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Wellness im Urlaub

Wohlfühlen im Urlaub mit Wellness-Anwendungen: Immer mehr Reisende wollen auch etwas für ihre Gesundheit machen. Die richtigen Hotels mit den guten Anwendungen erkennt der Urlauber dabei am Zertifikat.

Etwa 500 Einrichtungen werben in Deutschland nach Schätzung des Deutschen Wellness Verbandes (DWV) mit dem „Wellness“-Aspekt. „Die Urlauber mögen dabei besonders die ganz klassischen Anwendungen wie etwa Massage“, sagt Hildegard Dorn-Petersen vom DWV. „80 Prozent des Erfolgs macht dabei im Wellnessurlaub der Therapeut aus.“ Nicht für jeden ist jede Behandlung etwas. „Deshalb ist es in guten Einrichtungen ein absolutes Muss, den Besucher vor der Behandlungen zu seiner Gesundheit zu befragen“, kommentiert Dorn-Petersen. „Dies gilt besonders für den Bereich Medical Wellness, der zur Zeit in aller Munde ist. In diesem Falle sollte auch immer ein Mediziner vor Ort sein.“

Qualitätssiegel für Wellness

Qualitätssiegel wie etwa die Prädikate des DWV garantieren dabei je nach Einordnung einen hohen Standard des Hotels. In Bayern gibt es noch das regionale Siegel WellVital. Ein gutes Siegel sollte dabei nicht nur die Einrichtung an sich kategorisieren und Hardware-Faktoren wie die Quadratmeter eines Pools oder die Anzahl der Saunen erfassen, sondern auch die Qualifikation nach Aus- und Weiterbildung der Therapeuten neutral untersuchen. „Falsch angewandt wirkt sich manche Wellnessanwendung nämlich schlecht für die Gesundheit aus“, warnt Wellnessexpertin Dorn-Petersen. Und dann bringt die ausgedehnte Saunalandschaft für den Wellnessaspekt gar nichts mehr.

Kosten überschaubar

Ein Wellnessurlaub muss dabei nicht unbedingt teuer sein. Als Faustregel gilt: Jede Minute „normale“ Anwendung sollte nicht mehr als einen Euro kosten. Gute Einrichtungen informieren beim Anruf ausführlich über die angebotenen Anwendungen. Da kann dann auch gleich geklärt werden, ob für den Urlaub überhaupt noch Anwendungsplätze frei sind. Vermeintliche „Alleskönner“ sollten dabei besonders kritisch unter die Lupe genommen werden. Gute Wellness-Arrangements mit einigen Anwendungen im Paket gibt es im Schnitt für etwa hundert Euro am Tag (pro Person).

Interessant: Einige Krankenkassen geben Zuschüsse für bestimmte Einrichtungen, nachfragen lohnt sich also. Dorn-Petersen: „Wer dann im Wellness-Urlaub in Maßen und ohne Stress genießt, der geht dann wirklich entspannt zurück in den Alltag.“

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Teuer, aber sinnlos

Versicherer sind sehr fantasievoll, wenn es um die Prämien ihrer Kunden geht. Ihre Angebote klingen verführerisch – und sind oft völlig unnötig.

Verheiratete Leser oder solche, die Freunde kurz vor deren Hochzeit erlebt haben, dürften das Gefühl ziemlich genau kennen:Der schönste Tag des Lebens – das behaupten zumindest alle – rückt näher, das Brautpaar selbst wird aber mit jedem Tag nervöser, statt in Vorfreude zu schwelgen. Tausend Dinge sind noch zu erledigen. Was, wenn etwas schiefgeht? Auf gar keinen Fall darf die Traumparty ins Wasser fallen!

Wie gut, dass es in einer solchen Situation Versicherungen gibt, die sich der Brautleute beruhigend annehmen. Die Hanse-Merkur beispielsweise, die zwischen 47 und 510 Euro für ihre Dienste verlangt, oder die Helvetia, die ab 239 Euro kostet. Für dieses Sümmchen verkaufen sie eine Hochzeitsversicherung, die den großen Tag gegen fast alle erdenklichen Unglücksfälle absichert. Die Helfer zahlen zum Beispiel, wenn die Trauung platzt, wenn der Bräutigam einen Blinddarmdurchbruch hat oder die Braut einen verknacksten Fuß. Je nach Prämie erhält das Paar in einem solchen Fall zwischen 2500 und 25.000 Euro.

Solche Policen sind nicht nur skurril, sondern auch ziemlich unnötig. Das Risiko, dass die beschriebenen Unfälle ausgerechnet kurz vor der Hochzeit passieren, ist doch sehr gering. Und wenn wirklich der schlimmste aller Fälle eintreten sollte und Braut oder Bräutigam im letzten Moment einen Rückzieher machen, hat der sitzengelassene Partner sowieso das Nachsehen. Auch finanziell. Denn so was zahlt bislang keine Versicherung.

Ähnlich unnötig und ein wenig absurd ist die Knöllchenversicherung. „Die brauche ich auch. Hatte da gerade ein Erlebnis an einer Baustelle in Köln. Aber wahrscheinlich zahlt die ja nicht rückwirkend“, scherzt Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten.

Kein Scherz: Vor etwa zweieinhalb Jahren ging ein solches Angebot der Supergau Consulting AG aus Liechtenstein durch alle Medien. Besitzer der „Supergau Crazy Card“ erhielten die Kosten für Radarstrafen erstattet – aber nur unter so strengen Bedingungen, dass sich die Police kaum lohnte. Ohnehin hatten die Karteninhaber nicht lange Freude daran. Verkauf und Vertrieb der Karte wurde vom Liechtensteiner Amt für Volkswirtschaft untersagt.

Andere Policen sind weniger skurril. Doch auch sie bringen den Versicherten kaum etwas, erhöhen aber natürlich die Provision der Versicherungsvertreter und die Margen der Versicherungsgesellschaften. Sieben Beispiele:

  • Die Insassenunfallversicherung: Sie bringt dem normalen Autofahrer gar nichts. Denn Fahrer und Mitfahrer sind mit einer eigenen Unfallversicherung immer besser bedient. Zusätzlich sichert sie die Kfz-Haftpflicht gegen durch den Fahrer verursachte Schäden. Blunck: „Am 30.11. ist der Stichtag für den Wechsel der Kfz-Versicherung. Da wird die Insassenunfallversicherung gerne angeboten, sie ist allerdings unnötig.“
  • Die Glasbruchversicherung: Sie wird gerne als Ergänzung zur Hausratversicherung angeboten, ist aber nicht nötig. Denn ein gebrochenes Fenster kostet zwar Geld, ist aber längst nicht so teuer, dass es die finanzielle Existenz raubt. Besser ist es, die Prämien zu sparen, und im Schadensfall selbst zu zahlen.
  • Die Reisegepäckversicherung: Sie zahlt nur im Extremfall, nämlich „wenn man sich den Koffer um den Hals bindet, sich gleichzeitig draufsetzt oder eine Hand drauf hält und der Koffer dann gestohlen wird“, beschreibt Versicherungsfachfrau Blunck. „Ich wollte mal bei einer Versicherungsgesellschaft nachfragen, ob es auch in Ordnung ist, wenn der Hund auf dem Koffer sitzt. Aber wahrscheinlich funktioniert das in meinem Fall nicht. Mein Labrador ist ziemlich friedfertig.“
  • Die Kapitallebensversicherung: Ein berühmt-berüchtigte Versicherung ist die Kapitallebensversicherung, nach Zahlen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft mit etwa 42 Millionen Verträgen ein beliebtes Produkt der Branche. Lilo Blunck hat dazu eine eindeutige Meinung: „Die Kapitallebensversicherung ist intransparent. Sie koppelt eine zu niedrige Leistung im Todesfall zu teuer mit einem Ansparziel. Besser ist es, Anspar- und Versicherungsziele getrennt zu verfolgen.“
  • Die Sterbegeldversicherung: Sie floriert vor allem im Herbst. Blunck: „Gerade um Allerheiligen und den Volkstrauertag herum bedrängen einige Versicherungsvertreter in unangenehmer Weise alte Menschen, eine Sterbegeldversicherung abzuschließen, damit sie nicht mit ihrem Tod Kinder oder Enkelkinder belasten würden.“ Besser wäre es, das Geld auf dem Sparbuch anzulegen oder zu lassen.
  • Die Restschuldversicherung: Sie wird gerne bei Ratenkrediten angeboten, mit denen beispielsweise Haushaltsgeräte finanziert werden, Waschmaschinen oder Ähnliches. Auch von ihnen rät Blunck ab: „Sie sind meist eine unnötige Geldausgabe. Nur bei einer langjährigen und teuren Baufinanzierung machen sie Sinn.“ Genauso unnötig sind Arbeitslosen- oder Arbeitsunfähigkeitsversicherungen, die ebenfalls häufig zusammen mit Ratenkrediten verkauft werden.
  • Die ambulante Krankenzusatzversicherung: Sie leistet als Ergänzungsversicherung für die Leistungen beim Arzt, Heilpraktiker oder Therapeuten. Blunck: „Nur in Ausnahmefällen – wenn etwa Wert auf die Bezahlung des Heilpraktikers gelegt wird – macht die Krankenzusatzversicherung für ambulante Leistungen Sinn.“


