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Business woman hand holds a blue credit card and use mobile phones.Web banner. - Foto: iStock.com/apichon_tee

Wie man sicher im Internet bezahlt

Zahlreiche unterschiedliche Bezahlmethoden gibt es im Internet, von PayPal bis hin zur Rechnung. Wichtig für den Kunden: Wie ist die eigene Rechtssituation bei einer Bezahlung im Web.

PayPal
Der Ebay-Ableger PayPal verwaltet rund 210 Millionen Kundenkontos weltweit. Das Prinzip: Der Kunde meldet sich einmal bei PayPal an und hinterlegt dort die Kontoinformationen. Bei der nächsten Bestellung klickt er nun einfach auf den PayPal-Button und wird dann zum Login seines Accounts weitergeleitet. Nach der Anmeldung wird die Bestellung bestätigt.

Und auch in Sachen Käuferschutz setzt PayPal Zeichen. Auf der Website steht dazu: „Sie haben ab Zeitpunkt der Zahlung 45 Tage Zeit, um Ihr Problem bei PayPal zu melden. Wenn Ihr Antrag auf PayPal-Käuferschutz erfolgreich ist, erstatten wir den Kaufpreis inklusive Versandkosten.“ Dies gilt für materielle Produkte.

Click & Buy
13 Millionen Kunden bedient der Bezahlservice Click & Buy – vormals Firstgate. Auch hier hinterlegt der Kunde einmal zentral seine Kontendaten und bezahlt dann im Anschluss per Klick auf dem Button aus dem Shop heraus. Ursprünglich einmal für die Bezahlung von Kleinstbeträgen konzipiert, ist heute das Bezahlen auch größerer Summen möglich. Auch hier erhält der Onlinehändler keinen Zugriff auf die Kontendaten des Kunden. Click & Buy ist seit einiger Zeit eine 100-prozentige Tochter der Deutschen Telekom.

Die Sicherheit für den Kunden ergibt sich vor allem aus der Transaktion. Einen weitergehenden Käuferschutz bietet Click & Buy allerdings nicht.

Google Checkout
Natürlich möchte auch der Internetgigant Google am wachsenden Markt mit Onlinebezahlsystemen mitmischen. Auch Google Checkout schaltet sich zwischen Kunden und Händler, schützt also die Transaktionsdaten. Die offiziellen Informationen auf der Google-Website zu dem Service sind aber eher dürftig. Allerdings findet der Service bisher – noch – vor allem Anwendung in google-eigenen Anwendungen, zum Beispiel ist er vielen Nutzern von Android-Handys bekannt, weil hierüber die Apps im Marketplace bezahlt werden.

In Sachen Haftung hält sich Google raus: Der Kunde muss selber sicherstellen, dass der Händler seriös agiert, einen Käuferschutz gibt es nicht.

Giropay
Giropay ist der Ableger der deutschen Bankenlandschaft für das Bezahlen im Internet. 1.500 Banken nehmen bereits teil. Anders, als bei den Wettbewerbern, wird hier nicht ein eigener Registrierungsvorgang initiiert, sondern der Kunde nutzt weiterhin das gewohnte Bankingportal seiner Bank. Der Händler erhält dann mit der Bestätigung eine Zahlungsgarantie und kann die Ware versenden.

Der Käuferschutz ist über die sichere Transaktion hinaus eher niedrig ausgestattet. Giropay schreibt dazu in seinen FAQ: „Anbieter und Käufer haben einen rechtsverbindlichen Kaufvertrag miteinander geschlossen. Liefert ein Anbieter die Ware nicht aus oder erbringt nicht die gewünschte Dienstleistung, kann der Kunde den Rechtsweg wegen Nichterfüllung des Kaufvertrags nutzen. Vertragspartner bleibt in jedem Fall der Anbieter.- Sprich: Der Käufer muss sich mit dem Händler direkt herumärgern, wenn die Ware nicht oder falsch geliefert wird.

Sofortueberweisung.de
Als direkten Konkurrenten betrachten die Banken rund um Giropay den Anbieter Sofortüberweisung.de, der ebenfalls die Bezahlung direkt übers Girokonto ermöglicht. Auch Sofortüberweisung.de wird per Button im Bestellvorgang ausgewählt und die Abwicklung der Transaktion erfolgt auf deren Servern.

In Sachen Käuferschutz agiert der Anbieter mit einem ähnlichen Service wie Paypal. Sofern der Händler ihn anbietet, sichert er Kunden bei Nicht-Lieferung eine Geld-zurück-Garantie zu. Angeblich soll der Dienst Kundenbewegungen ausspähen, weshalb er ins Gerede gekommen ist.

Vorkasse
Des Händlers Liebling, des Kunden unbeliebteste Form der Bezahlung im Internet ist die Vorkasse. Frei nach dem Motto „Nur Bares ist Wahres“ kann hier der Kunde vor der Lieferung der Ware den vereinbarten Betrag auf das Konto des Händlers überweisen.

Ob dann die Ware – fehlerfrei – kommt, ist eine Sache des Vertrauens. An den Kunden sind also erhöhte Anforderungen gestellt, was die Seriositätskontrolle eines Händlers betrifft. Natürlich hat er rein rechtlich betrachtet ein Anrecht auf eine Rückzahlung: Allerdings muss er das selbst eintreiben.

Kreditkartenzahlung
Sehr häufig möglich ist die Bezahlung per Kreditkarte im Internet. Was viele Verbraucher nicht wissen: Eine Kreditkartenzahlung ist wie eine Bargeldzahlung. Sprich: Sollte die Ware fehlerhaft oder falsch sein, muss der Kunde nun das Geld beim Händler zurückfordern und im Zweifel eintreiben, was mindestens zeitaufwändig und auch sehr ärgerlich sein kann.

Geschützt ist der Verbraucher recht gut nur beim Kreditkartenmissbrauch: Dann haftet er nur maximal für 50 Euro, sofern er umgehend den Missbrauch mitteilt und auch zur Anzeige bringt und dieser nicht durch grobe Fahrlässigkeit – beispielsweise durch einen Notizzettel mit der PIN – begünstigt wurde. Hintergrund ist, dass mit der Kreditkarte ohne eine PIN bezahlt werden kann, weshalb hier der Gesetzgeber eine niedrige Haftungsgrenze festgeschrieben hat.

Diese Bezahlrückbelastungen sind aber ein Ärgernis für Händler, dass sie mit dem „MasterCard Securecode“ bzw „Verified by Visa“ ausgleichen können. Hier authorisiert sich der Verbraucher mit einer Kreditkarte direkt bei seiner Bank und wird während des Bezahlvorgangs dann nach Eingabe eines persönlichen Zugangscodes zur Abwicklung der Bezahlung an die Bank weitergeleitet. Der Händler hat eine Zahlungsgarantie. Nachteil für den Kunden: Durch die Authorisierung ist aus Bankensicht das Problem mit der PIN behoben. Bei Kartenmissbrauch haftet also der Kunde im Zweifel selbst. Allerdings hat das die Stiftung Warentest bemängelt, so dass sich nach ihren Aussagen die anbietenden Institute nun dazu verpflichten, diese Kunden nicht mehr schlechter zu stellen. Ein gewisser Unsicherheitsfaktor bleibt in der konkreten Abwicklung.

Lastschrift
Ab und an bieten Händler auch das Lastschriftverfahren als Bezahlmethode an : es ist bekannt aus dem Supermarkt, wo dann die Rechnung unterschrieben wird. Dieses Verfahren birgt für den Kunden wenig Risken, denn er kann der Lastschrift ohne Angabe von Gründen binnen sechs Wochen bei seiner Bank widersprechen. Den schwarzen Peter hat dann der Händler, der dann das Geld – welches ihm zusteht – über Inkassoverfahren eintreiben muss.

Sollte eine Ware falsch oder fehlerhaft sein, sollte der Kunde bei Internetgeschäften unbedingt binnen 14 Tagen eine Rücksendung vollziehen. Nur dann hat er auch ein gerichtsfestes Argument, das Lastschriftverfahren zu widerrufen.

Rechnung
Die absolut sicherste Bezahlmethode für Kunden im Internet ist die Zahlung per Rechnung. Sie wird allerdings im Privatkundengeschäft selten angeboten, weil viele Händler fürchten, dass nach der Warenlieferung am Ende doch nicht das Geld kommt. Dann müssen sie über ein aufwändiges Inkassoverfahren ihr Geld eintreiben, denn natürlich ist der Kunde verpflichtet, seine Schulden auch zu begleichen.

