIP) etabliert sich auch in Deutschland immer mehr als echte Alternative zum normalen ISDN- oder Analogtelefonanschluss. Die Technik vereinfacht sich zwar, so richtig ist das Internet-Telefon aber immer noch nur etwas für den ambitionierteren Computeranwender. Stecker rein, fertig: So einfach geht es beim Analogtelefon. Etwas mehr Aufwand ist dagegen beim Telefonieren über den Internetanschluss notwendig. Dabei zeigt sich: VoIP ist alles andere als intuitiv und schlägt sich außerdem immer noch mit Kinderkrankheiten herum, die an die Anfänge vom Mobilfunk oder Internet erinnern.

Rauschen, Knacken, Echo

Als das Mobilfunkzeitalter in Deutschland begann, war der Punkt „technische Qualität“ immer noch ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Wahl des Netzanbieters. Knacken, Rauschen und die Wiederholung des Gesprochenen im Hintergrund als Echo markierten den Beginn des rapiden Netzausbaus. Heute sind diese Aspekte im Handymarkt kaum noch ein Problem. Durch VoIP erlebt die lästige Fragestellung nach der gewährleisteten Sprachqualität eines Anbieters aber wieder eine Renaissance. Mag es beim privaten Anruf nur ein lästiges Ärgernis sein, so ist es beim geschäftlichen Gespräch ziemlich peinlich, wenn offensichtlich die Qualität hinkt.

So merkt jeder Anrufer beispielsweise zwischen Skype und QSC einen deutlichen Unterschied. Bei Skype wirkt das Gespräch generell ein wenig übertönt, wohingegen QSC vom analogen Telefonat nicht mehr zu unterscheiden ist. Ein guter Trick ist es, die Sprachqualität zunächst mit dem Computer-Softphone und dem Headset an der Soundkarte auf Minutenabrechungsbasis ausgiebig zu testen, bevor die teure Telefonflatrate gebucht wird.

Neben der generellen Netz- oder besser Serverkapazitätsqualität des Anbieters, die großen Einfluss auf diese Aspekte hat, ist aber auch die eigene Bandbreite und Hardware ein wichtiger Faktor. So wird zwar generell für ein Sprachtelefonat nur eine Upload- und Downloadbandbreite von 200 Kilobit pro Sekunde empfohlen. Ein guter Tipp ist es aber, diese Bandbreite für beide Richtungen ordentlich heraufzusetzen – vor allem dann, wenn auch mehrere Telefonate gleichzeitig möglich sein sollen. Das ist dann allerdings mit manchem DSL-Tarif schon ein Problem. Auch die Hardware muss stimmen: Die Phonebox erlaubt häufig Einstellungen, mit denen die Sprachqualität stark beeinflusst wird. Hier kann auch Festnetzqualität als Standard eingestellt werden. Außerdem wichtig: Die Up- und Downstreamgeschwindigkeit muss bei der Anschlusskonfiguration genau
mitgeteilt werden.

Hardwareabenteuer

Telefonieren per Voice over IP, Foto: 1&1 Es gibt eine Zeit vor der AVM FRITZ!Box und eine danach. Vorher war die VoIP-Telefonie vernebelt, schwierig, nur etwas für echte Freaks. Mit der Einführung kann man zurecht von einem Meilenstein für die Technik sprechen, andere Anbieter haben natürlich mittlerweile auch entsprechend bedienungsfreundliche Modelle im Lieferumfang. Soweit die gute Nachricht: Für Personen, die gerne irgendwelche Telekom-(Reseller)-DSLLeistungen buchen – und dort auch gleich ihre Hardware bestellen – ist oft schon ziemlich viel vorkonfiguriert. Möchte man allerdings den Telefonanschluss unabhängig vom DSL-Anbieter buchen oder setzt man auf andere Verfahren á la QSC, dann wird es gleich wesentlich komplizierter. Auf jeden Fall müssen die neuen Telefonnummern in Menüs eingetippt werden, was für viele gar nicht so einfach ist. Mancher großer Anbieter ist zumindest bei der FRITZ!Box schon vorkonfiguriert. Und auch der Anschluss des Telefons kann ein Problem werden, wenn beispielsweise eine ISDN-Anlage zwischengeschaltet werden soll.

Wenn es nicht klappt: Woran liegt es nun? Die Probleme können so vielfältige Ursachen haben, dass ein paar Stunden Probieren schnell vorbei sind. Klappt es dann noch immer nicht, sollte lieber auf Spielereien wie die angeschlossene ISDN-Anlage verzichtet werden.