Natürlich gibt es auch Versicherungen, zu denen die Verbraucherschützer dringend raten. Wer nicht genau weiß, ob er (oder sie) eine Police wirklich braucht, sollte sich folgende Richtschnur zu Herzen nehmen: Existenzielle Risiken, die im Schadensfall den finanziellen Ruin bedeuten, müssen versichert werden. Nötig sind demnach eine Krankenversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Haftpflichtversicherung.

Zusätzlich empfehlen Verbraucherschützer, sich gegen Unfälle abzusichern. Familien mit Kindern und hohen Kreditschulden sollten daneben eine Risikolebensversicherung abschließen, Immobilieneigentümer die Wohngebäudeversicherung. Bei teurem Inventar kommt eventuell auch eine Hausratversicherung in Betracht. Nicht alle andere Versicherungen sind absolut sinnlos. Aber vor ihnen sollten immer diese existenziell notwendigen Versicherungen abgeschlossen werden.

Eines aber darf man nicht vergessen: Nicht jedes Risiko lässt sich versichern. Wie jenes, dass die Braut doch plötzlich „Nein“ sagt. 

Link-/Literaturtipps:
Gut und günstig versichert (PDF): Der Bund der Versicherten bietet eine kleine, kostenlose Broschüre, welche kurz und knapp über wichtige und unnötige Versicherungen informiert.

Ratgeber: Richtig gut versichert: Ein richtig guter Ratgeber der Zeitschrift Finanztest ist „Richtig gut versichert“ für 12,90 Euro zuzüglich Versandkosten.

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Alleine auf Reisen

Ab in den Urlaub: Aber schon wieder alleine? Wer alleine ist, muss noch lange nicht einsam reisen. Viele Tipps für den interessanten Urlaub gibt es sowieso, auch spezielle Reiseveranstalter werben um die attraktive Zielgruppe.

Die Singles haben besonders hohe Ansprüche an den Reiseveranstalter. Denn: Sie wollen sich im Urlaub nicht einsam fühlen. 7,5 Millionen Trips für Alleinreisende zählt die Reiseanalyse 2006 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR). „Eine echte Singlereise achtet vor allem auf eines: Ein ausgelichenes Geschlechterverhältnis“, sagt Michael Kloss, Pressesprecher der Singlebörse Datingcafe.de: Da Frauen in der Tendenz viel früher eine solche Reise buchen als Männer, ist das gar nicht so einfach. Außerdem: Frauen suchen den Kontakt zu Gleichgesinnten, Männer rechnen sich eher das Potenzial für eine Partnerschaft aus. So sind die Frauenplätze einer Singlereise in der Regel viel schneller ausgebucht. Singlereiseveranstalter verstehen sich dabei ausdrücklich nicht als Kuppler. Beispiel datingcafe.de: „Unsere Reiseleitung soll ein bisschen für eine gute Atmosphäre sorgen, Angebote schaffen“, beschreibt Kloss. „Auf Krampf verbandeln wir aber niemanden.“ Aber trotzdem wird auch auf eine ausgeglichene Altersstruktur geachtet. Der Vorteil an speziellen Singlereisen ist also, das alles optimal organisiert ist.

Teure Sonderregelungen

Abgesondert am eigenen Abendtisch, das Einzelzimmer direkt neben dem Aufzug, oder ansonsten deftige Aufpreise für das nur vorhandene Doppelzimmer: Das Alleinreisen kann richtig teuer und ungemütlich werden. Kloss beschreibt: „Das unterscheidet eine echte Singlereise von den Angeboten der großen Reisekonzerne, die sich nur insofern von einer normalen Reise unterscheiden, als dass man ein Einzelzimmer bucht.“ Ein anderer Tipp: Besonders kommunikativ ist gerade die Low-Cost-Form der Übernachtung: Im Mehrbettzimmer einer Jugendherberge findet sich häufig ein Gleichgesinnter für die kommenden Tage. Aber das ist nicht für jeden etwas, obwohl viele Jugendherbergen schon lange einen hohen Standard bieten.

Alleine Reisen als Alternative

Eine Alternative ist natürlich auch der Alleinreisetrip: Wer aber komplett alleine reist, ist auch komplett auf sich selbst gestellt. Deshalb gelten bestimmte Allgemeinregeln für Reisen auch verstärkt. Wer vor Ort keinerlei Halt hat, etwa nach dem Raub der kompletten Reisekasse, ist wirklich arm dran. Verschiedene Aufbewahrungsorte fürs Geld, genaue Informationen über die Person, Angehörige und Krankheiten direkt am Leib sind deshalb gerade für Alleinreisende absolute Pflicht.

Fazit: Für Singles gibt es auch beim organisierten Reiseveranstalter reichlich gute Angebote. Alternativ ist die Suche nach kommunikativen Unterkünften ein Tipp gegen das Alleinesein im Urlaub.

Surftipp:
Singlebörsen-Vergleich.de: Wer einen guten Überblick über Veranstalter von speziellen Singlereisen sucht, ist hier an der richten Webadresse.

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Einmal um die Welt

Mit dem vollen Rucksack im Flugzeug. Das Round-the-World-Ticket macht die individuelle Weltreise ab etwa 1.500 Euro möglich. Besonders Studenten profitieren von speziellen Rabatten. Tipps rund um die Globusreise.

Flugallianzen bieten spezielle Tickets

Die Flugallianzen One World : dazu gehören beispielsweise Qantas und British Airways – oder Star Alliance – unter anderem Lufthansa – stellen unterschiedliche Anforderungen an die Routenplanung. So gibt es bei den Round-The-World-Tarifen von Star Alliance drei Serviceklassen und drei Entfernungstarife – 29.000,34.000 oder 39.000 Flugmeilen müssen als Maximum vorab festgelegt werden.

Wichtig dabei: Es zählt dabei nicht nur die mit dem Flugzeug zurückgelegte Entfernung, sondern auch der Landweg. One World unterscheidet zwischen dem Globe Explorer mit unterschiedlichen Meilentarifen (26.000, 29.000, 34.000 und 29.000) und dem One World Explorer, der auf 20 Flüge begrenzt ist.

Grundbedingungen aller Tickets ist: Der Flug beginnt und endet im Heimatland. Michael Buschek, Reiseexperte vom Round-the-World-Spezialisten STA Travel: „Etwa ein halbes Jahr Vorbereitungszeit muss sowieso eingeplant werden, weil für viele Länder auch ein Einreisevisum beantragt werden muss.“ Wichtig auch: Für viele Länder gibt es Impfempfehlungen.

Geld und Absicherung

Michael Buschek: „Ein wichter Punkt für junge Leute, die ein halbes Jahr oder länger unterwegs sein wollen, ist natürlich das Reisebudget. Es gibt Länder, in die sehr kostengünstig verreist werden kann, beispielsweise der gesamte südostasiatische Raum.“ Andere Ziele : wie Australien – sind bedeutend teurer. „Hier können sich junge Leute aber auch mit einem ‚Work & Travel Visum‘ und dem passenden Job die Urlaubskasse aufbessern“, so Buschek. Geld sollte dabei in unterschiedlichen Formen mitgenommen werden.

Absolut notwendig ist eine gute Auslandskrankenversicherung. Die bekannten Günstigpakete sind hier nicht möglich, da sie nur für einen Reisezeitraum von bis zu acht Wochen gültig sind. Ansonsten sollte eine Haftpflichtversicherung und eventuell eine Unfallversicherung abgeschlossen werden: Gerade Studenten sind hier aber häufig über die Eltern kostenlos mitversichert, da muss bei der Versicherung noch einmal nachgefragt werden. Fast immer völlig unnötig ist übrigens die Reisegepäckversicherung, da sie nur in seltenen Fällen tatsächlich für Schaden zahlt. Dieses Geld ist dann in der Reisekasse besser aufgehoben.