Aus Kundensicht ist diese Bezahlmethode auch deshalb attraktiv, weil sie zunächst die Ware in Ruhe in Augenschein nehmen können : und dann ohne Zahlung bei Nichtgefallen auch wieder zurückschicken können, was bei Internetgeschäften binnen 14 Tagen erfolgen kann.

Zur Original-Bildergalerie auf wiwo.de. Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.

„Die Copycats in Deutschland interessieren uns nicht sonderlich“

Brian Chesky und Nathan Blecharczyk, Mitgründer von Airbnb und Gunnar Froh, Country Manager Deutschland, über die Webkonkurrenz zur eigenen Wohnraumcommunity, weitere Ausbauziele und die Rentabilität der Website.

WirtschaftsWoche: Mr. Chesky, Sie sagen, dass Sie Ihre eigene Wohnung aufgegeben haben und nun nur noch in fremden Zimmern übernachten. Wo haben Sie die letzten Nächte in Deutschland geschlafen?

Chesky: Selbstverständlich haben wir alle unsere Appartments über Airbnb gebucht. Hier in Hamburg sind wir beispielsweise bei tollen Gastgebern im lebendigen Portugiesenviertel am Hafen untergekommen.
Mehrere deutsche Klone, „Copycats“, versuchen, Airbnb zu kopieren. Was halten Sie von dieser Konkurrenz?

Blecharczyk: Die Copycats in Deutschland interessieren uns nicht sonderlich. Wir haben drei Jahre alle Kraft in den Aufbau einer funktionierenden Community investiert – und eine solche Community kann man nicht einfach in wenigen Monaten mit Geld erkaufen.

Aber zum Beispiel die Samwer-Brüder haben gerade eine Geldspritze von 90 Millionen Dollar eingesammelt und greifen mit Wimdu gewohnt aggressiv den Markt an. Wie reagieren Sie darauf?

Blecharczyk: Wir sind das Original. Das ist eine andere Situation bei uns im Vergleich zum Beispiel zu Groupon. Groupon hatte keinerlei eigene Aktivitäten in Deutschland und Europa und musste auf das rasante Marktwachstum der Wettbewerber reagieren. Bei den Wohncommunities geht es nicht nur darum, in möglichst vielen Städten präsent zu sein, sondern vielmehr, dass auch eine große Community die Idee der gegenseitigen Vernetzung trägt. Und das lässt sich nicht so einfach kopieren.

Froh:
 Es ist ja bekannt, dass wir vor kurzem eine Mail an alle unsere deutschen Mitglieder versandt haben. Denn es gab Verwirrungen, weil manchmal nicht ganz klar war, inwiefern Anrufe von Wettbewerbern nun von Airbnb kamen oder nicht. Aber mit diesem Brief ist das jetzt ein für allemal geklärt.

Haben Sie also nicht in Berlin zum Beispiel die Samwer-Brüder getroffen?

Blecharczyk: Wir haben da keine Anknüpfungspunkte. Wir haben Accoleo deshalb aquiriert, weil uns die Macher dort gefielen und sie gut in unsere Unternehmenskultur passen. 

Zu welchem Zeitpunkt werden die Einnahmen die Ausgaben übersteigen bei Airbnb?

Blecharczyk:
 Das wäre heute schon der Fall. Wir führen ein substanzielles Geschäft. Würden wir nicht in die Expansion weiter investieren, dann wären wir bereits heute rentabel.

Und wann werden die Investitionen wieder eingenommen werden?

Blecharczyk:
 Wir gehen davon aus, dass schon in wenigen Monaten das Hundertfache der derzeitigen Buchungen über Airbnb erfolgen wird, so dass der ‚Return of Investment‘ sehr schnell erfolgen wird. Wir wachsen sehr schnell. 

Es steht im Raum, dass in Airbnb 100 Millionen US-Dollar von Risikokapitalgebern investiert wurden. Mögen Sie diese Zahl bestätigen?

Blecharczyk:
 Diese Zahl kommentieren wir nicht.

Groupon ist mit 20 Milliarden Dollar für den Fall des Börsengangs taxiert, Airbnb soll eine Milliarde Dollar wert sein. Wann planen Sie den Börsengang?

Blecharczyk:
 Ein Börsengang ist nicht geplant. Wir wollen möglichst lange unabhängig, privat bleiben. 

Die Summen, mit denen derzeit Internetunternehmen gehandelt werden, sind astronomisch hoch. Groupon ist demnach zum Beispiel in etwa soviel Wert wie MAN. Schon einmal wurden in der New Economy solche Summen gehandelt und die Blase platzte gewaltig. Sind Airbnb und andere Internetfirmen die nächste Blase, die platzen wird, wie es einige Experten schon befürchten?

Blecharczyk: 
Es gibt einen Hauptunterschied zur Blase der New Economy: Wir machen bereits substanzielles Geschäft, welches sich auch bewerten lässt. 

Noch eine Frage an Herrn Froh. Wie empfinden Sie die Unternehmenskultur bei ihrem neuen Arbeitgeber Airbnb?

Froh: 
Das ist ungleich dynamischer, als alles, was ich bisher erlebt habe. Vor 2 bis 3 Wochen war die Entscheidung, eine Niederlassung von Airbnb in Hamburg zu gründen, vor acht Tagen haben wir uns für ein Büro entschieden, vor wenigen Tagen den Vertrag unterschrieben. Gerade in diesen Tagen stellen wir bereits 30 Mitarbeiter ein. Es werden hier ganz schnelle Entscheidungen getroffen, von Leuten, die wirklich felsenfest von ihrer Idee überzeugt sind. Das ist schon sehr beeindruckend.

Wimdu und 9Flats sind ihre größten Wettbewerber in Deutschland. Was unterscheidet Sie?

Froh:
 Airbnb hatte hier bereits Angebote und Nutzer, bevor die Community überhaupt vermarktet wurde. Der Marktplatz ist einfach liquide: Sofern Sie eine Wohnung inserieren, haben Sie binnen Tagen und Wochen tatsächlich Buchungen, können tatsächlich eine adäquate Bewertung einer großen Community ersehen. Das ist ein großer Unterschied: Sie können direkt auch die Verbindung zu dem Gastgeber über Facebook einsehen. Diese Verbindung, auch Social Connections genannt – zum Beispiel über zwei oder drei Ecken mit einem eigenen Freund – schafft Vertrauen. Und das ist unser Hauptkapital und eben nicht nur virtuell, sondern tatsächlich vorhanden.

Über Brian Chesky und Nathan Blecharczyk
Chesky, 29, studierte zunächst Design. 2007 gründete er zusammen mit dem Designer Joe Gebbia, 29, und dem Computerspezialisten Nathan Blecharczyk, 28 das Unternehmen Airbnb, ein Wortspiel aus „Airbed“ (dt. Luftmatratze) und BnB (Abkürzung für Bed-and-Breakfast). Es entstand in einem Wohnzimmer in San Francisco. Heute bietet Airbnb Domizile in mehr als 14.000 Städten und 183 Ländern weltweit an. Risikoinvestoren sollen angeblich 100 Millionen Dollar eingezahlt haben. Der Unternehmenswert soll bei einer Milliarde Dollar liegen.

Über Gunnar Froh
Froh, 28, sammelte Berufserfahrungen als Berater bei McKinsey und gründete die gemeinnützige Carsharing-Organisation CampusCar. Mit dem Kauf von Accoleo durch Airbnb, das er mitgründete, übernahm er vor kurzem den Posten des Country Managers Airbnb Germany.

Zum Originalartikel Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.

Noch unter Ausschluss des Publikums

Bewegtbildformate, produziert ausschließlich fürs Internet, waren vor zwei Jahren ein neuer Trend. Nun schließt T-Online sein Videoportal 3min.de. Internetsoaps führen derzeit allenfalls ein Nischendasein, dennoch ist die Branche optimistisch.

