Kostenlose Software für Existenzgründer

Softwarelizenzen sind ein wichtiger Kostenfaktor gerade für Existenzgründer. Dabei kann hier dank „Open Source“, übersetzt: „freier Code“, viel Geld gespart werden. In vielen Bereichen gibt es sehr gute kostenlose Software. wiwo.de gibt einen Überblick über den Einsatz von Open-Source-Programmen.

Hitflip.de hilft beim Tauschen von Produkten und Dienstleistungen im Internet: Nutzer melden Tauschobjekte an. Werden sie von anderen für gut befunden und angefordert werden, erhalten sie einen virtuellen Geldbetrag. Diesen können sie dann gegen andere Hitflip-Objekte eintauschen. Vor etwa drei Jahren entstand diese Idee: Drei Doktoranden an der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Vallendar bei Koblenz machten hier ihr eigenes Problem zu einer Gründungsidee. Mit eigener Entwicklungskompetenz wollte das junge Unternehmen an einer Stelle möglichst wenig Geld ausgeben: für die Software der Plattform und der eigenen Computer. Von Anfang an setzte das junge Unternehmen also auf kostenlose Software.

Offenheit und Veränderbarkeit des Quellcodes spielen für den Normalanwender nur eine untergeordnete Rolle bei der Auswahl von Open-Source-Software, der Software beispielsweise unter der General Public License (GPL): Vor allem die fehlenden Lizenzgebühren – die für die Benutzung „unfreier“ Software beim Kauf anfallen – sind reizvoll. 15.000 bis 20.000 Euro alleine an Lizenzgebühren, schätzt Jan Miczaika, Geschäftsführer und Gründer von Hitflip.de, spart das Unternehmen durch den Einsatz der kostenlosen Software. „Neben den gesparten Lizenzkosten ist auch der Verwaltungsaufwand deutlich geringer. Wir müssen nicht mit einem komplizierten Modell Lizenzen nachhalten.“ Im Unternehmen laufen die Rechner der 30 Mitarbeiter mit dem Betriebssystem Windows. Ansonsten ist fast alles Open Source: Von der Textverarbeitung bis hin zur Software zur Steuerung von Kundenanfragen.

Für fast jeden Anwendungsbereich gibt es ausgereifte Programme

Für fast jeden Anwendungsbereich gibt es mittlerweile ausgereifte Programme. Dazu gehört beispielsweise der Internetbrowser Firefox, der eine Weiterentwicklung des früher sehr beliebten Netscape Navigators ist, dieses Mal aber offen zugänglich für eine Programmierercommunity. Gerade hier zeigt sich, dass Open-Source-Projekte sogar die Entwicklung vorantreiben können: Firefox hat von derProgramminnovation her den Microsoft Internet Explorer, der ebenfalls kostenlos erhältlich ist, deutlich überholt. Weitere Programme, die frei erhältlich sind:

  • OpenOffice: OpenOffice geht in seiner Historie auf das deutsche Programme StarOffice zurück. Das Open-Source-Projekt ist mittlerweile in der Version 3.0. erhältlich : und bietet alles, was das Herz in Bezug auf eine Office-Suite begehrt: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation. Die Bedienung ist seht gut: In vielen Punkten ist die Organisation der Menüs sogar deutlich intuitiver als beim Konkurrenten MS Office. Seit Version 3.0. ist OpenOffice übrigens auch gut für den Mac-Anwender gut zu benutzen. http://de.openoffice.org/
  • Thunderbird: Wie Firefox gehört die E-Mail-Software Thunderbird ebenfalls zum Mozilla-Projekt. E-Mails sind eben nicht nur MS Outlook. Von der Handhabung her sind Thunderbird und Outlook nicht zu vergleichen, viele Dinge funktionieren anders. Über so genannte Add-Ons kann die Software erweitert werden, beispielsweise ist mit „Ligthning“ ein Terminmanagement möglich: http://www.mozilla-europe.org/de/products/thunderbird/
  • Gimp: Im Bereich Bildbearbeitungssoftware ist unter Profis Adobe Photoshop Standard. Gimp versucht sich hier als freie Alternative, kann auch einen beachtlichen Leistungsumfang vorweisen. Gerade bei nur gelegentlicher Anwendung ist Gimp aber auch für nur Gelegenheitsnutzer ein Problem, da die Bedienung doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Und die Konkurrenz an bezahlpflichtigen Angeboten ist auch nicht so sonderlich teuer. Http://www.gimp.org
  • PDFCreator: Ein PDF erstellen, völlig kostenlos. In OpenOffice geht es das einfach mit einem Button und schon ist jedes Dokument auch ein PDF. Der PDFCreator ermöglicht das auch mit anderen Dateien. http://www.pdfforge.org
  • TrueCrypt: Die Verschlüsselung sensibler Daten ist oftmals sehr wichtig. TrueCrypt bietet hier als Open-Source-Software leistungsstarke Verschlüsselungsverfahren und eine einfache Handhabung. http://www.truecrypt.org
  • FreeMind: Wer gerne mit Mindmaps arbeitet, findet mit FreeMind eine kostenlose Möglichkeit dazu. Grundlage dafür ist die installierte JavaRuntime-Routine. Wer viel mit Mindmaps arbeiten möchte, sollte aber doch lieber eine kostenpflichtige Alternative wählen. http://freemind.sourceforge.net
  • Hisbiscus: Die freie Online-Banking-Software, mittlerweile in der Version 1.8., versteht einige gängige Verifizierungsverfahren wie HBCI und iTan. Sie ist gut zu bedienen. http://www.willuhn.de/projects/hibiscus/