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Teure Verlockung

Alles wird teurer, erst recht, wenn die Mehrwertsteuer erhöht wird – sagen die Banken und werben für ihre Kredite. Doch es ist nicht wirklich klug, größere Käufe auf Pump vorzuziehen.

„Mehrwertsteuererhöhung“ prangt es dick auf dem Werbeplakat einer Bank. „Wer jetzt nicht kauft, ist selber schuld“ – denn ab 2007 wird ja alles teurer. Mit diesem Argument versuchen derzeit viele Geldhäuser, ihre Kredite unters Volk zu bringen. Die Logik: Lieber schnell einen günstigen Kredit aufnehmen und das Auto, die Küche oder die Waschmaschine noch im Jahr 2006 kaufen als nach dem ersten Januar 2007, wenn alles um drei Prozent teurer geworden ist. Ein lohnendes Geschäft für die Geldhäuser. Doch für die Kunden geht dieses Kalkül nicht immer auf.

Das Geschäft der Banken mit den schnellen Krediten läuft gut. Insgesamt hatten sie im Juni 2006 Konsumentenkredite in Höhe von 231,3 Milliarden Euro vergeben, zählte die Deutsche Bundesbank. Gemessen an der Bilanzsumme der Finanzhäuser ist das eher niedrig, denn der Anteil der kleinen Kredite daran beträgt nur etwa drei Prozent. Doch die Banken verdienen damit gut: Die Kredite gelten als echter Renditebringer, sie sind verhältnismäßig unkompliziert und bieten eine sehr gute Zinsmarge.

Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer ist für die Geldhäuser ein willkommener Anlass, noch mehr Kunden für ihre schnellen Kredite zu ködern – so beispielsweise für die Norisbank oder die Dresdner Bank, die ihre Werbekampagne auch gleich noch mit einer Studie flankiert: Jeder fünfte Deutsche, so das Ergebnis, plane den Vorzug privater Investitionen wegen der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung. Der „Autokauf ist Favorit“, findet die Bank heraus, 32 Prozent der „Vorzugswilligen“ gaben als Ausgabeziel den eigenen Wagen an.

Das derzeitige Zinsniveau liefert den Kredithäusern zusätzliche Argumente. Denn auch nach der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank bleiben Kredit- und Sparzinsen auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nicht selten lockt die Werbung der Banken deshalb mit Ratenkreditzinsen unter vier Prozent.

In Wahrheit erhält längst nicht jeder die versprochenen günstigen Konditionen. Zum Beispiel Michael Schultheiß, freiberuflicher Webentwickler. Er wollte sich einen Gebrauchtwagen kaufen und bekam in der Filiale eines Automobilklubs das passende Kreditangebot gleich dazu: Von einer Autobank, zu vermeintlich günstigen Konditionen. Doch die Bank ließ sich nicht auf die gewünschten Bedingungen ein. Er musste eine längere Laufzeit akzeptieren und vorab eine Anzahlung leisten.

Auch die Werbung der Norisbank erweist sich beim näheren Hinsehen als problematisch. Im Internet verlinkt sie direkt auf den Minirechner, mit dem der Kunde die Konditionen des angebotenen Kredits ermitteln kann. Hier sind die Punkte „Ihre monatlichen Ausgaben“ und „Ihre monatlichen Einnahmen“ einfach übersprungen worden und auch nicht mehr anklickbar – so kann kaum seriös berechnet werden, ob der Interessent die Raten zahlen kann.

„Die Banken werben mit attraktiven Kreditkonditionen. Im Kleingedruckten steht dann: bonitätsabhängig“, kommentiert Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Konkret bedeutet das: Für Selbstständige wie Schultheiß ist ein Ratenkredit oft gar nicht möglich. Andere müssen ihn wesentlich teurer bezahlen als die Werbung versprach. „Aus den angebotenen 4,5 Prozent kann im konkreten Angebot plötzlich eine Rate von 12,5 Prozent werden“ – ein nahezu dreimal so hoher Zins. Laags Tipp: „Der Verbraucher sollte sich deshalb von den Werbeangeboten nicht zu sehr verlocken lassen und das konkrete Angebot kritisch studieren.“

Doch die Verbraucherschützerin kritisiert nicht nur die undurchsichtigen Konditionen der Kleinkredite. „Grundsätzlich ist es problematisch, wenn mit dem Mehrwertsteuerargument oder zu anderen Anlässen ein Bedarf geweckt wird, der zuvor nicht bestand“, sagt sie. Wer der Werbung unbedacht folgt, laufe Gefahr, in die Schuldenfalle zu geraten.

Dagegen kann Omas Haushaltsbuch helfen, auch wenn eine solche private Auflistung der Einnahmen und Ausgaben etwas verstaubt wirkt. Aber das Buch mit den Quittungen und näheren Angaben zur Verwendung der Ausgaben gibt einen vorzüglichen Überblick darüber, wie es um die Haushaltskasse tatsächlich bestellt ist. Wer mit dem Gedanken spielt, ein Darlehen aufzunehmen, kann den Ratenbetrag auch zunächst einige Zeit beiseite legen. Gerät das Girokonto dann in den Dispo, dann ist die Rate auf jeden Fall zu hoch.

„Der Verbraucher sollte sehr kritisch prüfen, ob die Anschaffung überhaupt, in der Größenordnung oder zu diesem Zeitpunkt notwendig ist“, rät Laag. „Anstelle eines teuren Neuwagens reicht vielleicht auch ein günstiger Gebrauchtwagen. Niemals sollte bei einem Ratenkredit auch die Rücklage für weitere Nebenkosten wie etwa Reparatur vergessen werden.“ Außerdem gilt: Der Kredit für den Kauf eines Gutes sollte höchstens über zwei Drittel seiner Lebensdauer laufen.

Wer wirklich einen Kredit benötigt und eine Rate erübrigen kann, sollte die verfügbaren Angebote dann genau prüfen. Denn die Kriterien der Banken für die Bonitätsprüfung und die Zinshöhe sind alles andere als transparent. Wer für sich ein wirklich günstiges Angebot finden möchte, sollte mehrere unverbindliche Kreditangebote einholen. Dadurch wird es zumindest ein wenig einfacher, Konditionen zu vergleichen, denn solche unverbindlichen Anfragen gibt die Kreditauskunft Schufa nicht an andere Banken weiter. Anders verhält es sich bei verbindlichen Kreditangeboten: Hier können die Banken genau sehen, wie häufig der mögliche Kunde bei Wettbewerbern nachgefragt hat – und lehnen deshalb möglicherweise ein eigenes Angebot ab.

Michael Schultheiß machte im Verlauf des Kredits noch Erfahrungen mit einer dritten Institution: der Kreditabsicherung gegen Arbeitslosigkeit. Die Versicherung hatte er ebenfalls abgeschlossen. Verbraucherschützer kritisieren eine solche Police oft, denn viele Banken verkaufen sie standardmäßig, unabhängig davon, ob der Kunde sie wirklich braucht – und bezahlen kann. Die Folge: Kredite werden unnötig verteuert.

Für Michael Schultheiß hat sich die Police jedoch gelohnt. Zwischenzeitlich verlor er seinen Job, vier Monate war er arbeitslos gemeldet. „Das war ziemlich kompliziert. Ich musste jede Menge Unterlagen einreichen.“ Die Genehmigung dauerte fast die komplette Dauer seiner Arbeitslosigkeit. Probleme macht ihm seitdem der Kredit keine mehr. Die Raten kann er alle gut bezahlen.

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Tränen im Senf

Berend und rührt dabei mit einem riesigen Holzlöffel in dem Bottich herum, hebt immer wieder die schwarz-gelbe Masse an. „Je mehr ich rühre, desto besser wird er.“ Groningen im Nordosten der Niederlande ist bekannt für diesen groben Delikatessensenf. Und auch für die quirlige Innenstadt mit Kunst und Kneipen.