Die vier schauen cool im schwarz-weiß-Design von der rechten Bildschirmkante, fast wie eine Boygroup. Im Hintergrund hebt ein animiertes Flugszeug ab. Die Handlung: Vier Jungs aus Düsseldorf durchleben den Großstadtdschungel, „männliche Verliebtheit, emotionale Eskapaden und subtiles Paarungsverhalten“ wollte die Serie laut „Bild.de“ witzig in Szene setzen. „Eine Kampfansage an das Abendprogramm“, schrieb die „Rheinische Post“ begeistert. „Die Düsseldorfer zeigen mit ihrer Internetserie, wie Männer eigentlich ticken“, sinnierte die „NRZ“. „Sex and Zaziki“ sollte eben „Sex and the City“ für Männer werden.

Das Besondere: Die „Webisodes“ gibt es nur im Internet. Vor allem 2008 und 2009 eröffnete an jeder Web-Ecke ein mehr oder minder professioneller satirischer oder dokumentarischer Einblick in Form einer Internetsoap. Die „Pietshow“ der Studentenplattform studiVZ erzählte zum Beispiel die Geschichte des Filmstudenten Piet. 40.000 studiVZ-Nutzer registrierten sich für die begleitende Gruppe, 3,5 Millionen Abrufe machten die Episoden laut Produzent zur erfolgreichsten deutschen Internetsoap. 2010 wurde die Serie sogar für den International Digital Emmy Award norminiert.

Anfangseuphorie ist gewichen

Seit diesem Jahr ist die Anfangseuphorie allerdings gewichen. Die anfänglich hohen Zugriffszahlen werden nicht erreicht. Die „Candy Girls“ zum Beispiel, die sich selbst noch als das „meistdiskutierte Webthema im letzten Jahr“ darstellen, schafften bei myspace pro Folge gerade einmal durchschnittlich 30.000 Aufrufe. Die Website wirkt veraltet. „Das Verhältnis von Aufwand und Gewinn ist noch ein großes Problem“, beschreibt so auch Joan Kristin Bleicher, Professorin für Fernseh- und Internetentwicklungen am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg. Und Jens-Uwe Bornemann, Leiter des UFA Lab, einem Produzenten von Internetsoaps, bestätigt: „Es ist derzeit generell schwierig, originäre Bewegtbild-Inhalte fürs Internet kostendeckend zu produzieren. Es fehlt im Großen und Ganzen noch an der Zahlungsbereitschaft des Kunden, der Reichweite für eine kostendeckende Werbevermarktung sowie einem nachhaltigen tragfähigem Geschäftsmodell.“

Gerade einmal elf Web-Serien listet 3min.de so noch auf. Ansonsten dominieren Kinotrailer und Internetmusicvideos das Portal. Christian Ulmen und Ex-Viva-II-Moderator Niels Ruf trieben hier ihre Späße. Doch ist auch hier die Luft raust: Im November 2010 gab es die letzte Pressemitteilung, nun öffnet das einstmal ambitionierte Projekt von T-Online mit seinem eigenen Abgesang als Willkommensgruß auf der Startseite: Am 31. Mai wird der Sendebetrieb eingestellt. „Es war ein ambitioniertes und sehr innovatives Portal, das mit eigenem Programmbudget Online-Formate subventioniert, teilweise sogar komplett finanziert hat und damit ein maßgeblicher Wegbereiter im Bereich originärer Online-Eigenproduktionen war“, bedauert Bornemann. Bleicher sieht dies kritischer: „Dieses Portal hat sich im Prinzip vor allem durch seine Selbstkommerzialisierung selbst abgeschafft. Wer schaut sich schon Werbeclips vor den Webisodes an, wenn es zum Beispiel bei Youtube ein breites Angebot an Websoaps ohne Werbung gibt?“

Trend zu Dokusoaps und Experimentellem

An ein Ende der Internetsoaps glauben beide aber nicht, im Gegenteil: „Internetsoaps sind ein sehr kreativer Bereich im Internet, der noch am Anfang steht“, beschreibt Bleicher. „Das Spektrum an Inhalten ist sehr breit.“ Und UFA-Produzent Bornemann sagt: „Das Interesse an der Produktion von Internetsoaps und originären Onlineformaten ist trotz der Schwierigkeiten ungebrochen.“ Eine ganze Reihe Projekte sei in Planung, insbesondere non-fiktionale Formate wie etwa Lifestyle-Dokumentationen würden im Web gut funktionieren, da diese auch kostengünstiger produziert werden könnten. Die vergangenen Jahre stuft er als Erfahrung ein: „Wir haben sehr viel ausprobiert“, sagt er. Bleicher glaubt, dass der Schlüssel zum Erfolg im sozialen Web, in den Verknüpfungen mit myspace und Facebook liege. Auch virales Marketing – weniger in Richtung Werbung, sondern mehr in Richtung kreativer Spotts – habe Potenzial.

„Sex and Zaziki“ jedenfalls schaffte es nicht in die zweite Staffel, trotz euphorischer Kritiken. Die vier coolen Jungs hielten nur sieben Episoden lang durch : und stehen damit symptomatisch für eine Branche, die sich noch in der Selbstfindung befindet.

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Wissensbilanz für die Unternehmenshochzeit

Wird ein Unternehmen gekauft, zählt bei der Bewertung “ Due Dilligence “ meist nur die bare Münze. Doch gerade weiche Faktoren beeinflussen massiv den Erfolg. Ein Fall für die Wissensbilanz.

Ein neuer Mitarbeiter bei den Fachkliniken Heiligenfeld in Bad Kissingen muss sich nicht erst um die Kontaktdaten andere Mitarbeiter oder um eine Struktur seines neuen Arbeitgebers sorgen. Alles steht ihm ab dem ersten Tag zur Verfügung : in Form einer Empfangsmappe. Zusätzlich steht ihm in den ersten ein „Pate“ zur Seite. Und das ist wichtig: Ärzte sind so als Arbeitnehmer am Markt heiß begehrt.

Grund dieser Maßnahmen: Eine Wissensbilanz hatte 2006 für das Unternehmen ergeben, dass bei deren Einarbeitung Defizite bestehen. „Ziel ist es, den neuen Arzt möglichst effektiv und optimal in das Unternehmen zu integrieren und so seine Arbeitszufriedenheit zu erhöhen“, beschreibt Albert Pietzko, Projektmanager bei der Fachklinik Heiligenfeld. Die Fachklinik hat sich auf psychische und psychosomatische Erkrankungen spezialisiert, pflegt hier einen humanistisch-gesamtheitlichen Ansatz. Mit Erfolg: Bereits zwei Kliniken hat das Unternehmen übernommen, es möchte weiter expandieren.

„Können wir zum Beispiel eine Verdoppelung überhaupt schultern“, fragt Projektmanager Pietzko. „Was fehlt uns dazu?“ Mit einer erneuten Wissensbilanz wollte das Unternehmen hier Defizite aufdecken und Maßnahmen entwickeln.

Weiche Faktoren werden wenig berücksichtigt

Die Fakten: Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Hay Group zeigt, dass zwar aufgrund der Krise 2008 das Volumen der Unternehmensübernahmen um 28 Prozent abnahmen, derzeit aber dennoch insbesondere strategische Kaufgelegenheiten eine große Rolle spielten. Spielraum für Fehler sei aber in der Krise nicht gegeben. Die Studie attestiert: Die sogenannte Due Dilligence-Prüfung beschränke sich weitestgehend auf harte Faktoren. „Viele Unternehmen unterschätzen ganz erheblich die Relevanz von weichen Faktoren“, bemängelt Bibi Hahn von der Hay Group Deutschland.

Dabei sei es drei Mal wahrscheinlicher, dass eine Übernahme erfolgreich ist, wenn die weichen Faktoren berücksichtigt würden. In Westeuropa verzichten – so die Studie – aber 44 Prozent auf eine solche Analyse, obwohl 60 Prozent später zugeben müssen, dass dies gewesen wäre. Dennoch planen nur 49 Prozent der befragten Unternehmen den Einsatz geeigneter Analysen für die nächste Übernahme. Bibi Hahn: „Manager haben meist wenig Erfahrung im Umgang mit weichen Faktoren bei Transaktionen und zeigen deshalb wenig Mut, das Thema professionell anzugehen.“

Wissensbilanz im Vorfeld der Aquise

Bei den Fachkliniken Heiligenfeld offenbarte die Wissensbilanz: Strategische Kompetenzen von Führungskräfte müssen geschärft werden, damit bei Aufkäufen gleich aktiv die Firmenphilosophie umgesetzt werden kann. „Uns ist wichtig, dass diese Personen nicht nur managen, sondern auch führen können“, sagt Pietzko. Im Detail bedeutet das: externes und internes Coaching, Fortbildung, persönliche Begleitung. Eine weitere Maßnahme: Aktiv werden Nachwuchsführungskräfte aufgebaut, die dann in zwei bis vier Jahren in einem deutlich größeren Unternehmen Verantwortung übernehmen können.

