Quelle: Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN GmbH/canva.com

Johannes Schmidt

„Ältere und kranke Menschen sind von Elektrosmog besonders betroffen“

Der Baubiologe und Messtechniker Johannes Schmidt vom Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN GmbH beschreibt das Thema smogfreeliving, wie sich Elektrosmog auch auf ältere und behinderte Menschen auswirkt – und wie sich auch im Bestand Abhilfe schaffen lässt.

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Elektrosmog in der Wohnung: Was ist dafür die Grundlage?

Mit der Einführung von Strom haben sich unsere Lebensumstände klar geändert. Natürlich ist Strom heute aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Wenn aber die üblichen 50 Hz-Wechselspannungen mit 220 Volt anliegen, dann verbreiten sie sich – das zeigen viele Studien und Messungen – ein bis zwei Meter in den Raum. Und zwar völlig unsichtbar. Und darauf reagiert unser Körper unbewusst. Das setzt ihn unter Stress, denn er wird dadurch in seinen natürlichen Abläufen gestört. Dieser Stress kann zum Beispiel zu einem permanent schlechten Schlaf führen, was dann wiederum die sehr wichtige Regenerations- und Entgiftungsphase stört: Der Körper kann die vielen Umweltgiftstoffe, die er aufnimmt, nicht vernünftig abbauen. Dies kann sich dann im Lauf der Jahre in einer immer stärker werdenden Elektro-Sensibilität gegenüber elektromagnetischen Feldern zeigen. In unser Beratung gibt es schon sehr extreme Fälle: So gibt es Menschen, die nicht mehr an einem Elektroherd kochen oder die über ständig schlechten Schlaf klagen.

Wie lässt sich denn diese Beeinflussung minimieren?

Im Neubau sollten sofort abgeschirmte Kabel in den Wänden verlegt werden, also Kabel mit einer zusätzlichen Alu-Gewebe-Ummantelung. Im Altbau ist es hingegen schwierig, diese Kabel auszutauschen, außer bei einer sogenannten Kernsanierung. Zudem liegen die elektrischen Felder sehr unterschiedlich vor. Deshalb ist vor jeder Maßnahme erstmal eine umfassende Messung notwendig, damit nicht an den falschen Stellen Dinge gemacht werden. Das Ziel ist es, die elektrischen Felder auszumachen und dann gezielt Maßnahmen zur Reduzierung, besser Eliminierung, vorzunehmen.

Was man häufig am Schlafplätzen vorfindet: Das Kabel der Nachttischlampe leitet Strom sehr nahe zum Körper des Menschen, der im Bett liegt. Auch dann, wenn sie gar nicht eingeschaltet ist. Je nachdem, wo sich der Lichtschalter befindet und je nachdem, wie herum der Stecker in der Steckdose ist, fließt der Strom gegebenenfalls nicht nur bis zum Schalter, sondern zunächst durch die komplette Lampe, bis er auf dem Rückweg erst am Schalter unterbrochen wird. Das heißt, die Lampe und das Stromkabel stehen auch unter Stromspannung. Und somit ist das elektrische Feld noch näher in Körpernähe. Dieses elektrische Feld koppelt dann an unseren menschlichen Körper an und die Stromspannung ist hierbei unnötig höher. Abhilfe schaffen hier sogenannte Netzabkoppler/Netzfreischalter. Diese werden im Sicherungskasten eingebaut und schalten den 220V/50 Hz Wechselstrom, wenn er nicht gebraucht wird, automatisch ab. Zudem gibt es speziell abgeschirmte Lampen, mit denen die Elektrostrahlung an der Lampe verringert wird.

Eine weitere Maßnahme ist es, abgeschirmte Steckdosen zu verbauen.

Jetzt gibt es ja gerade rund um Pflege und Barrierefreiheit auch wichtige elektronische Dinge, wie etwa Notfallmeldungen.

Es ist klar, dass solche Geräte immer und ordnungsgemäß funktionieren müssen. Ohnehin, und das ist sehr wichtig, müssen solche Maßnahmen sehr individuell geplant werden. In jedem Fall sind ältere und kranke Menschen von Elektrosmog besonders betroffen, weil ihr Immunsystem in der Regel ohnehin schon geschwächt ist.

Wie sieht es denn mit Quellen außerhalb der eigenen Wohnung aus?

Das ist ein großes Problem. Wenn sich in unmittelbarer Nähe eine Hochspannungsleitung befindet, womöglich noch eine Bahn- oder Straßenlinie, dann fließen hier große Mengen an Strom. Immer dann, wenn eine elektrische Lokomotive anfährt oder beschleunigt, kommt es zu einem sehr hohen Verbrauch mit entsprechend hohen magnetischen Feldern – und das auch in der Nacht. Diese Felder sind dann mehrere hundert Meter weit messbar.

Und Bahnlinien direkt vor der Haustür wirken sich ja auch so schon negativ auf den Wert der Immobilie aus.

Aber eigentlich mehr wegen der anzunehmenden Lärmbelastung. Dass hier auch Elektrosmog eine wirkliche Beeinträchtigung darstellt, wird so nicht wahrgenommen.

Das Thema wirkt hochkomplex: Wie findet man dafür einen versierten Handwerker?

Die Elektrotechniker sind mit ihrem Standardaufgaben schon so gut ausgelastet, dass sie sich mit den negativen Auswirkungen von Elektrosmog so gut wie nicht beschäftigen. Das merken wir auch an unseren Schulungen und Ausbildungen am IBN: Diese Gruppe ist darin leider selten vertreten.

Wir empfehlen deshalb, dass baubiologische Messtechniker ein solches Vorhaben vorbereiten und begleiten. Messtechniker dürfen nicht die Arbeiten an den elektrischen Leitungen vornehmen, das müssen Elektrotechniker machen. Aber sie können darauf hinwirken, dass die im individuellen Kontext sinnvollen Aufgaben vernünftig durchgeführt werden.

Über Johannes Schmidt
Johannes Schmidt ist Baubiologe IBN und Baubiologischer Messtechniker IBN. Er ist beim Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN GmbH als Referent und Prüfer tätig.
Das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN ist ein Ausbildungsinstitut für Baubiologie und vermittelt ganzheitliches Wissen für gesundes, nachhaltiges und zukunftsfähiges Bauen und Sanieren. Gleichzeitig vernetzt das Institut Fachleute unterschiedlicher Disziplinen und schafft einen gemeinsamen Qualitäts- und Wissensrahmen für ganzheitliches Bauen (www.baubiologie.de).