Der Dieselmotor rattert laut. An einem langen Riemen dreht die Kurbel den Sandstein unaufhaltsam. Immer feiner wird das Korn. Berend van der Veen kippt die Senfkörner aus großen Tüten hinein. Die Senffabrik Abrahams Mosterd Makerij in Eenrum ist traditionell: Der Senf ist grob, die schwarzen und gelben Körner sind sichtbar. In den Geschmacksrichtungen normal, Honig und Knoblauch gibt es ihn hier. Groningen ist bekannt für seinen Grobsenf. Van der Veen reibt die Körner in der Hand, leicht fettig ist das gelb-grüne Korn. „Aber das schwarze Korn ist die schwarze Seele des Senfs“, sagt Berend. Es ist sehr scharf, ätherische Öle werden schon beim bloßen Reiben freigesetzt. Die Senfkörner kamen dabei früher aus dem Norden Hollands. Essig ist die zweite wichtige Substanz, dazu Wasser, Salz und Kräuter. Natürlich ist die korrekte Kombination ein Geheimrezept. In einem riesigen Bottich aus Holz wird alles zusammen geschüttet. 72 Tage reift der Senf dann, wird regelmäßig gerührt. Und ist hinterher für ein Jahr haltbar.

Senftradition in Groningen

Dass der Senf in Groningen produziert wird, hat Tradition: Ein Farmer war 1895 Mitbegründer der Marne Senffabrik, wollte hier seine Senfkörner verarbeiten lassen. Auch heute hat die Senfproduktion noch einen gewissen Rang: Die Marne Mostert Fabrik beschäftigt etwa 40 Personen, 15.000 Tonnen Senf oder etwa 14 Millionen Gläser kommen von hier. Der Marktanteil liegt in den Niederlanden bei 60 Prozent. Neben seiner Präsenz in praktisch allen niederländischen Supermarktketten wird der Senf auch weltweit exportiert. „Wir gehören zu den fünf wichtigsten Senffabriken in Europa“, sagt Peter Kaiser, Managing Director von Marne. 
Und als Museumsbetrieb ist Abrahams Mosterd Makerij in Eenrum weiterhin in Betrieb. Groningen und die umliegende Provinz profitieren also noch immer von der Delikatesse. In vielen der Kneipen und Restaurants der Stadt – und davon gibt auch wegen der vielen Studenten in der Innenstadt etwa 200 auf einem Quadratkilometer – wird so die typische Groninger Suppe serviert.

Senfsuppe als Traditionsgericht

Etwa im „Eetcafé t‘ Zwarte Schaap“: Gedämpftes Licht, in großen weißgetünchten Zylindern scheinen Glühbirnen wie Fackeln von den Wänden. Rote Plüschvorhänge, Holzbohlenboden. Eine lachende Geburtstagsgesellschaft am langen Holztisch gegenüber, leise Popmusik. Ein typisches niederländisches Restaurant ist das „Eetcafé t‘ Zwarte Schaap“, direkt am Kanalring um die Innenstadt Groningens gelegen. In einem hohen Teller serviert die blonde Kellnerin die Suppe. Scharf riecht sie, nach Essig. Eine typische Groninger Senfsuppe. Hier kostet die Vorspeise etwa fünf Euro. Und verbindet den leicht scharfen Geschmack mit körnigem, hartem Speck und frisch eingestreutem, altem Gouda. Die niederländische Küche serviert danach schnörkellos gut gebratenes Rumpfsteak und einen einfachen Salat. Die Senfsuppe ist ein lokales Traditionsgericht und gehört deshalb häufig zur Speisekarte der Groninger Restaurants. Häufig wird dabei der Senf von Abrahams Mosterd Makerij verwendet, den Berend van der Veen dort noch per Hand herstellt.

Hier in der Manufaktur wird die Geschichte der Senfproduktion erlebbar: In Abrahams Mosterd Makerij stehen viele der alten Geräte für die Senfproduktion in einem kleinen Museum. Früher wurde hier auch noch der Essig hergestellt, heute produziert Berend nur noch den Senf, 6.000 bis 7.000 Töpfe im Monat. Ein bis zwei Eßlöffel davon in heißes Wasser: ein Wundermittel gegen Blasen an den Füßen. Zwei bis drei Eßlöffel in die Gemüsesuppe: eine Delikatesse. Berend van der Veen von Abrahams Mosterd liebt die klebrig-scharfe Substanz. Der Groninger Grobsenf ist seine Passion. „Die armen Leute haben ihn früher gegessen, um das fette Essen abzubauen“, erzählt der Senfmeister. „Aber traditionell wurden auch die heilsamen Aromen des Senfs geschätzt.“ Berend van der Veen rührt abermals mit dem dicken Holzlöffel in der grobkörnigen Masse. Scharfe Dämpfe, Essig, steigt in die Nase. Er reibt sich die Augen – und weint dabei. „Gegen Schnupfen“, sagt der Senfmeister, „hilft unser Senf auf jeden Fall auch.“

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Wurstige Tradition in Birnenform

Salzig, fettig. Ein Hauch von Paprika und Essig liegt in der Luft. An den Rändern hängen die Sobrassadas wie Vorhänge. Lang, kurz, dunkelrot, beigematt. Gebeult, als Stange, in Birnenform. „Wenn ich abends nach Hause komme“, sagt Verkäufer Pedro Amengual, „habe ich im wahrsten Sinne die Nase voll von dieser Wurst“. Aber Sobrassada ist der Inbegriff mallorquinischer Küche. Und das Colmado Santo Domingo ist berühmt für die Paprikastreichwurst.

Klinikalltag. Julia trägt weiße Latex-Einweghandschuhe, eine Webhaube umfasst ihr braun gelocktes Haar. Der Raum ist weiß gekachelt. Auf einem Tisch aus Metall liegt weißer Darm. Es riecht nach Essig, das tötet jeden Keim. Julia packt den Darm, stülpt ihn über einen Stab. Die Maschine röhrt lauter, hineingequetscht wird das Mark aus Paprika und Schweinehack. Sie bindet das Ende der dicken Wurst mit einer weißen Kordel zu: die Geburtsstunde einer neuen Sobrassada.

Seit über 100 Jahren wird hier produziert, in der Fabrik La Luna in Sóller. Sobrassada ist ein mallorquinisches Heiligtum. Die Wurst aus Schwein und Paprika gibt es in verschiedenen Versionen: scharf, medium und mild. Sie ist grober als eine normale Streichwurst. Kommt sie vom schwarzen Mallorcaschwein, ist der Geschmack von Johannesbrotbaum und Eichel dominant, die groben Stücke gleichen eher Schinken als Fett und zergehen trotz der stärkeren Körnung sanft am Gaumen.

630.000 Personen leben ständig auf Mallorca. Und ungefähr 60.000 Schweine. Auf der speziellen Touristen-Inselkarte für kulinarische Betriebe sind acht Manufakturen für Sobrassadas verzeichnet. Etwa 2,5 Millionen Kilo Sobrassada werden insgesamt im Jahr verkauft, 38 mallorquinische Betriebe sind offiziell als Produktionsstätten eingetragen. So ist die weiche Paprikawurst nicht nur Sinnbild echter Inselidentität, sondern ein Wirtschaftsfaktor, wenn auch nicht so wichtig wie die jährlich acht Millionen Inseltouristen. Und gleich ein weiteres Inselheiligtum ist untrennbar mit der Sobrassada verbunden: das schwarze Schwein. Es kommt ursprünglich aus Sizilien, ist aber schon seit mehreren hundert Jahren eines der Wahrzeichen der Insel. Das Fleisch hat einen wilderen Charakter und wesentlich längere Haltbarkeit als das der weißen Verwandten, es ist weniger fetthaltig. Und entwickelte sich damit in Wurstform vom ursprünglichen Armeleuteessen zu einer weltweit exportierten Delikatesse.

Schrumpelig ist die Wurst, der Finger drückt eine sichtbare Delle in die weiche Haut. Wenn sie frisch aus der Fabrik kommt, ist sie noch komplett weiß, das rote Mark schimmert nur leicht hindurch. Je älter sie ist, desto besser wird sie. Dann wechselt die Farbe ins Graubraune, Rotschwarze oder Ockerorange. Manchmal wie eine Birne verbogen, manchmal dick wie eine Keule. Und passt damit in keine Norm und auch nicht in die steril-geraden Wurstreihen deutscher Supermarktkühlregale. Doch besiegelt ist ihr Zustand trotzdem: Die Sobrassada wird amtlich kontrolliert nur auf Mallorca hergestellt und erhielt von der EU die Auszeichnung „Besondere Qualität mit Ursprungsbezeichnung“. Acht Euro kostet eine Wurst mit dem Geschmack des normalen Schweins, 16 bis 18 Euro muss der Genießer bezahlen, wenn das Fleisch des schwarzen Schweins verwendet wurde.