Aber auch Pietzko musste erst Erfahrung sammeln, zwei Übernahmen insolventer Häuser waren der Anlass. „Wir haben die neuen Mitarbeiter nicht gut auf- und mitgenommen“, konstatiert er selbstkritisch. „Die Wissensbilanz ist ein gutes Mittel, dies zu analysieren. Wir haben viel gelernt und das ist wichtig.“

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Elevated View Of Calculator And Pen On Receipt In Office - Foto: iStock.com/AndreyPopov

Tipps zur Buchführung für Gründer

Das Thema Buchführung ist Gründern oft lästig. Dennoch sollten sie sich mit diesem Thema frühzeitig beschäftigen und sich von einem Fachmann beraten lassen. wiwo.de hat die wichtigsten Tipps zur Buchführung in einer Checkliste zusammengestellt.

  • Buchführung von Beginn an: Von Beginn an müssen Zahlungseingang und -ausgänge lückenlos auf die dazugehörigen Konten verbucht werden, denn eine spätere Nacharbeitung ist ein enormer Aufwand und kostet viel Zeit.
  • Schulung Buchführung: Ist die Buchführung für den Gründer eine neue Materie, sollte er sich von einem Fachmann schulen lassen. So werden Fehler vermieden, der Gründer versteht die Vorgänge der Buchführung und bewahrt dadurch den Überblick über die finanzielle Lage des Unternehmens.
  • Buchführung: Die Buchführung muss zeitgerecht, vollständig und ordnungsgemäß geführt werden, denn der Betriebsprüfer muss in der Lage sein, in angemessener Zeit die Geschäfts- und Vermögenslage des Unternehmens zu erkennen
  • Doppelte Buchführung:Kapitalgesellschaften, Einzelkaufleuten und Gewerbetreibenden, deren Betrieb ein in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb ist, müssen die doppelte Buchführung vornehmen. Dies gilt auch für Gewerbebetreiber, die im Jahr einen Umsatz von mehr als 500.000 Euro oder Gewinn von über 50.000 Euro erreichen.
  • Leistungserbringung: Maßgeblich ist nicht der Zahlungseingang, sondern das Datum der Leistungserbringung für die Einbuchung in die Bilanz. Jeder Posten wird dabei in zwei Konten verbucht.
  • Eröffnungsbilanz: Zu Beginn der Gründung ist es wichtig, in einer Eröffnungsbilanz, das Vermögen und die Schulden darzustellen.
  • Schlussbilanz: Am Ende des Jahres werden alle Konten der doppelten Buchführung abgeschlossen und deren Schlussbestände auf die entsprechenden Oberkonten gebucht. Diese werden schließlich in der Schlussbilanz zusammengeführt. Anhand dieser Schluss- und der Eröffnungsbilanz kann der Gewinn des Unternehmens ermittelt werden.
  • Einfache Buchhaltung: Unternehmer, die die Umsatz- oder Gewinngrenze unterschreiten, oder auch Freiberuflern buchen Zahlungseingänge und -ausgänge über das einfache Buchhaltungssystem.
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Dazu müssen am Jahresende die Ausgaben von den Einnahmen abgezogen werden, die so eine sogenannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird. Das Ergebnis ist der Gewinn vor Steuern und Sozialversicherungsabgaben.
    * Buchhaltung über Software: Mit einer Buchführungssoftware kann der Gründer monatlich seine Belege (Einnahmen, Ausgaben) selbst buchen. Auf keinen Fall sollte eine „einfache“ Bürosoftware wie zum Beispiel eine Tabellenkalkulation verwendet werden, da hier spätere Änderungen möglich sind. Bei einer Buchführungssoftware ist es, wie bei der Buchführung mit echten Büchern: Es muss erkennbar sein, welche Eintragungen wann erfolgten und dürfen später nicht unerkennbar geändert werden.
  • Buchführungsbüro: Ein Buchführungsbüro bucht für das Unternehmen die Belege. Allerdings darf es nicht die Jahresabschlüsse oder Steuererklärung erstellen.
  • Steuerberater: Einem Steuerberater kann der Gründer seine komplette Buchführung übergeben. Dieser bucht die Belege und kann außerdem die Konten abschließen, Bilanzen erstellen, die Steuererklärungen erledigen und Lohnabrechnungen für ein Unternehmen übernehmen. Diese Variante ist gerade für Gründer sehr teuer. Besser ist es häufig, ein Buchführungsbüro einzuschalten und für darüber hinausgehende Angelegenheiten einen Steuerberater hinzuziehen.
  • Kosten sparen: Das Kassenbuch kann der Gründer selbst führen, ebenfalls die Belege vorsortieren. Dadurch lassen sich Kosten sparen.
  • Information über den Betrieb: Die Buchführung ist nicht nur wichtig für das Finanzamt, sondern auch zur eigenen Information. Der Unternehmer erhält anhand der Buchführung einen Überblick über die Finanzen. Aber auch am Unternehmen beteiligte Kapitalgeber wissen so über die Lage des Unternehmens Bescheid.
  • Umsatzsteuer: Umsatzsteuern werden auf Waren und Dienstleistungen automatisch erhoben. Bei der Erstellung der eigenen Rechnung wird der aktuelle Steuersatz von 19 Prozent berechnet. Dabei entsteht eine Steuerschuld (Umsatzsteuerzahllast), die an das Finanzamt abgeführt werden muss.
  • Einkommensteuer/Körperschaftssteuer: Die Einkommenssteuer fällt bei Einzelkaufleuten oder Personengesellschaften an. Bei der Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) spricht man in diesem Fall von der Körperschaftssteuer. Die Steuer berechnet sich aus dem Gewinn des Unternehmens.
  • Gewerbesteuer: Die Gewerbesteuer wird fällig, wenn der Gewerbeertrag den Freibetrag von 14.500 Euro überschreitet.
  • Lohnsteuer: Lohnsteuer muss abgeführt werden, wenn Personal beschäftigt wird. Der Unternehmer ist dafür verantwortlich, dass die Lohnsteuer pünktlich und vollständig abgeführt wird.

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Was Gründer über Buchführung wissen sollten

Bilanz oder doch die einfachere Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Viele Existenzgründer wissen am Anfang nicht, was für sie sinnvoller ist. Die Buchhaltung ist aber elementarer organisatorischer Baustein zur Steuerung des eigenen Unternehmens. Wiwo.de gibt ihnen einen groben Überblick und Tipps zum Thema Buchführung.

Inmitten von Hochhäusern, Großstadtlärm und dem alltäglichen Arbeitsstress lädt der Frankfurter Palmgarten mit seiner exotischen Pflanzensammlung zum Erholen und Abschalten ein. Zwischen Palmen, Orchideen, Kakteen, Dahlien und Rosen sucht Doris Schüßler häufiger nach kreativen Lösungen, ist doch diese grüne Oase direkt vor ihrer Bürotür gelegen. Sie betreibt eine eigene Beratungsfirma, die „Doris Schüßler Consulting“.

Die Finanzfachfrau unterstützt mit ihren fünf Mitarbeitern Unternehmen dabei, ihre nationalen und internationalen Verwaltungstätigkeiten besser zu organisieren. „Ich war immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen“, sagt die Unternehmerin. „Nachdem ich viele Erfahrungen in den verschiedensten Einsatzbereichen gesammelt hatte, wollte ich meine Zeit und meine Energie nicht mehr in die Projekte Dritter investieren.“

Seit zehn Jahren gibt es ihr Unternehmen bereits in Frankfurt. Als Finanzfachfrau setzte Schüßler dabei von Anfang an auf eine gründliche und sorgfältige Buchhaltung, „das ist auch ein Stück weit der Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmens“, erklärt sie.