Hitflip.de – die Kölner Firma setzt stark auf den Einsatz von Open-Source-Software Bild vergrößern Hitflip.de – die Kölner Firma setzt stark auf den Einsatz von Open-Source-Software

Jan Miczaika setzt in seinem Unternehmen Thunderbird, Firefox, OpenOffice und das OTRS-Ticketsystem (http://www.otrs.org) für die Bearbeitung von Kundenanfragen ein. „Gimp hat mich nicht überzeugt“, sagt er aber auch. Dort setzt das Unternehmen weiterhin auf die sehr teure Lizenz von Adobe Photoshop. Unüberlegt installierte der Gründer die kostenlose Software sowieso nicht: „Wir haben OpenOffice testweise eingesetzt und festgestellt, dass alle Mitarbeiter sich sehr schnell darauf umstellen können“, erzählt er.

Und manchmal muss man natürlich auch etwas tricksen: „Würden wir zum Beispiel Outlook verwenden, dann käme zu den Lizenzen noch einmal ein spezieller Mailserver hinzu“, erklärt der Hitflip.de-Gründer. “ Den müssten wir auch noch administrieren.“ Um die Funktionalität von Outlook aber dennoch nachzustellen, setzt Miczaika auf eine Mischung aus Hosting : für 15 Euro im Monat werden alle E-Mail-Konten online verwaltet – und dem Google Kalender (http://www.google.com/calendar/).

In ihren eigenen Accounts schreiben dort alle Mitarbeiter ihre Termine hinein und schalten die anderen Mitarbeiter frei. Bei Hitflip.de kein Problem: Komplizierte Einsichtrechte sind hier nicht nötig, im Zweifel steht im Kalender einfach ein „Beschäftigt“, wenn der Anlass des Termins nicht jeden zu interessieren hat. Für größere Unternehmen ist das sicherlich nicht so einfach zu bewerkstelligen.

„Bei Online-Bankgeschäften würde ich eher nicht auf OpenSource setzen“, wiegelt der Geschäftsführer zusätzlich ab. „Zwar kann jeder den Code kontrollieren, aber ich weiß nicht, ob es tatsächlich jemand gemacht hat. Hier würde ich auf professionelle Software setzen.“ Generell gibt es bei freier Buchhaltungssoftware das Schnittstellenproblem: Steuerberater setzen auf DATEV und dieses Format darf nicht frei verwendet werden.

Noch mehr Kostenersparnis ergibt sich für Hitflip.de durch die eigene Plattform im Internet: Hier läuft alles auf Open-Source-Basis: Vom Server über die Programmiersprachen bis hin zu den Datenbanken. Lizenzsoftware kommt hier für das Unternehmen auf lange Sicht nicht in Frage, zumal auch weltweit agierende Websites wie etwa Facebook mit ähnlicher Serverkonstellation äußerst erfolgreich arbeiten. Im Gegenteil: Hitflip.de erweitert sogar eigenständig diese Plattformen und gibt so mittlerweile Entwicklungsarbeit an die Community zurück, stellt es selbst frei zur Verfügung. Das Tauschen von Dienstleisungen, das Geschäftsmodell von Hitflip.de also, sozusagen in ganzheitlicher Vollendung auch in Bezug auf das eigene Unternehmen.

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Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.