Im kleinen Geschäft Colmado Santo Domingo läuft das Geschäft gut, Genießer und Touristen drängeln sich auf fünf Quadratmetern. Und Pedro Amengual steht hinter dem winzigen Tresen ganz am Ende und zupft sich die Nase. „Wenn ich Sobrassada dann doch esse“, sagt er, „dann natürlich die vom schwarzen Schwein“. Aber eigentlich hat er abends genug vom Salz, vom Essig und vom Paprika, von dem Geruch, der wie ein Schleier über dem Vorhang aus Sobrassadas hängt.

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Keine Alternative

Wer nach 1960 geboren ist, sollte sich privat gegen Berufsunfähigkeit versichern, denn für ihn springt Vater Staat nicht ein. Doch die Versicherer akzeptieren nicht jeden Kunden.

„Sind Sie sich wirklich so sicher, dass sie keine besondere Vorerkrankung haben? – Die Ergotherapeutin Helen Klein stutzt: „Natürlich weiß ich nicht, was bei meinen Ärzten in den Akten steht. Na gut, ein bisschen Allergie …“ – „… oder doch schon Asthma?“, fragt der Experte von der Verbraucherzentrale nach. Essen, ein verregneter Morgen im Januar. 25 Jahre alt, halbwegs gesund, seit kurzem einen festen Job: Der richtige Zeitpunkt für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Wichtige Klauseln im Versicherungsvertrag

Die staatliche Berufsunfähigkeitsversicherung wurde Anfang 2001 stark eingeschränkt, seitdem gilt der ursprüngliche gesetzliche Schutz nur noch für die Generationen, die vor dem 1. Januar 1961 geboren sind. Jüngere erhalten nur noch dann die volle Erwerbsminderungsrente, wenn sie weniger als drei Stunden am Tag – egal in welchem Job – arbeiten können, sie bringt ihnen dann rund 35 Prozent des letzten Bruttoeinkommens.

„Das ist meist zu gering, um davon vernünftig zu leben“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Verbraucherschützer raten deshalb zu einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch nicht jedes Angebot ist gleich sinnvoll. Vor allem zwei Klauseln unterscheiden gute von schlechten Policen. Beate-Kathrin Bextermöller, Projektleiterin bei der Zeitschrift Finanztest, erklärt: „Wir prüfen etwa den Verzicht auf die abstrakte Verweisung oder die Existenz einer Nachversicherungsgarantie.“

Beim „Verzicht auf die abstrakte Verweisung“ zahlt die Versicherungsgesellschaft im Schadensfall unabhängig davon, ob der Versicherte noch in einem anderen Beruf arbeiten kann. Die Nachversicherungsgarantie ermöglicht es dem Versicherungsnehmer, bei bestimmten Anlässen den Versicherungsschutz aufzustocken, ohne dass erneut eine Gesundheitsprüfung durchgeführt wird.

Die besseren Policen – also alle von Finanztest mit „Sehr gut“ bewerteten Unterlagen – sind dabei in der Regel etwas teurer. Wie viel sie kosten, richtet sich vor allem nach dem Beruf und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Die maximal mögliche Rentenhöhe unterscheidet sich nach Versicherungsgesellschaft, darf aber meist nicht mehr als 75 Prozent des Monatsnettogehalts betragen.

Probeanträge stellen

Leicht ist es indes nicht, einen guten Vertrag zu erhalten. Verbraucherschützer raten Menschen, die gerne eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollen, zu bis zu 20 Probeanträgen. Weidenbach: „Personen mit einer makellosen Gesundheit können auch nur einen Antrag stellen und auf eine Versicherung hoffen. Allen anderen rate ich zur Stellung mehrerer Probeanträge, die dann auch alle gleichzeitig abgesendet werden sollten. Denn die Versicherungsgesellschaften fragen nach bereits abgelehnten Anträgen oder einige wenige nach abgelehnten Probeanträgen.“

„Ganz schön aufwändig“, erinnert sich Helen Klein. Die Ergotherapeutin recherchierte zunächst diverse passende Versicherungsangebote, nachdem ein Standardschreiben zu einer Fülle nicht vergleichbarer und unkonkreter Angebote führte. In der Regel reicht das nicht: Weitere Fragekataloge werden nach der negativen Beantwortung von Gesundheitsfragen zugesendet.

Gesundheitsfragen gewissenhaft beantworten

Viele Gesellschaften verlangen vom Antragsteller, ihre Gesundheitsfragen für zehn Jahre im Rückblick zu beantworten, unter anderem diese: „Tragen Sie eine Brille? Gibt es innerhalb der letzten zehn Jahre Behandlungen des Rückens? Leiden Sie an Depression? Reagieren Sie auf bestimmte Stoffe allergisch? Welche?“ Helen Klein fragte bei allen ihren Ärzten dieses Zeitraums nach, welche Diagnosen gestellt und welche Medikamente verschrieben wurden. „Ein Gedächtnisprotokoll ist für einen solchen Zeitraum unmöglich“, stellte die Ergotherapeutin fest. Das Ergebnis ihrer Recherche: ein umfangreicher Anhang zu den Gesundheitsfragen der Standardanträge.

Ganz schön aufwändig, doch wer die Gesundheitsfragen der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nicht gewissenhaft beantwortet, braucht sich über Ärger im Schadensfall nicht wundern. Viele Versicherer kontrollieren erst dann die angegebenen Daten. Stoßen sie dabei auf nicht erwähnte Vorerkrankungen, die sie in ihrer Risikokalkulation nicht berücksichtigen konnten, listen sie sie penibel auf. Die Folge: Der Vertrag ist rückwirkend unwirksam, und der Versicherte erhält nichts. Solche Leistungsverweigerungen sind laut der unabhängigen Schlichtungsstelle „Versicherungsombudsmann“ ein Hauptgrund für Schlichtungsverfahren.

Auch deshalb rät Stephan Gelhausen, Pressereferent beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: „‚Muss ich das denn angeben, das merkt doch keiner‘ ist bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen bei der Antragsstellung keine gute Strategie. Der Verbraucher sollte die Fragen immer gewissenhaft beantworten und sich im Zweifelsfall von seiner Krankenkasse einen Bericht senden lassen. Er sollte sich vom Versicherungsvertreter in diesem Punkt nicht zu einer schnellen Unterschrift drängen lassen.“

Ausschlüsse und Ablehnungen

Helen Klein ist Brillenträgerin, das ist eigentlich kein Problem für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Schwierig wird es da schon bei ihrer Allergie mit der Tendenz zum Asthma, und das trotz Desensibilisierungstherapie. Immer wieder auch ein Problem: der Rücken. „Da hatte ich einmal physiotherapeutische Behandlung“, erinnert sich die 25-Jährige, „allerdings wegen einer falschen ärztlichen Diagnose“. Außerdem stellte ein Arzt eine zu schwache Muskulatur fest, ein Problem, welches sehr viele Menschen haben.

„Gründe für die Ablehnung eines Antrags auf Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer Annahme nur mit erschwerten Bedingungen sind nach Häufigkeit sortiert die vielleicht nicht makellose Gesundheit, der möglicherweise risikoreiche Beruf und als gefährlich geltende Hobbys“, beschreibt Verbraucherschützerin Elke Weidenbach ihre Erfahrung aus der Beratungspraxis. So haben es hart körperlich arbeitende Menschen schwer, also viele Handwerker. Tauchen und Fallschirmspringen ist aus Sicht der Versicherungsgesellschaft auch nicht unbedingt ein günstiges Hobby.