Bilanz und Einnahmen-Überschuss-Rechnung

In der Buchhaltung werden alle Geschäftsvorgänge des Unternehmens aufgezeichnet – von Zahlungsein- und Ausgängen bis hin zu Bestellung von Maschinen oder Rückstellungen für Abfertigungen von Mitarbeitern. Außerdem ermöglicht sie jederzeit einen Überblick über die Vermögenslage und den Schuldenstand des Unternehmens. Am Ende des Geschäftsjahres wird aus den Aufzeichnungen je nach Anforderung eine Bilanz oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt. Die Buchhaltung ist nach Handels- und Steuerrecht gesetzlich vorgeschrieben und sollte deshalb sorgfältig von Beginn der Betriebsgründung an getätigt werden.

„Die Anforderungen an die Buchführung sind unterschiedliche und richten sich nach der ausgeübten Tätigkeit“, skizziert Andreas Dinkelbach, Professor für betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Rechnungslegung an der Hochschule Fresenius in Köln. Konkret gilt:

  • Buchführung/Bilanz: Gewerbetreibende mit in kaufmännischer Weise eingerichtetem Betrieb und Kapitalgesellschaften sind grundsätzlich buchführungs- und bilanzierungspflichtig. Ausnahme: Gewerbebetriebe, deren Umsatz im Jahr 500.000 Euro und deren Gewinn 50.000 Euro im Jahr nicht überschreiten, sowie Freiberufler wie etwa Schriftsteller, Architekten und Ärzte. „Dies ist jährlich zu überprüfen“, sagt Dinkelbach. Mit dem Leistungs- und Rechnungsdatum wird jeder Vorgang doppelt auf zwei Konten gebucht.. Zum Leistungs-/Rechnungsdatum im Soll unter „Kundenforderung“ und im Haben unter „Umsatz“, am Tag der Bezahlung im Haben unter „Kundenforderung“ und im Soll unter „Bank“ oder „Kasse“. Somit werden alle Änderungen des Vermögens und der Schulden unabhängig von der Bezahlung gebucht. Am Ende des Jahres werden alle Konten abgeschlossen und deren Schlussbestände auf die entsprechenden Oberkonten gebucht. Diese werden schließlich in der Schlussbilanz zusammengeführt. Anhand der Bilanz lässt sich die Vermögens- und Finanzlage eines Unternehmens einschätzen. Auch die Konkurrenz hat in die Unternehmensbilanz Einblick, da diese im Unternehmensregister veröffentlicht werden muss. Der Gewinn oder Verlust des Unternehmens wird mit der Eröffnungs-, Schlussbilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung ermittelt.
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung: Unternehmer unterhalb der Umsatz- und Gewinngrenze sowie Freiberufler ergeht es mit der Buchhaltung einfacher. „Insgesamt ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung die einfachere, weil weniger aufwändige Alternative“, erklärt Dinkelbach. Die Gründer zeichnen alle Zahlungseingänge und -ausgänge am Tag der Zahlung auf. Am Jahresende werden dann zur Gewinnermittlung einfach die Ausgaben von den Einnahmen abgezogen, die so genannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) erstellt.
    Die EÜR interessiert sich nur für die reinen Geldbewegungen interessiert. Einnahmen werden immer erst dann aufzeichnet und versteuert, wenn das Geld fließt. Deshalb sind in ihr bestehende Schulden oder auch ausstehende Rechnungen nicht aufgelistet. Somit hat der Unternehmer nur die Information über Gewinn oder Verlust und nicht genau den Überblick wie viel Geld im Umlauf ist oder welche Schulden bei Anfertigung der EÜR eigentlich bestehen.

Betriebswirtschaftliche Auswertung

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) für einen Überblick über die Kosten-, Umsatz und Gewinnsituation des Unternehmens. Sie stellt Aufwendungen und Erlöse gegenüber, im Idealfall jeden Monat. Hier sieht der Unternehmer, wie viel Geldmittel im zur Verfügung stellen. Und auch der Umsatz wird dargestellt. Wichtig ist die BWA, um festzustellen, welche Kosten sich verändern. Der Gründer kann Entwicklungen gut mit dem Vormonat vergleichen.

Natürlich lässt sich neben dem Umsatz auch der Gewinn ablesen. Dieser ist sehr wichtig, denn Gewinn bedeutet zum einen die Deckung aller Betriebskosten, der Investitionen sowie der betrieblichen Steuern und zum anderen ausreichend Geld für den eigenen Lebensunterhalt.

„Mag ein Gewinn dabei auf den ersten Blick ausreichend erscheinen, muss der Unternehmer jedoch berücksichtigen, dass in ihm auch sein Gehalt vergütet wird, das heißt. er mindestens soviel Gewinn erzielen muss, wie er alternativ etwa in einer Festanstellung – bei deutlich geringerem Risiko – verdienen kann“, warnt aber Dinkelbach.

Doris Schüßler vergaß einmal eine Ausgangsrechnung einzubuchen und musste so länger auf ihr Geld warten, da die Mahnung nicht rechtzeitig erstellt werden konnte. Umgekehrt übersah sie auch schon einmal eine zu bezahlende Rechnung. Um die nachzuvollziehen, musste Schüßler die Buchhaltungsordner durchsuchen. „Das kostet Zeit“, sagt sie. „Alles in allem waren die Fehler zu heilen. Es kostete zwar Lehrgeld. Doch es hat zur Besserung meiner Verhaltensweisen entscheidend beigetragen.“

Generell stellen die unterschiedlichen Buchungssätze Existenzgründer am Anfang vor große Probleme. „Gründer sollten die Buchhaltung nicht komplett alleine machen“, rät so auch Experte Dinkelbach. „Vieles ist unbekannt für den Gründer und das führt einfach zu Fehlern, die sich etwa steuerlich nachteilig auswirken können und sich im Nachhinein nicht beheben lassen.“

Rabatte für Existenzgründer gibt es beim Steuerberater leider nicht, denn die Preise sind in der Steuerberatergebührenverordnung (StBGebV) geregelt. Jedoch: „Der Gründer sollte indes nicht den Buchhalter oder Steuerberater erst noch die Belege sortieren lassen“, sagt auch Dinkelbach. „Das ist zu teuer.“ Prinzipiell sollte sich das Geld für den Steuerberater immer über zusätzlichen Umsatz rentieren.

Doris Schüßler ist selbst Expertin für Steuern und Buchhaltung, natürlich macht sie deshalb alles selbst: “ So sparen wir Kosten und ich bewahren den finanziellen Überblick in eigener Sache.“ Aber: „Natürlich kooperieren wir zusätzlich mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern in eigener Sache und für unsere Kunden, damit Buchführung, Jahresabschluss und Steuererklärungen entsprechend festgestellt und bestätigt werden.“

Für diesen Monat ist die Buchführung größtenteils erledigt. Mit ihren monatlichen Auswertungen auf dem Laptop tritt Schüßler einen Schritt vor die Bürotür, direkt in die grüne Oase aus Palmen, Orchideen und Rosen. Sie studiert dann die Kontendeckung, die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben und überlegt, wo ihre weiteren Ziele liegen und welche Kundenlösungen noch zu optimieren sind. Inmitten der Blumen findet sie dann auch kreative und gute Lösungen für ihr eigenes Unternehmen und für ihre Kunden.

Dieser Artikel direkt bei Wiwo.de Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.

Der Mythos vom Superboss

Will der Gründer den „Ein-Mann-Betrieb“ voran bringen, wird er plötzlich selbst zum Chef. Manche Gründungsidee lässt sich gar nicht erst alleine verwirklichen: Die Wahl und Motivation der Mitarbeiter entscheidet maßgeblich über den Erfolg einer Existenzgründung. wiwo.de verrät Gründern, wie sie ihre Mitarbeiter erfolgreich führen.

Vor neun Jahren machte sich Andreas Nold mit zwei weiteren Mitgründern selbständig. Nold hatte zuvor schon einige Jahre eine Firma für Büromöbel geleitet, zuvor in Magdeburg Informatik studiert. Ein Jahr lang suchte das Gründer-Trio eine Marktlücke: Seit dem Jahr 2000 entwickelt seine icubic AG in Magdeburg Software für den elektronischen Handel mit Wertpapieren. Die Idee funktionierte von Anfang an. Schon nach einem halben Jahr hatte Nold so viele Aufträge, dass er einen großen Teil der Arbeit an neue Mitarbeiter delegieren musste.

Die meisten Gründungsprojekte in Deutschland sind eher klein. Die KfW-Bank schätzt, dass rund 74 Prozent aller Gründungen ohne Mitarbeiter erfolgen. Und: Im Durchschnitt beschäftigt jeder Selbstständige nur 0,9 Mitarbeiter.