VoIP ist nicht FoIP

„Eine Faxnummer inklusive“, „eine Durchwahl für den Fax-Versand und -Empfang via Internet“ – das klingt für den Laien zunächst nach normalen Fax-Empfang und – Versand vom VoIP-Anschluss aus. Und kaum jemand bezweifelt dies auch zunächst ernsthaft, denn auch beim analogen Anschluss ist das ja kein Problem. Erst in den FAQs klären die Anbieter dann darüber auf, dass der Fax-Versand über ein Fax-Gerät gar nicht möglich ist und der Empfang auch nur über eine Weiterleitung an die eigene Mailadresse. Der Versand erfolgt dann über eine Website. Nicht gerade im Sinne des Verbrauchers, der eigentlich sein altes Fax-Gerät weiterverwenden wollte.

Echtes Fax-over-IP (FoIP) ist also eher Zukunftsmusik. Der Grund für die Unverträglichkeit herkömmlicher Fax-Methoden mit VoIP liegt in der Verzögerung. Nur der Codex T.38 scheint hier eine gangbare Echtzeitalternative zu sein, den unterstützt aber kein VoIP-Anbieter in Deutschland.

Kein Anschluss an vielen Anrufmaschinen

Ein Anruf bei der Bank, kurz PIN eingeben und dann Kontotransaktionen tätigen: Bei VoIP ist das ein Problem. Die Maschine am anderen Ende der Leitung erkennt in vielen Fällen die eingetippten Botschaften nicht. Das hängt auch damit zusammen, dass die Informationen nicht gerade in Echtzeit übertragen werden, es kommt zu Verzögerungszeiten. Und natürlich können auch mal Datenpakete verloren gehen oder das Echo zu Problemen führen. Und noch besser: Da viele Institutionen mit 0180- oder anderen Sondernummern arbeiten, braucht man es gar nicht erst mit dem Anruf zu versuchen. Viele VoIP-Anbieter sperren solche Rufnummern generell.

Das gleiche Problem gibt es bei virtuellen Mailboxen: Manche Anbieter schalten diese beispielsweise nur ein, wenn das Telefon überhaupt nicht angeschlossen ist und dann nur mit Standardtext. Hier ist es nett, eine individuelle Alternative im Web zu finden. Gar nicht so leicht, denn viele dieser Angebote nehmen zwar auf, können aber nicht kostenlos abgerufen werden und haben außerdem das Erkennungsproblem vom VoIP-Telefon aus. Die Lösung: Einen kostenlosen VoIP-Anbieter mit Komfortmailbox wählen und entweder komplett mit diesem telefonieren oder alternativ in der Hardware eine Umleitung zu dessen Nummer eingeben. Diese Mailboxen verstehen dann natürlich auch die VoIP-Signale. Eine andere Lösung ist es, gleich einen echten Anrufbeantworter zu kaufen.

Support und Vertrag

„Für die Hardware übernehmen wir keinen Support, testen Sie bitte zunächst, ob alles mit dem Softwarephone funktioniert.“ Auch hier erinnert der Kundenservice manches VoIP-Anbieters eher an den Beginn des Internetzeitalters. Interessant dabei: Obwohl mancher Anbieter seinen Support nur über teure 0180- oder 0900-Nummern zugänglich macht, können gerade solche Nummer mit dem Anschluss dieser Anbieter nicht erreicht
werden. Denn häufig sind die Sonderrufnummern generell gesperrt. Das ist auch mal eine Möglichkeit, sich lästige Kundenanfragen vom Leib zu halten: einfach prinzipiell nicht erreichbar sein. Hier hilft dann nur der Anruf vom Handy oder von einem normalen Telefonanschluss aus.

Andere Anbieter erlauben übrigens nicht das Absetzen eines Notrufes, dort steht dann lapidar im Kleingedruckten: Ein Handy oder ein anderes Telefon sollte dafür zusätzlich vorhanden sein. Überhaupt sind die Service- und Vertragsdetails nicht ohne. Die kleinen Hochnummern und ellenlangen Erläuterungen, unter welchen Bedingungen nun tatsächlich der günstige – großgeschriebene – Preis gilt, sind allerdings nicht nur eine spezielle Erfindung der VoIP-Anbieter, sondern leider in vielen Bereichen traurige Realität. Transparenz und Kundenfreundlichkeit sehen jedenfalls anders aus: Ob Vertragslaufzeit und tatsächliche Monatskosten, Kosten für Hardware und den Support, hier muss der Verbraucher selbst einen Vergleich anstellen.

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