Klauseln, die generell für bestimmte Berufsgruppen bestimmte Erkrankungen ausschließen, oder Fragebögen, die bis ins Säuglingsalter zurück die Krankengeschichte erfassen sollen, gehören heute zwar meistens nicht mehr zum Repertoire der Versicherer. Jedoch: „Der Versicherungsschutz hat sich in den letzten Jahren stark verbessert“, erklärt Finanztest-Projektleiterin Bextermöller. „Dadurch prüfen die Versicherungsgesellschaften aber vermutlich noch etwas genauer, wen sie versichern wollen.“ Verbandsvertreter Gelhausen erklärt: „Es kann noch immer nicht jeder versichert werden. Die private Versicherungswirtschaft muss risikogerecht kalkulieren und lehnt deshalb, wo dies nicht möglich ist, Anträge auch ab.“

Eingeschränkter Ausschluss

Bextermöller rät: „Bevor man gar keinen Berufsunfähigkeitsschutz erhält, sollte man lieber erhöhte Prämien wegen gesundheitlicher Probleme akzeptieren. Häufig machen die Versicherer aber nicht mit und verlangen stattdessen einen Ausschluss der Vorerkrankung. Lässt sich ein solcher Ausschluss nicht vermeiden, sollte man versuchen zu vereinbaren, dass nach einigen beschwerdefreien Jahren der Ausschluss wieder aus dem Vertrag herausgenommen wird.“

Wird eine Vorerkrankung von der Versicherungsgesellschaft vom Versicherungsumfang ausgeschlossen, dann zahlt sie die vereinbarte Rente nicht, wenn diese Vorerkrankung möglicherweise Ursache für die Berufsunfähigkeit ist.

Das Beste, was zumindest Ergotherapeutin Helen Klein bei einem Versicherer herausholen konnte, war eine Einschränkung des Ausschlusses für ihr Rückenleiden. Ein anderer Versicherer wollte sie zwar nicht gegen Berufsunfähigkeit versichern, bot ihr aber dafür eine für sie völlig unnötige Lebensversicherung an. Helen Klein verzichtete am Ende komplett auf jede Berufsunfähigkeitsversicherung.

Alternativversicherungen

Wem es ergeht wie ihr, dem bleibt nur die Suche nach Alternativen. Die ist nicht leicht, denn alle anderen Produkte sichern wesentlich weniger ab als eine mit „Sehr gut“ bewertete Berufsunfähigkeitspolice.

Sinnvoll ist vor allem die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die zahlt, wenn der Versicherte überhaupt gar keinen Beruf – egal welchen – mehr ausüben kann. Hier sollte der Versicherte darauf achten, dass diese Versicherung auf jeden Fall mindestens ab dem Zeitpunkt bezahlt, ab dem auch der staatliche Erwerbsminderungsschutz greift.

Aus dem angelsächsischen Raum kommt die Idee der „Dread-Desease“-Versicherung, die beim Eintritt sehr schlimmer Erkrankungen zahlt. Das Problem dabei: Viele Erkrankungen sind in ihr gar nicht erst erfasst.

Die Grundfähigkeitsversicherung wiederum unterscheidet nach bestimmten Fähigkeitskategorien und zahlt etwa dann, wenn eine Person fast komplett erblindet, also die Grundfähigkeit des Sehens sehr stark eingeschränkt ist. Genau darin liegt aber auch das Problem, denn eine bloße Schwächung einer Grundfähigkeit führt zu keiner Zahlung.

Bleibt die Unfallversicherung, ein in Deutschland sehr verbreitetes Produkt. Doch auch sie kann die Berufsunfähigkeitsversicherung nur eingeschränkt ersetzen, denn nur etwa zehn Prozent der Fälle von Berufsunfähigkeit resultieren aus einem Unfall.

Fazit der Expertin Bextermöller: „Alle diese Versicherungen sind keine wirkliche Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, denn sie bieten nur einen Teilschutz. Deshalb sollte sich der Verbraucher zunächst intensiv um eine Berufsunfähigkeitsversicherung bemühen.“

Zum Weiterlesen:
BUZ-Versicherungsroman: Im ZEIT-online-Weblog Geldseligkeiten gibt es die komplette „Versicherungsgeschichte“ von Helen Klein in sechs Teilen.

Berufsunfähigkeitsversicherung gezielt absichern: Von den Verbraucherzentralen wird dieser Ratgeber herausgegeben. Die 160 Seiten voller Tipps gibt es für 12,90 Euro zzgl. Versandkosten.

Jörg Stroisch schreibt als freier Journalist in Köln über alle Themen rund um die privaten Finanzen. Den Usern von ZEIT online ist er durch sein Weblog „Geldseligkeiten“ und das von ihm betriebene gleichnamige Portal bekannt.
Der Name von Helen Klein wurde von der Redaktion geändert.

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Für Zeit_online schreibt das Journalistenbüro Artikel in den Ressorts Finanzen und Reisen.

Teure erste Klasse

Die gesetzlichen Krankenkassen reduzieren ihre Leistungen mehr und mehr. Private Versicherer bieten eine bessere Versorgung – die bessere Wahl sind sie dennoch häufig nicht.

Was die Rede von der „Zwei-Klassen-Medizin“ in Deutschland bedeutet, hat Bettina Ziegler selbst erlebt. Als Kind war die selbstständige Gebäudeenergieberaterin und Feng-Shui-Spezialistin über ihren Vater privat krankenversichert. „Da war es überhaupt kein Problem, Termine bei Ärzten zu bekommen. Und jede Menge Vorsorgeuntersuchungen wurden bezahlt.“ Als sie eine feste Stelle antrat, änderte sich das schlagartig: Bettina Ziegler musste zu einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Doch nun will sie wieder bessere Leistungen – und zurück zu den Privaten. 

Die Suche nach dem passenden Angebot wird für sie zum Wochenendprojekt. „Die Versicherung soll ja fürs Leben halten“, sagt die 34-Jährige. Deshalb nimmt sie sieben Tarife von vier Anbietern genau unter die Lupe. Eine Auswahl zu treffen, ist nicht eben leicht, denn die Angebote der privaten Krankenversicherer unterscheiden sich häufig sehr und sind deshalb schwer vergleichbar.

Nicht jeder kann wechseln

Bettina Ziegler ist selbstständig und kann deshalb frei wählen, ob sie sich gesetzlich oder privat versichert. Auch Angestellte können aus der gesetzlichen Kasse zu einem privaten Krankenversicherer wechseln, sofern sie mehr als 47.250 Euro im Jahr verdienen. Beamte schließlich erhalten eine staatliche Gesundheitsbeihilfe und ergänzen diese mit privaten Policen. In Deutschland sind einer Statistik des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VDAK) zufolge nur zirka neun Prozent der Bevölkerung privat versichert, rund 88 Prozent gehören einer gesetzlichen Krankenkasse an.

Dabei handelt es sich um zwei völlig verschiedene Systeme zur Versorgung der Patienten: So garantieren die privaten Versicherer, ganz im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen, ihren Kunden bis ans Lebensende gleich bleibende Leistungen, wenn diese nur ihre Prämie regelmäßig entrichten. Wie hoch die Beiträge sind, kalkulieren sie nach dem persönlichen Risiko ihres Kunden. Die gesetzlichen Kassen hingegen arbeiten nach dem Solidarprinzip und ermöglichen so einen Risikoausgleich über alle Versicherten. Außerdem werden die Beiträge einkommensabhängig kalkuliert, ihre Leistungen aber unterliegen dem politischen Wandel.

234 Milliarden Euro oder 10,6 Prozent des Bruttoninlandsprodukts wurden 2004 in Deutschland für die Gesundheit ausgegeben, sagt das Statistische Bundesamt. Jüngere Zahlen gibt es nicht, doch man darf annehmen, dass die Ausgaben seither nicht gesunken sind. Die hohen Kosten des Gesundheitssystems machen die Krankenversicherung zu einer elementar wichtigen Versorgungsform. Den privaten Versicherern eröffnen sie einen lukrativen Markt.

Fokus Private Krankenversicherung

„In der privaten Krankenversicherung kann man seinen Versicherungsschutz nach seinen individuellen Bedürfnissen und Präferenzen wählen“, beschreibt Sabine Heche, Pressesprecherin beim Verband der privaten Krankenversicherung. Das bedeutet: Es gibt Tarife, die lediglich einen Basisschutz bieten, und solche, die mit Rundumversorgung werben, Angebote mit einer geringen Prämie, aber einer hohen Selbstbeteiligung, und umgekehrt. Wer sich einmal für einen Tarif entschieden und einen Vertrag abgeschlossen hat, kann seinen Arzt und das Krankenhaus ebenfalls frei wählen. Nimmt er Leistungen nicht in Anspruch, kann er eine Beitragsrückerstattung erhalten, sofern vereinbart.

Diese und andere Klauseln werden einmal vertraglich festgelegt und gelten dann für die komplette Vertragslaufzeit. „Weder der Versicherer noch – anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung – der Gesetzgeber darf die Leistungen kürzen“, skizziert Heche. Uneingeschränkt gültig ist der Versicherungsschutz in Europa, zeitlich begrenzt häufig auch für den Rest der Welt.