Viele Gründer könnten sich früh jede Menge administrativen Ärger sparen.“Gerade für organisatorische Abläufe ist es sinnvoll, schon früh neue Mitarbeiter einzustellen“, rät Jürgen Liebig, Geschäftsführer der Basic Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, und jahrelanger Berater von Existenzgründern. „Wenn es darum geht, Stellen zu besetzen ist es ratsam, sich im Bekanntenkreis umzuhören und persönliche Empfehlungen einzuholen.“

Den passenden Mitarbeiter finden

Genau das tat Andreas Nold bei der Einstellung seiner ersten Mitarbeiter. „Wir hatten anfangs ausschließlich Personen aus unserem Bekanntenkreis oder auf persönliche Empfehlungen hin eingestellt. Stellenausschreibungen gab es da erstmal nicht“, so Nold. Die Vorstellungsgespräche führten er und seine beiden Gründungskollegen damals noch selbst- heute haben sie dafür eigene Mitarbeiter. Doch eines gilt für Nold seit den Anfangstagen: „In unserer Branche ist fachliches Wissen sicher entscheidend. Aber soziale Kompetenzen, vor allem Teamfähigkeit, sind unerlässlich.“

Das Geld sitzt Existenzgründern selten locker. Wenn das in unmotivierte Mitarbeiter fließt, ist das fatal.“Zeugnisse sind hier nur Momentaufnahmen“, sagt auch Liebig. „Wirklich entscheidend ist das Vorstellungsgespräch und der persönliche Eindruck.“

Der Gründer muss sich vor dem Vorstellungsgespräch allerdings entscheiden, welche Form von Arbeitsverhältnis er anbieten möchte. Denn ab sofort trägt er eine soziale Verantwortung gegenüber seinem Mitarbeiter. Ob Teilzeitjob, Zeitarbeitsverhältnis oder Vollzeitbeschäftigung : hier entscheidet meist der finanzielle Spielraum des Gründers. Bei den örtlichen Niederlassungen der Handelskammern gibt es viele hilfreiche Tipps zu den unterschiedlichen Formen von Arbeitsverhältnissen. Auch Fragen rund um Versicherung und Gehalt werden hier ausführlich beantwortet.

Hat der Gründer dann den passenden Mitarbeiter gefunden, muss er ihn bei Laune halten. Hierbei sind klare Strukturen im Betrieb unerlässlich, damit der Mitarbeiter seine genauen Aufgaben kennt. Dies beginnt schon bei der Stellenbeschreibung, in der die Aufgaben und die zu vergebene Position klar definiert sein müssen. „Wenn Mitarbeiter spüren, dass sie gebraucht werden, steigert das die Motivation und die Mitarbeiter identifizieren sich mit dem Betrieb“, so der studierte Informatiker Nold, der den kooperativen Führungsstil bevorzugt. „Dann ist es auch entscheidend, den Mitarbeitern zu vertrauen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Fehler zu machen.“

Wirtschaftsprüfer Jürgen Liebig bekräftigt ihn darin: „Um Ziele zu erreichen, müssen Gründer und Mitarbeiter in regelmäßigem Kontakt stehen, “ sagt Liebig. Ein guter Chef nimmt sich Zeit für seine Mitarbeiter. Auch ein paar regelmäßige Rituale und Belohnungen können nicht schaden. Die Mitarbeiter der icubic AG veranstalten etwa jedes Jahr eine Firmen-Weihnachtsfeier, fahren gemeinsam ins Harzgebirge oder gehen auf Firmenkosten gemeinsam Bowling spielen.

Konflikte : sowohl zwischen Chef und Mitarbeiter als auch unter den Mitarbeitern – sollte der Chef so rasch als möglich ansprechen und lösen. Hier muss der Chef konsequent sein. Im Zweifel hilft ein externer Moderator, um festgefahrene Konflikte aufzulösen. Liebig empfiehlt Gründern regelmäßige Beurteilungstermine, etwa jedes halbe Jahr oder einmal pro Jahr, um Probleme anzusprechen oder konstruktive Kritik zu üben.

Feedback sollte immer schnell und in einem Gespräch unter vier Augen erfolgen. Damit es auch richtig beim Mitarbeiter ankommt, muss es sich eine bestimmte Situation oder ein konkretes Projekt beziehen. Konstruktive Kritik muss sich sachlich auf eine bestimmte Handlung beziehen, nie auf die Person selbst. Außerdem muss der Mitarbeiter die Chance bekommen, sich zu der Kritik zu äußern. Viele Gründer scheuen anfangs die Konfrontation, weil sich schlichtweg noch nie in der Situation des Arbeitgebers waren.

Wenn Emotionen bei konstruktiver Kritik außen vor bleiben, kann der Chef die Chance aber auch nutzen, nach der Zufriedenheit des Mitarbeiters zu fragen. Ist ein Ziel oder ein Teilziel erreicht, tut ein einfaches Lob oft wahre Wunder. Dies sollte immer ehrlich gemeint sein. Lobt man zu oft, verliert das Lob schnell an Wirkung.

Der Chef sorgt für eine gute Struktur im Betrieb, so der Idealfall. „Ein Soll/Ist-Vergleich hilft dabei. „Der aktuelle Stand von Projekten muss regelmäßig thematisiert werden“, rät Liebig. „Gründer stellen eine Leitfigur dar. Die Mitarbeiter nehmen ihren Chef als Vorbild : dementsprechend muss er sich auch verhalten und das vorleben, was er von den Mitarbeitern erwartet“.

Bei auftretenden Problemen muss der Gründer Geduld aufbringen und an den Mitarbeiter glauben. Oft wissen unerfahrene Gründer nicht, wie sie mit bestimmten Problemen umgehen müssen, da ihnen die nötige Erfahrung fehlt. Ehrlichkeit hilft hier am ehesten weiter. „Bei einem Stammtisch kann man in lockerer Atmosphäre bei einem Bier hilfreiche Tipps von anderen Gründern einholen“, rät Liebig außerdem.

Dieser Artikel direkt bei Wiwo.de Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.

Wie aus Reisetratsch ein Internet-Unternehmen wurde

Reisen nicht vergessen – mit diesem Motto motiviert Bastian Beyer Urlauber zu persönlichen Reisetipps auf seinem Internetportal triplib.de. Seit Anfang Juni ist die Website am Start, eine Gründungsidee im Zeichen von Community und „Web 2.0.“.

Auf der Online-Landkarte von „Anna8“ steckt nur eine einzige Fahne. Mitten im Herzen Afrikas, in Uganda. „Im Osten von Uganda befinden sich auf dem Mount Elgon die Sipi Falls, drei Wasserfälle. Der Reisende sollte unbedingt ein Päckchen Kaffee vom Mount Elgon mitnehmen – der ist sehr lecker“, beschreibt sie ihren Reisetipp auf triplib.de.

Urlauber geben anderen Urlaubern Tipps: Die Website gleicht einer Ansammlung von Reisetagebüchern. Triplib-Mitglieder können in Reiseberichten schmökern und erhalten dort Tipps für Sehenswürdigkeiten, Bars oder Übernachtungsmöglichkeiten. Fotos aus der ganzen Welt finden sie auf den Seiten anderer Reisender. Auf einer interaktiven Weltkarte sind alle bereisten Länder der Autoren markiert.

Bastian Beyer ist Gründer von triplib.de. Der 33-Jährige arbeitete vor seiner Existenzgründung zwei Jahre lang als Marketing-Manager bei Yahoo. „Ich habe sehr lange überlegt, ob ich mich überhaupt selbstständig machen soll“, so Beyer. „Später habe ich es dann aus dem Bauchgefühl heraus entschieden, denn ich wollte etwas für mich selbst machen.“ Ein Urlaub in Thailand vor zwei Jahren gab den Anstoß. Auf der abgelegenen Insel Ko Yao Noi, die man nur mit einem Fischerboot erreicht, saßen er und ein Freund gerade beim Abendessen am Strand. Bei einer Tom Yum Goong-Suppe, dem Nationalgericht Thailands, überlegten die beiden, wie sie die Erfahrungen ihrer Reise dokumentieren können. Und da kam ihnen die Idee zu triplib.de.