So viel Freiheit hat auch Nachteile. So muss jeder Versicherte, also auch jeder Familienangehörige, eigene Beiträge bezahlen. Risikozuschläge können die Prämien in die Höhe treiben. Auch Ausschlüsse bestimmter Erkrankungen sind möglich, und eine Versicherung kann es ablehnen, einen Antragsteller aufzunehmen.

Der größte Nachteil aus Sicht des Versicherten ist aber der schwierige Wechsel in eine andere private Krankenkasse. Durch Altersrückstellungen, die nicht mit zum neuen Versicherer mitgenommen werden können, erneute Gesundheitsfragen und insgesamt potenziell höhere Beiträge für die neue Police wird dem Versicherten der Wechsel praktisch verbaut, obwohl er theoretisch möglich ist. Positiv ausgedrückt: „Die Beiträge sind so kalkuliert, dass jede Generation ihre eigenen Gesundheitskosten trägt“, so Pressesprecherin Heche. „Die Private Krankenversicherung belastet nicht die kommenden Generationen und ist demografiesicher.“

Negativ ausgedrückt: Jeder Mensch wird alt und mit ihm die Mehrzahl der anderen Versicherten des Tarifs. Die dann fälligen Monatsbeiträge steigen und zwingen viele Versicherte zur Rückstufung in einen Standardtarif auf Basis der gesetzlichen Konkurrenz, aber mit vielen praktischen Nachteilen. Auch die Selbstbeteiligung kann vom Versicherer erhöht werden. Verbandsvertreterin Heche mahnt: „Der Versicherte sollte deshalb hier nicht zu Versicherungsbeginn seine maximalen Finanzierungsmöglichkeiten ausschöpfen“ – sprich: Es ist besser, anfangs eine geringe Eigenbeteiligung zu vereinbaren, um im Falle späterer Erhöhungen noch ein Polster zu haben.

Doch die Entscheidung für das passende Angebot fällt nicht leicht. Auch Bettina Ziegler musste sich durch den „Dschungel“ erst hindurchkämpfen, sagt sie. „Auch über viele Fachbegriffe habe ich mich erst informieren müssen. So wird beispielsweise mal Krankentagegeld oder manchmal auch nur Krankenhaustagegeld gezahlt.“ Krankentagegeld erhält man, falls es durch eine längere Krankheit zu einem Verdienstausfall kommt, Krankenhaustagegeld hingegen nur bei einem Aufenthalt in der Klinik.

Die Angebote, die Ziegler schließlich erhielt, waren kaum zu vergleichen. Die Prämien lagen zwischen 147 Euro im Monat für einen Tarif mit 2.700 Euro Eigenbeteiligung im Jahr und ohne Beitragsrückerstattung bis zu 430 Euro im Monat bei 450 Euro Eigenbeteiligung, fehlender Rückerstattung und immer kostenlosen Vorsorgen und Impfungen. Beim alten Versicherer ihres Vaters würde sie dabei immerhin ohne Gesundheitsfragen aufgenommen werden, sie hat dort eine so genannte Anwartschaft. Alle anderen Versicherer machen die Kontrolle: „Ich bin in den letzten zehn Jahren drei Mal umgezogen. Wie soll ich da noch alle Ärzte zusammen bekommen“, fragt sich Ziegler allerdings.

Fokus Gesetzliche Krankenkasse

Weniger problematisch ist da die Entscheidung zwischen gesetzlichen Krankenkassen. Lilo Blunck, Geschäftsführerin beim Bund der Versicherten: „Die Wahl der gesetzlichen Krankenversicherung kennt nahezu nur ein Kriterium: die Beitragshöhe. Die Leistungen sind nämlich fast identisch.“

Die gesetzlichen Krankenkassen führen keine Risikoprüfung durch und müssen jeden aufnehmen. Auch ein Wechsel gestaltet sich einfach. Einmal versichert, ist alle 18 Monate die Wahl einer neuen Krankenkasse möglich, bei Beitragssatzerhöhung gilt ein Sonderkündigungsrecht. Rückstellungen, die den Versicherten an seine Krankenkasse binden, gibt es keine. Weitere Vorteile der gesetzlichen Variante: Familienangehörige werden kostenfrei mitversichert, die Kassen zahlen Mutterschaftsgeld und gewähren während des Mutterschutzes und Erziehungsurlaubs Beitragsfreiheit.

Wichtigster Nachteil der Gesetzlichen: Sie fokussieren sich – politisch gewollt – immer mehr auf die medizinisch notwendigen Maßnahmen. So werden Krankenrücktransporte aus dem Ausland nicht gezahlt, der Patient muss zum Vertragsarzt und nächstgelegenen Krankenhaus gehen. Diverse Leistungen sind mittlerweile nur noch mit Zuschuss zu haben. Therapeutische Leistungen und Medikamente sprengen gelegentlich das Budget eines Arztes, der dieses dann nur noch mit Zaudern verschreibt – im besten Fall. Brillen oder Zahnersatz erfordern schon jetzt einen tiefen Griff ins eigene Portemonnaie. Schlimmer noch: Die Leistungen werden fortlaufend reduziert, und Ärzte haben immer geringere Möglichkeiten, Krankenkassenpatienten über das Notwendige hinaus gehende Maßnahmen schnell zur Verfügung zu stellen.

Am Ende muss sich der Patient also zwischen den Vor- und Nachteilen ganz unterschiedlicher Versorgungssysteme entscheiden. Zumindest Verbraucherschützerin Lilo Blunck ist sich sicher, was die richtige Wahl ist: „Bösartig formuliert: Wer 25 Jahre alt ist, gut verdient, gesund ist, keine Kinder und Familie möchte und vor hat, frühzeitig zu sterben, für den ist die private Krankenversicherung etwas“, spielt sie auf die Risikoprüfung der Privaten und dem Beitragshoch im Alter an. Dass die gesetzlichen Kassen generell schlechtere Leistungen bieten, sieht allerdings auch sie: „Von den Leistungen her ist die Zwei-Klassen-Medizin – möglicherweise schon die Drei- oder Vier-Klassen-Medizin – Realität.“

Kompromiss: private Krankenzusatzversicherung

Mit privaten Krankenzusatzpolicen können aber auch gesetzlich Versicherte im Krankheitsfall eine bessere Versorgung erhalten. Die Leistungen sind dabei genauso vielfältig wie bei der privaten Vollversicherung. Von Zahnersatz über Privatzimmer und freie Arztwahl über Krankentagegeld und Pflegezusatzversicherung ist alles in unterschiedlichen Kombinationen zu haben. Das kann je nach Alter und Ausgang der Risikoprüfung ziemlich teuer werden, weshalb ein klar umgrenzter Versicherungsumfang auf wirklich notwendige Leistungen oft sinnvoll ist. Blunck: „Wenn es irgendwie geht, sollte der Verbraucher mindestens für seine Kinder eine private Krankenzusatzversicherung abschließen.“

Den fest an die gesetzliche Krankenkasse gekoppelten Angeboten erteilt die Verbraucherschützerin eine klare Absage: „Sie sind oft teurer als vergleichbare Produkte im Markt. Sie sind nicht genau auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestellt. Beim Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse verliert der Verbraucher außerdem den Rabatt und muss dann den teuren Standardtarif bezahlen oder er muss – mit erneuter Gesundheitsprüfung – zu einem anderen Anbieter wechseln.“ Insgesamt ist also die private Zusatzversicherung nach derzeitigem Stand ein guter Schritt in eine bessere Medizinklasse.

Politische umstrittene Krankenversicherung

Der derzeitige Stand kann aber schon in wenigen Wochen Makulatur sein. Die aktuellen politischen Diskussionen über die Gesundheitsreform machen es Versicherten mit ihrer Entscheidung derzeit nicht gerade einfach. Die Verbandsvertreter der gesetzlichen und der privaten Versicherer bemängeln unterschiedliche Aspekte, letztendlich schlechtere Wettbewerbsfähigkeit und daraus resultierend höhere Beiträge für die Versicherten.