Von der Idee zur Umsetzung

Doch mit einer guten Idee allein lässt sich kein Gewinn erzielen. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit hatte Bastian Beyer einige Hürden zu überwinden. Nach einer ausführlichen Wettbewerbsanalyse erstellte er einen über 50 Seiten langen Businessplan. Vier Monate lang saß er an der Marktanalyse und dem Geschäftsmodell. Er plante zusammen mit drei Steuerberatern für die nächsten drei Jahre und entschied sich, eine GmbH zu gründen. „Es war mir wichtig, dass die Leute Vertrauen in mein Portal haben und eine GmbH ist eine sehr seriöse Rechtsform“, so Beyer. „Immerhin ist es mit einem gewissen Aufwand verbunden, einen Reisebericht online zu stellen und mit der GmbH wollte ich den Nutzern ein gutes Gefühl geben.“ Er legte den Businessplan seiner Bank vor, um ein Darlehen in Höhe von 25.000 Euro zu beantragen. Bayer war sich sicher, mit seinem ausführlichen Businessplan alles richtig gemacht zu haben – doch der Bankberater lehnte den Kredit letztendlich ab. „Wenn sie einen reichen Vater hätten, dann würde ich ihnen den Kredit geben“, war die ernüchternde Antwort des Bankberaters, der den Kredit letztendlich ablehnte.

Doch Bastian Beyer gab nicht auf : und erhielt ungewöhnliche Unterstützung. Seine elf Fußballkollegen, einige von ihnen selbst in Internet-Firmen und in der Finanzwirtschaft beschäftigt, legten zusammen. „Und das nur, weil ich mal beim Kicken von meiner Gründungsidee erzählte“, so Beyer. Zwischen Fußballrasen und Umkleidekabine diskutierten sie die Idee und gaben dann das Startkapital. Die elf Freunde unterstützen ihn aber auch in Marketing, Buchführung und Controlling.

Websites gehen eigentlich nie pünktlich online: Bei triplib.de dauerte es zehn Monate länger als geplant. „Gerade im Online-bereich sollte man sich am Anfang auf die Kernfunktionen beschränken und dann darauf aufbauen“, rät so Beyer anderen Internet-Gründern. „Die Fehlersuche hat mich sehr viel Zeit gekostet.“

Beyers Geduld zahlte sich aus: Seine Ursprungsideen konnte er fast komplett umsetzten. Manche Features, die die Seite noch interessanter machen sollen, werden allerdings erst zukünftig realisiert. So plant Bastian Beyer beispielsweise eine automatische Benachrichtigung per Mail für Freunde, sobald ein neuer Reisebericht geschrieben oder neue Fotos hochgeladen werden.

In der Aufbauphase von triplib.de arbeitete Beyer sieben Tage pro Woche und bis zu zehn Stunden am Tag. Neben seinem Portal arbeitet er außerdem im Onlinebereich für große Unternehmen wie E-Plus oder Lufthansa, um gerade in der schwierigen Anfangsphase der Gründung ein zweites finanzielles Standbein zu haben. Doch sobald triplib.de genug Gewinn erzielt, will sich Beyer nur noch seinem Reiseportal widmen. In einem Gemeinschaftsbüro in München bastelt er an seinem Portal. Hier sitzt er nicht alleine. „Es ist immer gut Leute um sich zu haben, mit denen man sich austauschen kann“, so Beyer. Er spart dadurch Kosten und bündelt Kapazitäten.

triplib.de möchte sich mit Werbung finanzieren, das ist ambitioniert. Die Einnahmen erzielt das Portal aus zielgerichteter Bannerwerbung und Kooperationen mit Reiseanbietern. So werden Reiseanbieter künftig für triplib.de nicht nur auf ihrer Website werben, sondern Urlauber persönlich darauf verweisen, ihre Reiseerfahrungen auf Beyers Website zu dokumentieren. Auch durch Suchmaschinenoptimierung und Gewinnspiele will triplib.de mehr Nutzer auf seine Seite locken.

Innerhalb der ersten drei Monate haben schon 4.500 Menschen die Website genutzt. „Anna8“ hat noch weitere Artikel über Afrika verfasst. „Wir sind mit einem Guide in einem geliehenen Geländewagen auf die Suche nach Tieren gegangen. Nach einer Weile haben wir abgesehen von den unzähligen Gazellen und Warzenschweinen, die aber für Touristen nicht aufregend genug sind, Elefanten, Nilpferde, Krokodile und als ganz besonderes Highlight auch einen Leoparden gesehen“, berichtet sie über eine Safari im Queen Elisabeth Nationalpark im Westen von Uganda. Und sie hat auch schon einige Leser gefunden: Der Tipp mit dem leckeren Kaffee aus Uganda wurde bereits 177 Mal gelesen.

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Kostenlose Software für Existenzgründer

Softwarelizenzen sind ein wichtiger Kostenfaktor gerade für Existenzgründer. Dabei kann hier dank „Open Source“, übersetzt: „freier Code“, viel Geld gespart werden. In vielen Bereichen gibt es sehr gute kostenlose Software. wiwo.de gibt einen Überblick über den Einsatz von Open-Source-Programmen.

Hitflip.de hilft beim Tauschen von Produkten und Dienstleistungen im Internet: Nutzer melden Tauschobjekte an. Werden sie von anderen für gut befunden und angefordert werden, erhalten sie einen virtuellen Geldbetrag. Diesen können sie dann gegen andere Hitflip-Objekte eintauschen. Vor etwa drei Jahren entstand diese Idee: Drei Doktoranden an der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Vallendar bei Koblenz machten hier ihr eigenes Problem zu einer Gründungsidee. Mit eigener Entwicklungskompetenz wollte das junge Unternehmen an einer Stelle möglichst wenig Geld ausgeben: für die Software der Plattform und der eigenen Computer. Von Anfang an setzte das junge Unternehmen also auf kostenlose Software.

Offenheit und Veränderbarkeit des Quellcodes spielen für den Normalanwender nur eine untergeordnete Rolle bei der Auswahl von Open-Source-Software, der Software beispielsweise unter der General Public License (GPL): Vor allem die fehlenden Lizenzgebühren – die für die Benutzung „unfreier“ Software beim Kauf anfallen – sind reizvoll. 15.000 bis 20.000 Euro alleine an Lizenzgebühren, schätzt Jan Miczaika, Geschäftsführer und Gründer von Hitflip.de, spart das Unternehmen durch den Einsatz der kostenlosen Software. „Neben den gesparten Lizenzkosten ist auch der Verwaltungsaufwand deutlich geringer. Wir müssen nicht mit einem komplizierten Modell Lizenzen nachhalten.“ Im Unternehmen laufen die Rechner der 30 Mitarbeiter mit dem Betriebssystem Windows. Ansonsten ist fast alles Open Source: Von der Textverarbeitung bis hin zur Software zur Steuerung von Kundenanfragen.

Für fast jeden Anwendungsbereich gibt es ausgereifte Programme

Für fast jeden Anwendungsbereich gibt es mittlerweile ausgereifte Programme. Dazu gehört beispielsweise der Internetbrowser Firefox, der eine Weiterentwicklung des früher sehr beliebten Netscape Navigators ist, dieses Mal aber offen zugänglich für eine Programmierercommunity. Gerade hier zeigt sich, dass Open-Source-Projekte sogar die Entwicklung vorantreiben können: Firefox hat von derProgramminnovation her den Microsoft Internet Explorer, der ebenfalls kostenlos erhältlich ist, deutlich überholt. Weitere Programme, die frei erhältlich sind:

  • OpenOffice: OpenOffice geht in seiner Historie auf das deutsche Programme StarOffice zurück. Das Open-Source-Projekt ist mittlerweile in der Version 3.0. erhältlich : und bietet alles, was das Herz in Bezug auf eine Office-Suite begehrt: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation. Die Bedienung ist seht gut: In vielen Punkten ist die Organisation der Menüs sogar deutlich intuitiver als beim Konkurrenten MS Office. Seit Version 3.0. ist OpenOffice übrigens auch gut für den Mac-Anwender gut zu benutzen. http://de.openoffice.org/
  • Thunderbird: Wie Firefox gehört die E-Mail-Software Thunderbird ebenfalls zum Mozilla-Projekt. E-Mails sind eben nicht nur MS Outlook. Von der Handhabung her sind Thunderbird und Outlook nicht zu vergleichen, viele Dinge funktionieren anders. Über so genannte Add-Ons kann die Software erweitert werden, beispielsweise ist mit „Ligthning“ ein Terminmanagement möglich: http://www.mozilla-europe.org/de/products/thunderbird/
  • Gimp: Im Bereich Bildbearbeitungssoftware ist unter Profis Adobe Photoshop Standard. Gimp versucht sich hier als freie Alternative, kann auch einen beachtlichen Leistungsumfang vorweisen. Gerade bei nur gelegentlicher Anwendung ist Gimp aber auch für nur Gelegenheitsnutzer ein Problem, da die Bedienung doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Und die Konkurrenz an bezahlpflichtigen Angeboten ist auch nicht so sonderlich teuer. Http://www.gimp.org
  • PDFCreator: Ein PDF erstellen, völlig kostenlos. In OpenOffice geht es das einfach mit einem Button und schon ist jedes Dokument auch ein PDF. Der PDFCreator ermöglicht das auch mit anderen Dateien. http://www.pdfforge.org
  • TrueCrypt: Die Verschlüsselung sensibler Daten ist oftmals sehr wichtig. TrueCrypt bietet hier als Open-Source-Software leistungsstarke Verschlüsselungsverfahren und eine einfache Handhabung. http://www.truecrypt.org
  • FreeMind: Wer gerne mit Mindmaps arbeitet, findet mit FreeMind eine kostenlose Möglichkeit dazu. Grundlage dafür ist die installierte JavaRuntime-Routine. Wer viel mit Mindmaps arbeiten möchte, sollte aber doch lieber eine kostenpflichtige Alternative wählen. http://freemind.sourceforge.net
  • Hisbiscus: Die freie Online-Banking-Software, mittlerweile in der Version 1.8., versteht einige gängige Verifizierungsverfahren wie HBCI und iTan. Sie ist gut zu bedienen. http://www.willuhn.de/projects/hibiscus/

Hitflip.de – die Kölner Firma setzt stark auf den Einsatz von Open-Source-Software Bild vergrößern Hitflip.de – die Kölner Firma setzt stark auf den Einsatz von Open-Source-Software

Jan Miczaika setzt in seinem Unternehmen Thunderbird, Firefox, OpenOffice und das OTRS-Ticketsystem (http://www.otrs.org) für die Bearbeitung von Kundenanfragen ein. „Gimp hat mich nicht überzeugt“, sagt er aber auch. Dort setzt das Unternehmen weiterhin auf die sehr teure Lizenz von Adobe Photoshop. Unüberlegt installierte der Gründer die kostenlose Software sowieso nicht: „Wir haben OpenOffice testweise eingesetzt und festgestellt, dass alle Mitarbeiter sich sehr schnell darauf umstellen können“, erzählt er.

Und manchmal muss man natürlich auch etwas tricksen: „Würden wir zum Beispiel Outlook verwenden, dann käme zu den Lizenzen noch einmal ein spezieller Mailserver hinzu“, erklärt der Hitflip.de-Gründer. “ Den müssten wir auch noch administrieren.“ Um die Funktionalität von Outlook aber dennoch nachzustellen, setzt Miczaika auf eine Mischung aus Hosting : für 15 Euro im Monat werden alle E-Mail-Konten online verwaltet – und dem Google Kalender (http://www.google.com/calendar/).

In ihren eigenen Accounts schreiben dort alle Mitarbeiter ihre Termine hinein und schalten die anderen Mitarbeiter frei. Bei Hitflip.de kein Problem: Komplizierte Einsichtrechte sind hier nicht nötig, im Zweifel steht im Kalender einfach ein „Beschäftigt“, wenn der Anlass des Termins nicht jeden zu interessieren hat. Für größere Unternehmen ist das sicherlich nicht so einfach zu bewerkstelligen.

„Bei Online-Bankgeschäften würde ich eher nicht auf OpenSource setzen“, wiegelt der Geschäftsführer zusätzlich ab. „Zwar kann jeder den Code kontrollieren, aber ich weiß nicht, ob es tatsächlich jemand gemacht hat. Hier würde ich auf professionelle Software setzen.“ Generell gibt es bei freier Buchhaltungssoftware das Schnittstellenproblem: Steuerberater setzen auf DATEV und dieses Format darf nicht frei verwendet werden.

Noch mehr Kostenersparnis ergibt sich für Hitflip.de durch die eigene Plattform im Internet: Hier läuft alles auf Open-Source-Basis: Vom Server über die Programmiersprachen bis hin zu den Datenbanken. Lizenzsoftware kommt hier für das Unternehmen auf lange Sicht nicht in Frage, zumal auch weltweit agierende Websites wie etwa Facebook mit ähnlicher Serverkonstellation äußerst erfolgreich arbeiten. Im Gegenteil: Hitflip.de erweitert sogar eigenständig diese Plattformen und gibt so mittlerweile Entwicklungsarbeit an die Community zurück, stellt es selbst frei zur Verfügung. Das Tauschen von Dienstleisungen, das Geschäftsmodell von Hitflip.de also, sozusagen in ganzheitlicher Vollendung auch in Bezug auf das eigene Unternehmen.

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Darauf sollten Sie bei der Eröffnung eines Geschäftskontos achten

Der Preis spielt beim Geschäftskonto für Existenzgründer nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist die exakte Trennung zwischen Beruflichem und Privatem. Wir haben die wichtigsten Tipps rund um die Wahl und Eröffnung der eigenen Bankverbindung zusammengetragen.

  • Privates Girokonto: Für viele Selbstständige gibt es eine Alternative zum Geschäftskonto, nämlich ein weiteres privates Girokonto. Hier sind oft auch die Konditionen besser.
  • Trennung: Geschäftliche und private Transaktionen sollten getrennt werden. Damit hält der Existenzgründer auch formal Überblick über seine Konditionen und schärft seinen Blick für private und berufliche Einnahmen und Ausgaben.
  • Die Banken bieten oftmals unterschiedliche Girokonten mit unterschiedlichen Gebühren an. Kontoführungsgebühren, Kosten für beleghafte und beleglose Buchungen und die Gebühr für Maestro- und Kreditkarten sind nur einige Beispiele. Als Existenzgründer sollte man ein möglichst einfaches Modell wählen – also eines, bei dem möglichst viele Kosten pauschal abgegolten sind.
  • Unterlagen: Der Personalausweis und eine Gewerbeanmeldung, ein Handelregisterauszug bzw. ein Registerauszug von GmbH in Gründung reichen für die reine Eröffnung eines Geschäftskontos. Da aber der Bankberater generell als konstruktiver Begleiter der eigenen Geschäftsidee betrachtet werden sollte, sollte auch der Businessplan nicht fehlen. Zur Einräumung eines Überziehungskredits ist er obligatorisch. Auch eine betriebswirtschaftliche Auswertung sollte dann mitgebracht werden.
  • Wahl der Filiale: Existenzgründer sollten sich an Filialen der gewählten Bank wenden, die sich mit Existenzgründern auskennen. Im Zweifel müssen sie nachfragen, ob es Spezialisten für Geschäftskunden vor Ort gibt.
  • Vor-Ort-Service: In der Regel ist der persönliche Kontakt mit dem Bankberater vor Ort besser als die anonyme Hotline. Der Berater kann dann in guten und in schlechten Zeiten direkt kontaktiert werden und er kennt die Chancen und Probleme des eigenen Unternehmens.
  • Überziehungsrahmen: Existenzgründer sollten zunächst ein Guthabenkonto führen und dem Aufbau des Geschäftsverhältnisses mit der Bank ein paar Jahre Zeit geben. Zwei Jahre sind hier die Regel.
  • Kontakt pflegen: Ein regelmäßiges Gespräch und die Übersendung von Auswertungen, pflegen das Verhältnis zum Bankberater. Transparenz ist das oberste Gebot für ein gutes Verhältnis. Existenzgründer sollten nicht falsche Dinge behaupten.
  • Rating erfragen: Interessant ist es für den Existenzgründer, die eigene Risikoklasseneinordnung zu erfahren, denn eine schlechte Einordnung erschwert die Aufnahme von Krediten in späteren Jahren ungemein.

Dieser Artikel direkt bei Wiwo.de Für WirtschaftsWoche.de hat Jörg Stroisch im Redaktionsdienst gearbeitet – und verfasst verschiedene Wirtschaftsartikel.