„Den Ausgang der Debatte um die Gesundheitsreform zu erraten, ist wie sechs Richtige im Lotto“, kritisiert auch Lilo Blunck. „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Entscheider selbst genau wissen, was sie wollen.“

Bettina Ziegler jedenfalls hat resigniert. „Angesichts der Flut an unübersichtlichen Informationen hat mich erst mal der Mut verlassen“, zieht sie einen vorläufigen Schlussstrich unter ihre Wechselwünsche ins private System. „Die Diskussionen zur Gesundheitsreform verunsichern mich. Ich bleibe zunächst in der gesetzlichen Krankenversicherung und möchte auch die politischen Entwicklungen abwarten.“

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Chefarzt, bitte

Private Zusatzversicherungen sind sinnvoll für alle, die mit den schrumpfenden Leistungen der gesetzlichen Kassen nicht zufrieden sind. Wie aber findet man die richtigen?

„Schon meine Geburt haben meine Eltern selbst bezahlt.“ Was für viele Deutsche fast undenkbar ist, nämlich die medizinische Versorgung aus der eigenen Tasche zu finanzieren, war für Bob Heinemann ganz normal. Er kam in Amerika zur Welt. „Und dort kommt das Geld für die Krankenversorgung eben häufig aus dem eigenen Portemonnaie.“

Seit seinem neunten Lebensjahr lebt Bob Heinemann nun in Deutschland – und ist gesetzlich versichert, auch in seinem jetzigen Job als angestellter Fotoredakteur. Er schätzt das System, aber dennoch reichte ihm der Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenkassen nicht aus. Über seinen Arbeitgeber schloss er eine Zusatzpolice ab, die ihm im Krankenhaus eine bessere Versorgung bieten soll.

So wie Bob Heinemann denken viele: Rund 18 Millionen Zusatzversicherungen haben gesetzlich Versicherte in Deutschland bei privaten Krankenversicherern abgeschlossen. Dabei sind die Kooperationsangebote der gesetzlichen Kassen noch gar nicht mitgezählt.

Nicht existenziell notwendig, aber ein sinnvolles Plus

Zugegeben: Man braucht solche Zusatzpolicen nicht unbedingt. Aber so mancher Vertrag verschafft dem Versicherten das gute Gefühl, gegen viele Eventualitäten gewappnet zu sein – und das ist in Zeiten, in denen die gesetzlichen Krankenkassen immer mehr Leistungen streichen, nicht zu verachten. Welche Zusatztarife im Einzelfall empfehlenswert sind, „hängt ganz von den eigenen Bedürfnissen ab“, beschreibt Ulrike Steckkönig, Redakteurin bei der Zeitschrift Finanztest.

Die passende Police zu finden, ist nicht besonders kompliziert, denn die Tarife sind deutlich einfacher gestrickt als bei den privaten Krankenvollversicherungen. Policen wie die von Bob Heinemann, die eine bessere Versorgung im Krankenhaus bieten, lassen sich sogar sehr gut untereinander vergleichen. Komplizierter wird es für Versicherte, die künftig ihren Zahnersatz, die neue Brille oder Besuche beim Heilpraktiker mithilfe einer Zusatzversicherung finanzieren wollen, denn hier unterscheiden sich die Leistungen oft sehr stark. 

Manche Versicherer bieten auch All-Inclusive-Pakete an. Doch sie sind nur für jene Patienten gut, die sich wirklich gegen alle möglichen Risiken absichern möchten. Sonst ist es sinnvoller und günstiger, sich mit Einzelversicherungen abzusichern.

Was genau steht aber zur Auswahl? Grundsätzlich gibt es vier Basisangebote:

  • Die ambulante Zusatzversicherung: Sie deckt Leistungen rund um die ambulante ärztliche Versorgung ab, unter anderem bestimmte Therapien, die neue Brille, die Sitzung beim Heilpraktiker oder Schutzimpfungen. Das Urteil zu solchen Tarifen fällt eindeutig aus, zumindest aus Sicht von Jens Trittmacher, Versicherungsberater beim Bund der Versicherten: „Die ambulanten Ergänzungstarife sind fast immer sinnlos“, sagt er. „Nur für Personen, die viel Wert auf Heilpraktikerleistungen legen, sind sie vielleicht interessant. Denn der Besuch beim Heilpraktiker wird nur von ambulanten Policen finanziert.“
  • Die stationäre Krankenhauszusatzversicherung: Chefarztbehandlung, Ein- oder Zweibettzimmer, freie Krankenhauswahl – das sind mögliche Leistungen dieses Tarifs, der auch bei Trittmacher gut ankommt: „Die Krankenhauszusatzversicherung kann als Ergänzung sinnvoll sein. Ein Krankenhaustagegeld ist unnötig. Aber für gut verdienende Personen mit Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze kann ein Krankentagegeld als Ausgleich des Verdienstausfalls interessant sein.“
  • Die Zahnversicherung: Wie viel sie kostet, richtet sich nach dem Zustand und der Anzahl der Zähne des Patienten. Je nach Tarif werden durch sie die Kosten ganz oder teilweise finanziert, etwa für Kronen oder Implantate, die von der gesetzlichen Kasse nicht übernommen werden. Trittmachers Urteil: „Bei der separaten Zahnzusatzversicherung bezahlt man mehr, als man herausbekommt, zumindest solange man nicht mehr als eine Krone pro Jahr erneuern lässt. Finanziell sinnvoll kann sie höchstens sein, wenn Implantate eingesetzt werden müssen.“ Der Versichertenberater rät dazu, lieber Geld zurückzulegen, um künftige Behandlungen selbst bezahlen zu können.
  • Die Pflegezusatzversicherung: Zwar finanziert die gesetzliche Pflicht-Pflegeversicherung einen Teil der Pflegekosten im Alter. Doch ein Pflegeheim kann bedeutend teurer sein. Das soll die Pflegezusatzpolice auffangen. Trittmacher würde nicht jedem Versicherten zu einer solchen Police raten: „Ältere Personen sollten kontrollieren, ob sie mit ihrem Vermögen eine gute Versorgung sicherstellen können, bevor sie viel Geld für die Versicherung ausgeben“, sagt er. Wer kein ausreichendes Vermögen habe, solle unbedingt „einen Tarif wählen, der auch die Pflegestufe 1 beinhaltet“.


Grundsätzlich gilt für jede Zusatzversicherung: Je mehr Leistungen sie umfasst, desto teurer wird sie. Außerdem spielt das Geschlecht eine Rolle. Etwa ein Drittel mehr muss eine Frau für eine Versicherung bezahlen. Ein ganz wesentlicher Faktor ist auch das Alter, da es sich ebenfalls auf den Gesundheitszustand auswirkt. Das Versicherungsunternehmen kann Vorerkrankung von der Leistung ausschließen, eine erhöhte Prämie verlangen, oder im schlechtesten Fall lehnt es die Absicherung komplett ab. „Empfehlenswert ist es, mehrere Anträge gleichzeitig zu stellen, denn bei den Risikozuschlägen und -ausschlüssen hat jede Versicherungsgesellschaft eigene Maßstäbe. Dann kann man auch ruhigen Gewissens bei der Frage nach einem bereits abgelehnten Antrag das „Nein“ ankreuzen“, kommentiert Finanztest-Redakteurin Steckkönig.

Die Probleme mit der Altersrückstellung, eine bekannte Diskussion bei der privaten Krankenvollversicherung, ist bei den Zusatztarifen ein geringeres Problem: „Es gibt Versicherer, die ihre Preise für Krankenzusatztarife seit den siebziger Jahren einigermaßen stabil gehalten haben“, sagt Steckkönig. „Für den Arbeitslosen oder Rentner geht außerdem die Welt nicht unter, wenn er etwa auf das Ein-Bett-Zimmer im Krankenhaus verzichten muss.“ Was wenige wissen: Legt der Patient darauf Wert, dann kann er eine bessere Unterbringung im Krankenhaus auch aus eigener Tasche zahlen. Die Preise unterscheiden sich allerdings je nach Ort massiv. Niemand muss also bei entsprechender Bezahlung auf die Ruhe eines Ein-Bett-Zimmers verzichten.

Krankenversorgung erster Klasse

Bob Heinemann bekommt das Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer, hat einen guten Tarif und ist mit der Leistung zufrieden: „Durch die Zusatzversicherung werde ich besser behandelt“, sagt der Fotoredakteur. Im Krankenhaus gibt es für ihn medizinische Versorgung erster Klasse, und über die erbrachten Leistungen erhält er dann immer eine ausführliche Rechnung. „Da ist dann auch deutlich dokumentiert, dass dieser Service seinen Preis hat.“ Aber Bob lebt ja nun nicht mehr in Amerika und muss das deshalb nicht aus dem eigenen Portemonnaie bezahlen.

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